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Gastronomie: Internet-Aktion gegen Heizpilze

Symbolbild(c) APA (HERBERT PFARRHOFER)
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In den vergangenen Jahren haben sich "Heizpilze" in Wien massiv vermehrt. Im Internet werden jetzt Unterschriften für ein österreichweites Verbot der Heizpilze gesammelt. Die Stadt will abwarten.

Wien. Ob im Schanigarten in nicht ganz so freundlichen Sommernächten oder, ganz romantisch, bei einem Glühwein, während rundherum der Schnee fällt: Für Lokalgäste, die ihre Getränke gerne im Freien konsumieren, sind „Heizschwammerln“ ein Segen.

In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Heizpilze von Schweden aus über ganz Mitteleuropa ausgebreitet – unterstützt nicht zuletzt durch immer striktere Rauchverbote, die Süchtige selbst bei Minusgraden aus den Lokalen hinaus auf die Gehsteige davor verbannt haben.

Auch in Wien schätzen längst zahlreiche Lokale – vom Café Landtmann bis zu praktisch dem gesamten Naschmarkt – die wohlige Wärme der meist gas-, aber auch elektrisch betriebenen Geräte. Auch wenn niemand weiß, wie viele es tatsächlich sind – genehmigungspflichtig sind die Heizpilze nämlich nicht: Zu viele sind es, findet Günter Strobl.

Der Selbstständige und ehemalige grüne Basisfunktionär hat eine Online-Petition für ein österreichweites Verbot der Heizpilze gestartet (goo.gl/HW1tw). „Es ist ärgerlich, wenn man Gebäuden inzwischen möglichst wenig Energieverbrauch vorschreibt, bei Außenheizungen aber nach wie vor unglaubliche Energieverschwendung zulässt.“ Bis Jänner will der 44-Jährige 10.000 Unterstützungserklärungen gegen die Heizpilze aufbringen – am Montagnachmittag waren es erst 286.

 

Energie wie für 100m-Wohnung

Dass die Pilze extrem ineffizient sind, liegt auf der Hand: Um an der frischen Luft Sitz- oder Stehplätze für eine Menschentraube heizen zu können, ist beträchtliche Leistung notwendig: „Die Gasheizpilze haben eine Leistung von zehn bis zwölf Kilowatt“, erklärt Wolfgang Khutter, stellvertretender Leiter der Wiener Umweltschutzabteilung (MA22). Mit dieser Leistung könnte man eine rund 100 Quadratmeter große Wohnung heizen. Außerdem gibt ein solches Gerät bis zu 3,5 Kilogramm Kohlendioxid pro Stunde ab – und reiht sich damit, hochgerechnet auf ein Jahr, in der Treibhausgas-Dimension eines Kleinwagens ein, der 20.000 Kilometer zurücklegt. Für Wilhelm Turecek, Obmann der Gastronomen in der Wiener Wirtschaftskammer, ist das kein Grund für ein Verbot: „Es macht das Sitzen für die Gäste schon sehr viel angenehmer – und außerdem ist es eine wirtschaftliche Entscheidung für jedes Unternehmen, ob es sich einen Heizpilz leistet.“

Ein nicht zu vernachlässigender Faktor: Pro Stunde verbraucht ein Gas-Heizpilz rund ein Kilogramm Propangas – Elf-Kilo-Flaschen davon kosten derzeit rund 40 Euro.

 

Stadt: „Kuscheln statt heizen“

Während der grüne Umweltsprecher Rüdiger Maresch schon seit Jahren ein Verbot der Heizpilze fordert („ein Wahnsinn, dass wir die Luft heizen“), ist seine Parteikollegin, Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou zurückhaltender: Zwar glaube sie, „dass es in der Bevölkerung und bei den Wirten immer mehr Verständnis gibt, dass wir nicht einfach in die Luft heizen“, aber eine Lösung müsse mit der Gastronomie selbst gefunden werden, so Vassilakou zur „Presse“.Vorerst habe sich die Stadt darauf beschränkt, Wirte zu „belohnen“, die freiwillig auf Heizpilze verzichten: Mehr als 2000 Decken, die Gäste ohne Energieverschwendung warm halten sollen, habe die Stadt Wien zuletzt verteilt – mit der Aufschrift „Kuscheln statt heizen“.

Im Übrigen könnte die Stadt Wien für sich gar kein absolutes Verbot für die Heizstrahler beschließen, heißt es aus dem Büro von Umweltstadträtin Ulrike Sima (SP): Es gehe um eine Angelegenheit der Gewerbeordnung, und die sei Sache des Bundes – weswegen man sich zu dem Thema auch bisher keine Meinung gebildet habe, so eine Sprecherin Simas.

Auf einen Blick

10 bis 12 Kilowatt Leistung bringt ein typischer Gasheizpilz – genug, um eine 100-Quadratmeter-Wohnung zu heizen. Sein Kohlendioxid-Ausstoß liegt in der Dimension eines Kleinwagens. Eine Online-Petition fordert ein Verbot der Geräte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.11.2012)