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Management-Guru: Wenn sich Broker im Trog suhlen

(c) AP
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Peter Drucker galt als Erfinder des Managements. Für überzogene Gagen und Börsenhändler hatte er wenig bis nichts übrig. In der Krise sind seine Thesen aktueller denn je.

Wien. Würde Peter Drucker noch leben, wüsste er, wie die Krise zu erklären wäre. Und er würde dabei nicht mit harten Worten sparen. Drucker, oder „der Mann, der das Management erfunden hat“, sagte einmal, er hätte den Börsencrash im Jahr 1987 nicht aus wirtschaftlichen, sondern aus ästhetischen und moralischen Gründen erwartet. Das „Manager-Magazin“ zitierte ihn kurz nach seinem Tod 2005 mit den Worten: „Wenn Schweine sich im Trog suhlen, ist das ein widerliches Spektakel – und man weiß, es wird nicht lange dauern.“

Dabei griff Drucker sonst nie zu Schimpfwörtern, sagt Richard Straub, Gründer und Präsident der österreichischen Drucker-Gesellschaft. „Aber diejenigen, die sich aufgrund von Spekulationen und Geschäften zulasten Dritter bereichert haben, hat Drucker furchtbar abgelehnt“. Nächste Woche findet zu seinen Ehren die 4. Peter-Drucker-Konferenz in Wien statt. Drucker, Management-Guru und Visionär, vertrat eine zentrale These: Das Ziel eines Unternehmens sei es, den Kunden zu dienen, und motivierte Mitarbeiter, die sich im Unternehmen wohlfühlen, sind ausschlaggebend für den unternehmerischen Erfolg.

 

Befürworter des Kapitalismus

Die Börsenhändler der Wall Street soll er einmal als einen „unproduktiven Haufen“ bezeichnet haben, „der auf leicht verdientes Geld aus ist“. Ein Crash sei dann vorherzusehen, wenn Börsenhändler mehr Geld verdienten als Investoren. Peter Drucker war ein Anhänger dessen, was man die „Realwirtschaft“ nennt: Das freie Unternehmertum lasse sich nur dadurch rechtfertigen, dass es der Gesellschaft diene – und nicht etwa dem Geschäft. Nicht zu verwechseln mit einer Ablehnung des Kapitalismus an sich. Die freie Marktwirtschaft war für Drucker das beste Mittel, um Demokratie und Menschenrechte zu sichern.

Viele mögen ihn kennen – wenige aber wissen, dass Drucker gebürtiger Österreicher war und man seinen Namen deshalb „Drucker“ und nicht „Dracker“ ausspricht. Peter Drucker wurde 1909 in eine großbürgerliche Wiener Familie geboren. Die Nationalökonomen Schumpeter, Hayek und von Mises gehörten zu regelmäßigen Gästen in seinem Elternhaus. Nach der Matura ging er nach Hamburg und ließ sich zum Kaufmann ausbilden, später studierte er Rechtswissenschaften und übersiedelte nach Frankfurt, wo er als Journalist arbeitete. 1933 emigrierte er nach England. Schließlich ging er in die USA, wo er als Unternehmensberater arbeitete. Mit einer Analyse des damals weltgrößten Unternehmens General Motors begründete er das Management als Wissenschaft.

Drucker-Kenner Richard Straub, früher selbst Manager bei IBM, will mit der Konferenz auf Druckers Erbe aufbauen: „Manager müssen sich mehr verantwortlich fühlen für das große Ganze. Das ist eine der großen Lehren aus der Krise“, sagt Straub.

Auf einen Blick

Das 4. Peter-Drucker-Forum findet am 15. und 16. 11. in Wien in der Aula der Wissenschaften statt. Unter dem Titel „Capitalism 2.0 – New Horizons for Managers“ wird die Zukunft des Kapitalismus und die Rolle des Managements darin diskutiert. Informationen und Anmeldung unter www.druckerforum.org

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.11.2012)