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König-Abdullah-Dialogzentrum: "Saudiarabien wird sich nicht einmischen"

Symbolbild(c) EPA (ALAA BADARNEH)
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Wenige Tage vor der offiziellen Eröffnung des „König-Abdullah-Zentrums für interreligiösen Dialog“ will das österreichische Außenministerium die Bedenken über wahhabitische Umtriebe zerstreuen.

Wien/Eko. Eine internationale Organisation mit Sitz in Wien, die von Saudiarabien finanziert wird – diese Konstellation sorgte von Anbeginn für schiefe Blicke. Wenige Tage vor der offiziellen Eröffnung des „König-Abdullah-Zentrums für interreligiösen Dialog“ am 26. November ist das österreichische Außenministerium nun bemüht, Bedenken gegen das neue Zentrum möglichst auszuräumen.

Bei einem Hintergrundgespräch mit Journalisten am Montag galt es vor allem, den Einfluss, des streng nach islamischen Gesetzen regierten Landes im Zentrum als gering zu präsentieren. So betonten Vertreter des Ministeriums mehrmals, dass Saudiarabien auf inhaltlicher Ebene Distanz zum Zentrum wahren wolle. Es gehe bei der internationalen Organisation, die von Österreich, Spanien und Saudiarabien ins Leben gerufen wurde, darum, eine Plattform zur Verfügung zu stellen, auf der Vertreter der fünf Weltreligionen einen Dialog führen können. Ein Dialog zwischen Staaten, wurde man nicht müde zu betonen, sei hier nicht vorgesehen.

Auch dass die Saudis mit ihrem finanziellen Engagement – das Königshaus hat sich verpflichtet, die ersten drei Jahre die Finanzierung zu übernehmen – lediglich von Menschenrechtsverletzungen in ihrem eigenen Staat ablenken wollen, will man im Ministerium nicht so sehen. Vielmehr habe der saudische König erkannt, dass es ein Problem mit islamischem Extremismus gebe und deswegen auch im eigenen Land bereits einen breiten Dialog initiiert. Das Zentrum solle dazu dienen, diesen Ansatz auch in die internationale Sphäre zu tragen.

 

Vatikan ist mit an Bord

So wie man auch den Vorwurf nicht gelten lassen will, dass Saudiarabien den Wahhabismus, eine besonders rigide Auslegung des Islam, ja auch schon mit der Finanzierung von Moscheen nach Bosnien-Herzegowina exportiere. Das Engagement dort, so die Vertreter des Außenministeriums, gehe von saudischen Stiftungen aus, nicht jedoch vom saudischen Staat.

Von der Organisation her ist der arabische Staat gemeinsam mit Spanien und Österreich im Board of Directors vertreten, in Zukunft sollen noch weitere Trägerstaaten gewonnen werden – konkret will man das Board um Vertreter aus Asien, Afrika und Lateinamerika erweitern. Bei sämtlichen Entscheidungen sei eine Dreiviertelmehrheit erforderlich – was bei derzeit drei Mitgliedern Einstimmigkeit bedeutet. Auch hier, argumentiert das Ministerium, könne Saudiarabien also nichts auf eigene Faust unternehmen.

Veranstaltungen des Zentrums sollen zunächst vor allem in Wien, dem Sitz des Zentrums, stattfinden. Mögliche interreligiöse Veranstaltungen, auch mit Beteiligung von Vertretern des Judentums, in Saudiarabien schließe man aber nicht aus. Die erste Veranstaltung soll gleich am Tag der Eröffnung, dem 26.November, im Wiener Hotel Hilton stattfinden.

Das Zentrum selbst wird in Wien übrigens den gleichen Status wie andere internationale Organisationen, etwa Weltbank oder Währungsfonds, innehaben – sie alle sind von einigen Steuerleistungen ausgenommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.11.2012)