Solarkonzern Q-Cells ist insolvent

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(c) EPA (JAN WOITAS)

Einst war der deutsche Photovoltaik-Konzern Q-Cells der weltgrößte Hersteller von Solarzellen. Am Dienstag will die Firma einen Insolvenzantrag stellen. Die Aktie lag am Montag zeitweise 42 Prozent im Minus.

Wien/ag./nst. Die deutsche Solarbranche hat ihr nächstes Opfer zu beklagen: Der Photovoltaik-Konzern Q-Cells will am heutigen Dienstag einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Dessau stellen. Das teilte das Unternehmen am Montag in einer Aussendung mit. Bereits am Wochenende hatten Medien berichtet, dass in den nächsten Tagen ein entsprechender Schritt folgen könnte.

Der Aktienkurs von Q-Cells hatte Montagfrüh bereits kräftig an Wert verloren und wurde zeitweise vom Handel ausgesetzt. Nach Wiederaufnahme des Handels ging der Absturz weiter – zeitweise lag das Papier um rund 42 Prozent im Minus. Eine Aktie kostete am späten Nachmittag noch rund 0,12 Euro. Am Höchststand 2007 mussten die Investoren noch etwa 80 Euro für eine Aktie bezahlen.

Zum Hintergrund: Vergangene Woche hatte das angeschlagene Unternehmen ein Sanierungskonzept aufgegeben, weil es sich durch ein Gerichtsurteil im Fall des mittlerweile insolventen Holzverarbeiters Pfleiderer entmutigt sah. Pfleiderer hatte versucht, Anleihegläubiger zu einem Verzicht auf ihre Ansprüche zu bewegen. Das Gericht jedoch urteilte zugunsten der Gläubiger.

Auch Q-Cells hatte Ähnliches in Erwägung gezogen und wollte einen Zahlungsaufschub für seine Anleihen. Gläubiger sollten großteils auf die Rückzahlung verzichten und im Gegenzug Aktien erhalten. Nach dem Urteil des Frankfurter Oberlandesgerichts begrub Q-Cells aber seine Pläne, weil man davon ausging, dass Kläger vor Gericht auch gegen Q-Cells gewinnen könnten. Noch dazu wäre der Fall vor demselben Gericht verhandelt worden.

„Vor diesem Hintergrund geht der Vorstand davon aus, dass die Fortführungsprognose zurzeit nicht gegeben ist“, hieß es schon vergangene Woche. Q-Cells ist bereits seit Längerem in Schieflage, das vergangene Jahr schloss der Konzern mit einem Verlust von 846 Mio. Euro ab. Im Jahr zuvor hatte das Unternehmen noch Gewinne in der Höhe von rund 19 Mio. Euro geschrieben. Der Umsatz reduzierte sich 2011 ebenso, und zwar um fast ein Viertel auf rund eine Mrd. Euro.

Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren, wie viele andere in der Branche auch, den dramatischen Preisverfall durch die Konkurrenz aus Asien sehr stark zu spüren bekommen. Hohe Subventionen blähten den Markt in Deutschland zusätzlich auf und machten aus kleinen Firmen große Konzerne. Auch Q-Cells zählte dazu – und konnte sich einst mit dem Titel Weltmarktführer für Solarzellen schmücken. Doch in den vergangenen Jahren hat die Firma viel investiert und sich dabei verzettelt, wie ein Analyst bereits vergangene Woche urteilte. Von der Insolvenz dürften nun vorerst 1300 Mitarbeiter am Firmensitz betroffen sein. In Summe beschäftigt Q-Cells 2300 Personen.

Ganze Branche hat Probleme

Doch nicht nur Q-Cells leidet unter den Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit. Auch andere Firmen wie Solarhybrid, Solar Millennium und auch Solon wurden in die Knie gezwungen. Mit Q-Cells müsste die Bundesrepublik nun die vierte Branchenpleite binnen kurzer Zeit hinnehmen. Auch Deutschlands größter Hersteller, Solarworld, kämpft mit der derzeitigen Situation. Im abgelaufenen Geschäftsjahr schrieb das Unternehmen den ersten Verlust seit acht Jahren.

Die Bank Sarasin sprach im Herbst 2011 von einer bevorstehenden Konsolidierungswelle, die zwar ein paar, aber eben nicht alle Firmen überleben würden.