Greift Israel Iran noch vor US-Wahl an?

Greift Israel Iran noch
Netanjahu(c) AP (Abir Sultan)

Laut israelischen Medienberichten ist ein Militärschlag gegen Irans Nuklearanlagen so gut wie beschlossen. 40 Prozent der Israelis heißen einen Alleingang gegen das iranische Atomprogramm gut.

Tel aviv/Apa/Dpa. Schon länger war darüber spekuliert worden, nun verdichten sich die Hinweise: Israel dürfte nach Medienberichten einen militärischen Alleingang gegen das iranische Atomprogramm noch vor der US-Präsidentenwahl im November planen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak hätten laut israelischen Medienberichten vom Wochenende einen solchen Entschluss schon „fast endgültig“ gefasst. Netanjahu misstraue der Zusicherung von US-Präsident Barack Obama, die USA würden eine iranische Atombombe notfalls militärisch verhindern. Offizielle Stellungnahmen dazu gab es nicht.

Nach Presseberichten über eine mangelnde Vorbereitung der israelischen Zivilverteidigung auf einen Krieg mit dem Iran sagte Netanjahu am Sonntag in der Kabinettssitzung: „Jede Bedrohung der Heimatfront wird bei Weitem von einer anderen übertroffen. Es darf dem Iran nicht erlaubt werden, Nuklearwaffen zu besitzen.“ Der Westen verdächtigt den Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms Nuklearwaffen zu entwickeln.

 

Ein Albtraum für Obama

Aus Sicht Obamas wäre ein israelischer Angriff kurz vor der Wahl ein Albtraum. Die Regierung in Washington unternehme deshalb alles, um das zu verhindern und den gegen den Iran ergriffenen Sanktionen mehr Zeit zu lassen, schrieb die Zeitung „Yediot Ahronot“. So geht eine angebliche Warnung Saudiarabiens, es werde überfliegende israelische Kampfjets auf dem Weg zum Iran abschießen, nach Meinung israelischer Sicherheitskreise auf eine US-Initiative zurück.

Unklar bleibt, ob Israel tatsächlich einen Angriff plant oder nur Druck macht, damit der Iran nachgibt. „Entweder es handelt sich um einen genialen Trick Netanjahus und Baraks, um die USA zum Handeln zu drängen, oder wir haben eine Führung, die total durchgedreht ist“, kommentierte „Yediot Ahronot“ am Sonntag.

Der Ernstfall wird jedoch nicht ausgeschlossen. Die israelische Zivilverteidigung kündigte einen Test für eine landesweite Alarmierung der Bürger im Falle anfliegender Raketen durch SMS an.

Nach einer Umfrage der Zeitung „Maariv“ würden 40 Prozent der befragten Israelis einen Alleingang gegen den Iran gutheißen. 35 Prozent würden hingegen lieber den USA den Vortritt lassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2012)