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"Systemrelevant": Die gefährlichsten Banken der Welt

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(c) Reuters (Alex Domanski)

28 Banken gelten als weltweit systemrelevant. Vier für das Finanzsystem besonders gefährliche Banken müssen nun mehr Eigenkapital aufbauen.

Der Finanzstabilitätsrat (FSB) hat erstmals - im Auftrag der G20-Staaten - öffentlich gemacht, in welche Gruppen die internationalen Institute derzeit eingestuft werden. Grundlage der "Systemrelevanz" sind Kriterien wie Größe und Vernetztheit im internationalen Finanzsystem. Danach teilen die Aufseher in Basel die Banken in vier Gruppen ein, die unterschiedlich hohe Kapitalpolster brauchen. Demnach werden die Citigroup, die Deutsche Bank, HSBC und JP Morgan Chase als besonders gefährlich für das Finanzsystem genannt. Alle vier Institute betreiben Investmentbanking und Privatkundengeschäft gleichzeitig.

Die vier Banken in der zweithöchsten Kategorie (die allerhöchste ist nicht belegt) müssen von 2016 an einen zusätzlichen Eigenkapitalpuffer von 2,5 Prozent aufbauen. Barclays und BNP Paribas rangieren in der dritthöchsten Kategorie, in die vor einem Jahr offenbar auch noch die Deutsche Bank einsortiert worden war. Mit den Auflagen wollen die Aufseher verhindern, dass die größten Banken in einer Krise zusammenbrechen und auf Kosten der Steuerzahler gerettet werden müssen. Reine Investmentbanken wie Goldman Sachs im vierten Korb müssen nur 1,5 Prozent mehr Kapital aufbringen. Das gilt auch für die Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse, die aber jetzt schon höhere Kapitalforderungen der Schweizer Finanzmarktaufsicht (FINMA) erfüllen müssen.

28 Banken sind global systemrelevant

Die Liste wird bis 2014 aktualisiert, die aktuelle Rangfolge basiert auf Daten von Ende 2011. Insgesamt stuft der FSB mit Sitz in Basel 28 Banken als global systemrelevant ein. Neu auf der Liste sind die spanische BBVA und die britische Standard Chartered. Die 28 Banken - darunter keine aus Österreich - sind je nach ihrer Bedeutung für das globale Finanzsystem in vier "Körbe" eingeteilt in denen sie Kapitalaufschläge von 2,5, 2,0, 1,5 und 1,0 Prozent erhalten sollen; zusätzlich zu den sieben Prozent Grundkapital und Gewinnrücklagen, die alle Institute aufbauen müssen.

Die gefährlichsten Banken

Korb 4 (2,5 Prozent): Citigroup (USA), Deutsche Bank, HSBC (Großbritannien) und JP Morgan Chase (USA).

Korb 3 (2,0 Prozent): Barclays (Großbritannien), BNP Paribas (Frankreich).

Korb 2 (1,5 Prozent): Bank of America, Bank of New York Mellon, Goldman Sachs, Morgan Stanley (beide USA), UBS, Credit Suisse (beide Schweiz), Royal Bank of Scotland (Großbritannien), Mitsubishi UFJ (Japan).

Korb 1 (1,0 Prozent): Bank of China (China), BBVA (Spanien, neu), Banque Populaire CdE, Credit Agricole, Societe Generale (alle Frankreich), ING Bank (Niederlande), Mizuho, Sumitomo Mitsui (alle Japan), Nordea (Schweden), Santander (Spanien), Standard Chartered (Großbritannien, neu), State Street, Wells Fargo (beide USA), Unicredit (Italien, zu der in Österreich die Bank Austria gehört).


Nicht mehr dazu zählt neben der britischen Lloyds Bank und der zerschlagenen belgisch-französischen Dexia die deutsche Commerzbank, die ihre Bilanzsumme und die Risiken stark reduziert hat. Letztere gilt aber als "national systemrelevant".

Banken müssen "Testament" machen

Als Lehre aus der Finanzkrise müssen alle Großbanken in den kommenden Jahren ein Kapitalpolster von sieben Prozent ihrer Bilanzrisiken aufbauen, die systemrelevanten Banken noch mehr. Damit will das Gremium unter dem Vorsitz des kanadischen Notenbankchefs Mark Carney einen Anreiz dafür schaffen, dass die Banken ihre Risiken reduzieren, um geringere Kapitalpuffer aufbauen zu müssen. Die Liste soll auch Thema beim G-20-Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs am Sonntag und Montag in Mexiko-Stadt sein.

Die schärfere Regulierung von Großbanken beschränkt sich nicht auf mehr Kapital. Sie müssen auch ein "Testament" vorlegen, nach dem sie nach einem Zusammenbruch - möglichst unschädlich für das Finanzsystem - aufgespalten und notfalls zum Teil abgewickelt werden können. Denn Aufsehern und Politikern ist es ein Dorn im Auge, dass sich Banken in der Vergangenheit darauf verlassen konnten, auf Kosten des Steuerzahlers aufgefangen zu werden, weil sie zu wichtig für die Wirtschaft des Landes waren, um pleitegehen zu können ("too big to fail"). Doch in der Praxis schafft das Probleme - nicht zuletzt, weil die meisten Banken aus einer Vielzahl von Landesgesellschaften bestehen, die unterschiedlichen Aufsehern unterstehen. Der FSB sprach am Donnerstag von "ermutigenden Fortschritten".

(APA/Reuters)