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"Blackout": Strom ist wie Blut im Körper

Blackout Strom Blut Koerper
(c) AP (Michael Probst)
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Der Strom kommt aus der Steckdose. Aber was ist, wenn nicht? Der neue Thriller "Blackout" von Marc Elsberg setzt sich damit fesselnd auseinander.

Wir leben in einer vernetzten Welt. Strom ist in dieser Welt bereits so alltäglich geworden, dass kaum mehr jemand darüber nachdenkt, was passieren kann, wenn plötzlich kein Strom mehr aus der Steckdose kommt. Etwa für 24 oder gar 72 Stunden. In seinem neuen Thriller "Blackout" schildert der Autor Marc Elsberg das Szenario eines solchen flächendeckenden, langandauernden Stromausfalls in Europa.

Was im ersten Moment wie ein Horror-Szenario klingt, ist bei näherer Betrachtung nicht so unrealistisch wie es scheint. Sogar E-Control-Vorstand Walter Boltz hat im November 2011 vor einem Blackout gewarnt, wie "Die Presse" berichtete. "Wenn nicht bald etwas geschieht, wird das österreichische Stromnetz technische Probleme bis hin zu flächendeckenden Blackouts bekommen", wetterte er damals und forderte einen raschen Ausbau der Hochspannungsleitungen.

"Zocken bis zum Blackout?"

Der Thriller-Autor wurde jedenfalls von der Realität eingeholt. Als er sein Manuskript vor einem Jahr beim Verlag einreichte, passierte fast zeitgleich die AKW-Katastrophe in Fukushima. Angesichts der darauffolgenden deutschen Energiewende und der Atomdiskussion in Europa nach Fukushima sind die Gefahr von Stromausfällen sowie Energieversorgungssicherheit Themen, die noch an Bedeutung gewinnen werden. Experten hatten befürchtet, dass das deutsche Stromnetz bereits im Winter 2011/2012 "an der Grenze der Belastbarkeit angelangt sein" könnte.

Im Jänner und Februar 2012 gab es dann erste Berichte, dass Deutschland von Österreich "Stromhilfe" beziehen musste, um Blackouts zu verhindern. Diese hätten wohl auch europaweit Folgen gehabt. Und Ende Februar wurde bekannt, dass deutsche Stromhändler Verbrauchsprognosen manipuliert haben, um hohe Kosten zu vermeiden. Das Stromnetz stand demnach kurz vor dem Zusammenbruch (Siehe: "Zocken bis zum Blackout").

"Strom ist wie Blut im menschlichen Körper"

Dass Strom ein komplexes Phänomen ist, erklärt Autor Elsberg im DiePresse.com-Interview. Eines der Probleme bei Strom sei, dass man ihn nicht speichern kann, sondern ihn dann produzieren muss, wenn man ihn braucht und dann verbrauchen muss, wenn er da ist. "In 'Blackout' erklärt das eine Figur anhand einer Analogie, die jeder versteht: Strom ist wie Blut im menschlichen Körper - beide müssen fließen, sonst bricht das jeweilige System zusammen", sagt Elsberg.

(c) Blanvalet

Elsberg nimmt den Leser mit auf eine fast 800-seitige Reise in ein Europa ohne Strom. Mit all seinen Auswirkungen. Und schon bald wird ersichtlich: Die moderne Gesellschaft ist zwar von Strom massiv abhängig, bewusst ist sich dieser Tatsache aber kaum jemand. "Da hängt alles dran: Wasser- und Lebensmittelversorgung, Verkehr, Gesundheitssystem, öffentliche Ordnung und Sicherheit, sämtliche Medien und Kommunikationsmöglichkeiten. Ohne diese Systeme kommt es zu gewaltigen menschlichen Dramen, von denen ich in 'Blackout' erzähle", sagt der Autor im DiePresse.com-Interview.

"Kriminelle Szenarien nicht auszuschließen"

Im Zentrum seiner Geschichte steht der Ex-Hacker und Informatiker Piero Manzano. Als auf dem ganzen Kontinent die Lichter ausgehen, untersucht er seinen "Smart Meter" - einen intelligenten Stromzähler. Er stellt fest, dass das Gerät durch einen Hackerangriff aus dem Internet manipuliert wurde. Ein Szenario das nicht fern der Realität ist. Denn Sicherheitsstandards sind in diesem Bereich zu gering. Die Gründe für Attacken müssen nicht einmal einen politischen oder terroristischen Hintergrund haben, wie Elsberg sagt.

"Kriminelle Szenarien sind auch nicht auszuschließen", sagt er. "So wie man heute Supermärkte erpresst, indem man Lebensmittel vergiftet, kann ich Großkonzerne erpressen, indem ich sage, pass auf, lieber Freund, ich will ein paar Milliarden von dir, oder ich dreh dir die Produktion ab. Das ist ja nicht absurd", führt der Thriller-Autor weiter aus.

"Drei Tage ohne Abwasser sind Sch...."

Die IT-Abteilungen der Banken hätten heute bereits den halben Tag damit zu kämpfen, Hackerangriffe abzuwehren. Genau dasselbe Problem bekomme man nun auch im Strom-Bereich, erläutert Elsberg. Es stelle sich eine grundsätzliche Frage: "Wenn ich solche Netze habe – und wir werden sie brauchen – wie kann ich verhindern, dass verheerender Schaden angerichtet werden kann?"

Aber was bedeutet es überhaupt, 72 Stunden ohne Strom leben zu müssen? Einerseits wären die wirtschaftlichen Folgen beträchtlich. "Viele Produktionsprozesse müssen komplett gestoppt werden. Alles was in der Zeit passiert ist, kann man wegschmeißen", meint der Autor. Andererseits wären auch die Folgen für den Alltag wenig lustig. Das größte Problem könnte die Versorgung mit Wasser beziehungsweise die Abwasserentsorgung sein. "Ich kann dann meine Wasserspülung nicht mehr betätigen. Einen Tag lang geht das zur Not, drei Tage lang ist das schon im wahrsten Sinn des Wortes Sch...."

Ein gut getarntes Sachbuch

Nach der Lektüre von "Blackout" wird man nicht unbedingt beruhigt sein - aber besser informiert. Vielleicht wird man sogar mehr wissen, als einem lieb ist. Denn Elsbergs Buch ist nicht nur ein spannender Thriller, sondern auch ein gut getarntes Sachbuch über die Verletzlichkeit der modernen Gesellschaft.

 

Auf der Homepage des Buchverlags können Interessierte übrigens auch ihr Wissen in einem "Blackout Quiz" testen: Wie gut sind Sie für den Ernstfall gerüstet?

Am 27. März präsentiert Marc Elsberg um 20 Uhr sein Buch im Metropoldi Wien. Anschließend diskutiert er mit Stefan Zach von der EVN und Robert Stocker, dem Leiter des Einsatz- und Krisenkoordinationscenter im BMI.

Der Autor

Marc Elsberg wurde 1967 in Wien geboren. Er war Kolumnist der österreichischen Tageszeitung "Der Standard" und ist heute Strategieberater und Kreativdirektor für Werbung in Wien. "Blackout" ist sein erster Thriller. Zum Interview mit Elsberg: "Notfalls vergattert der Staat Konzerne - her mit Strom".

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Blackout - das Buch (Verlagseite)