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Bischof abgesetzt: Recht auf Information "irrige Ansicht"

Symbolbild
Symbolbild(c) Dapd (Daniel Kopatsch)
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Die Absetzung des slowakischen Erzbischofs Robert Bezák sorgte in Bratislava für viele Fragezeichen bei den Gläubigen. Die Bischofskonferenz nennt keinen konkreten Grund für diese Maßnahme.

Rücktritte auf Bischofsebene sind selten, noch seltener setzt der Papst einen Erzbischof ab. Doch genau das ist dem Erzbischof von Trnava passiert: Der Vatikan verkündete Anfang Juli, dass Erzbischof Robert Bezák seines Amtes enthoben wurde. Die Begründung der Maßnahme sorgt in der Slowakei für Aufsehen: Es wird beharrlich geschwiegen. Die slowakische Bischofskonferenz fordert die einheimischen Kaholiken lediglich auf, die Abberufung "mit Respekt und Vertrauen anzunehmen", berichtet die katholische Nachrichtenagentur Kathpress.

Und auch diese Stellungnahme war erst auf großen öffentlichen Druck zustande gekommen. Zuvor hatte der Sprecher der Slowakischen Bischofskonferenz, Jozef Kovacik, für Aufsehen gesorgt, als er Forderungen nach der Bekanntgabe der Gründe für die Absetzung des Erzbischofs zurückwies. Die Menschen seien "hauptsächlich aufgrund der Medien überzeugt, ein Recht auf alle Informationen zu haben". Dies sei jedoch "eine irrige Ansicht", erklärte der Sprecher. Der Papst sei nämlich niemandem Rechenschaft schuldig, und seine wohlüberlegten Entscheidungen seien nicht in Frage zu stellen.

Visitation löste Abberufung aus

Die Abberufung des Bischofs sei infolge einer Apostolischen Visitation geschehen, bestätigte die Bischofskonferenz. Diese sei "aufgrund zahlreicher, von Priestern und Gläubigen an den heiligen Stuhl geäußerter Geschwerden über die apstoral Situation veranlasst worden", gab die Nuntiatur in Bratislava vor einer Woche bekannt. Der "Spiegel" spekuliert über finanzielle Unregelmäßigkeiten in der Diözese, die Schuld an der Abberufung sein könnten. Außerdem soll Bezák häufger öffentlich Kritik an der Kirche und Geistlichen geübt haben.

Der hoch angesehene christdemokratische Politiker und frühere Dissident Frantisek Miklosko setzte die Vorgänge rund um die Absetzung laut Kathpress dabei in Beziehung zur Vatileaks-Affäre und den Turbulenzen in der Vatikanbank IOR. "Die Geschwindigkeit, mit der Bezaks Abberufung vollzogen werden soll, könne davon zeugen, dass das Problem des Umgangs mit hohen Geldsummen in der Erzdiözese Trnava irgendwie mit den kürzlich publik gemachten Finanzproblemen im Vatikan zusammenhängt", so Miklosko in der Zeitung "Pravda".

(Red.)