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The Ides of March: George Clooneys unpolitische Propaganda

(c) AP (Saeed Adyani)
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Hollywoodstar George Clooney erzählt in dem Politikerdrama „The Ides of March“ vom Wunsch nach einem neuen Führer, verschenkt sein Thema allerdings an poppige Seifernoperndramaturgie. Ab Freitag im Kino.

Die Iden des März, so viel weiß man noch aus dem Geschichtsunterricht, bedeuten Unheil. Diese Lektion lernt Julius Cäsar: Nachdem ihm ein Orakel vorher sagt, dass er sich an den Iden des März (also dem 15. des Monats) vor Unbill hüten soll, wird er just an diesem Tag erdolcht. Dass jetzt Kaffeekapsel-Botschafter George Clooney ausgerechnet diesen historisch vorgeprägten Begriff als Titel für sein unpolitisches Politikerdrama „The Ides of March“ („Tage des Verrats“) wählt, produziert zweierlei Kollateralschäden: 1. Clooney überschätzt die Bekanntheit der Iden des März und trifft auf ein Publikum, das zu einem Großteil keine Ahnung haben wird, wieso der Film so heißt. 2. Diejenigen, die es wissen, werden enttäuscht sein, wie unspektakulär die Cäsar-Metapher auf das gegenwärtige amerikanische Vorwahlenparkett umgemünzt wird – und sich langweilen.



Bleiben also noch die Oberflächenreize, und derer gibt es, fast als hätte Clooney gewusst, wie uninteressant seine Geschichte ist, eine ganze Menge: Er selbst besetzt sich ideal als feschen Gouverneur im Wahlkampf zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten; ein rhetorisch wuchtiger Politiker als Obama-Paraphrase, an deren perfekt kultivierter „liberal democrat“-Oberfläche es gilt, die Inszenierungen und Chimären der Politik überhaupt zu durchmessen.

Clooney lächelt von Erlöserplakaten

Neben ihm brilliert homme du jour Ryan Gosling (im Jänner außerdem mit „Drive“ in den Kinos) als Junior-Kampagnenmanager, der nach der Pfeife eines fantastisch abgebrühten Philip Seymour Hoffman tanzt und darin aufgeht, „seinem Präsidenten“ den Weg ins Rampenlicht glatt zu bügeln, ihn zum perfekten Produkt zu machen. Herrlich die zwischen Politpropaganda und Pop-Art angesiedelten Erlöserplakate von Clooney, die an den Wänden der Wahlhelferbüros hängen und unterstreichen, dass die ganze Welt einmal mehr auf einen (An-)Führer zu warten scheint; auf eine Lichtfigur, die den Weg ins Morgen weist. Dem Regisseur geht es also darum, genau das zu demontieren – und zwar, indem ein Rad seiner Wahlkampfmaschinerie nicht mehr in das nächste greift, sondern durchdreht. Wenig verwunderlich handelt es sich um den jungen Kampagnenmanager: Er schert aus, nachdem sich sein Idealismus an der wenig charmanten Wirklichkeit einer vom Gouverneur geschwängerten und anschließend fallen gelassenen Praktikantin abgerieben hat.

Es sind im Besonderen diese Szenen im von Clooney-Spezi Grant Heslov mitverfassten Drehbuch, die dramaturgische Zuspitzung vorgaukeln, letztendlich aber auf Holzhammergefühle bauen, die „The Ides of March“ Sympathiepunkte kosten. Denn einen nichtssagenden Film über Politiker zu machen, das wäre nicht so schlimm. Neoklassizismus mit Betulichkeit zu verwechseln, auch nicht. Dann aber den lange vorbereiteten Sturzfall – natürlich zu den „Iden des März“ – des charismatischen Machtmenschen mit Seifenopernpop einzuleiten, das ist nicht nur dramaturgisch unbefriedigend, sondern auch ziemlich peinlich.

Schmerzhafter Absturz gen Dramolett

Clooney – grundsätzlich ein intelligenter Zeitgenosse – hat ja genug Einblicke in das Prominentensystem, das sich nur mehr in Details von der Politik unterscheidet. So hätte es ein elegant-radikaler Film werden müssen: über Erlösungsmetaphern und den Wunsch nach einem neuen Führer. Über die Kulissenarbeiter und den perfekten Schauspieler. Der Absturz von „The Ides of March“ gen Dramolett ist umso schmerzhafter.

Zur Person

George Clooney (* 1961, Lexington, Kentucky) zählt zu den erfolgreichsten Hollywood-Darstellern der Gegenwart, nebenbei ist er als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent aktiv.
„The Ides of March“ ist Clooneys vierte Regiearbeit. Bereits 2007 plante er den Film, verschob ihn aber nach Obamas Wahl zum US-Präsidenten: In dieser optimistischen Stimmung wäre „ein zynischer Politikerfilm fehl am Platz“ gewesen. Erst der politische Stimmungsumschwung seither hätte ihn überzeugt, dass die Zeit reif sei.