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T-Mobile-Chef: Europa ist ins Hintertreffen geraten

TMobileChef Europa Hintertreffen geraten
(c) Die Presse Clemens Fabry
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Andreas Bierwirth ist Neuling in der Mobilfunk-Branche. Im DiePresse.com-Interview spricht er über den Smartphone-Markt, den Orange/Drei-Deal und den LTE-Ausbau.

DiePresse.com: Samsung hat Apple am Smartphone-Markt überholt - glauben Sie, dass der große iPhone-Hype vorüber ist?

Andreas Bierwirth: Wir sind ja als "enabler" für alle Marken gewissermaßen zur Neutralität gezwungen und können über alle Lieferanten nur in besten Tönen reden. Ich finde aber eines sehr interessant: Apple kommt von einer sehr klaren Design- und Technik-Orientierung, aber einer geringeren Kundenorientierung. Samsung hat eine deutlich höhere Kundenorientierung zu den einzelnen Providern wie uns, sie gehen deutlich flexibler mit uns um. Apple ist sehr rigide uns gegenüber. Fast noch interessanter als Apple und Samsung finde ich aber die Windows-8-Technologie. Hier wird das Spielfeld noch einmal komplett neu geöffnet. Da geht plötzlich einer her und sagt: Es geht gar nicht um das Endgerät, sondern um die Software. Man kann die Software auf verschiedensten Endgeräten kaufen. Dann hat die Software auch noch jenen Vorteil, den Apple so erfolgreich macht: Die integrierte Vernetzung von Tablet, Smartphone und PC. Das kann Windows 8 ja auch. Hier ist plötzlich jemand, der einen Teil des "USPs" von Apple übernimmt und eine enorme Softwarekompetenz hat. Gerade im B2B-Bereich ist das spannend, weil viele Firmen ja mit Microsoft-Software arbeiten.

Bisher hat Windows Phone Nokia nicht den gewünschten Aufschwung gebracht. Denken Sie, dass sich das nun ändert?

Ich glaube schon, dass Windows 8 einiges verändern wird. Ich würde jetzt nicht sagen, dass sich das in den ersten Monaten entscheidet. Microsoft ist ein Unternehmen, das einen langen Atem hat. Microsoft hat einen Zeitnachteil. Der App Store ist zum Beispiel bei Apple voll, bei Windows 8 noch fast leer. Das ändert sich aber jedes Monat. Microsoft passt hier die Qualität mit der Zeit an. Ich glaube, ihnen wird es gelingen und sie werden nicht nachlassen.

Wie sehen Sie die Zukunft von dem zweiten Smartphone-Sorgenkind, Blackberry?

Ich halte den Zug von Microsoft für strategisch spannender als den von Blackberry. Blackberry definiert das Spielfeld nicht neu. Die Produkte (Blackberry Z10 und X10, Anm.) sind zwar wieder wettbewerbsfähig und wir wünschen unserem Partner Blackberry alles Gute. Für uns als Netzprovider ist jegliche Art von Innovation gut. Wenn über die Produkte gesprochen wird, lockt das unsere Kunden auch in die Shops. Windows 8 könnte allerdings die Spielregeln am Markt komplett neu definieren. Bei Blackberry besteht das Modell ja auch aus einem Hardwarehersteller, der seine Software da drauf hat. Dass man aber plötzlich eine Software hat, die über verschiedene Hersteller hinweggeht, das ist eine komplett andere Spielregel.

Denken Sie, dass Windows Phone 8 Blackberry am Business-Markt ablösen wird?

Ich glaube, dass Windows Phone im Business-Bereich schneller am Markt reüssieren wird als im Consumer-Bereich. Themen wie die Anzahl der Apps spielen im Business-Bereich nicht so eine große Rolle. Die Vernetzung über verschiedene Gerätekategorien aber sehr wohl. Viele Firmen haben große Probleme mit Apple-Produkten in ihrer Microsoft-Welt, weil Apple so verschlossen ist. Das wiederum bedroht Blackberry, die ja traditionell kaum eine Konsumenten-Relevanz haben.

Andreas Bierwirth

Bierwith ist seit 1.September 2012 der neue Chef von T-Mobile Austria. Der 41-Jährige, der nach dem Wirtschaftsstudium in Münster im Jahr 2002 bei der Lufthansa-Tochter Germanwings startete und dort bis zum Managing Director aufstieg, bevor er – über einen Zwischenstopp bei der Mutter Lufthansa – 2008 zur AUA wechselte, gilt als Vertriebs- und Marketingspezialist. Auch bei der AUA, die er nicht ganz freiwillig verließ, war er für diese Bereiche verantwortlich.



Man hört immer wieder, dass Apple ein schwieriger Geschäftspartner ist. Haben Sie damit schon Bekanntschaft gemacht?

Apple hat sicher lange von der Überlegenheit beim Design und der enorm hohen Nachfrage gelebt und so eine ganz eigene Verteilungslogik entwickelt. Produkte werden an die einzelnen Märkte in bestimmten Stückzahlen verteilt und die Nachfrage ist höher, als man liefern kann. Das zeigt wenig Kundenorientierung gegenüber den Providern - schließlich sind wir die Handelspartner bzw. die Abnehmer, wir kaufen die Produkte ja. Das ist eine bewusste Entscheidung. Bis jetzt war das für Apple sicherlich nicht schädlich, weil sie mit dem Produkt nach wie vor überlegen waren. Wenn der Wettbewerb jetzt zunimmt auf der Geräteseite und die Alternativen zahlreicher werden, könnte sich das ändern.

Europa galt lange als Innovationsführer im Mobilfunk - mittlerweile scheinen die USA diese Rolle übernommen zu haben - sehen Sie das auch so?

Ich glaube, das lässt sich nicht einem Kontinent zuschreiben. Die USA sind natürlich an vorderster Front - jetzt auch wieder mit Microsoft. Man sieht aber auch etwa bei Samsung, dass Asien stark ist. Europa ist in der Tat ins Hintertreffen geraten. Nokia und Ericsson haben vielleicht die Dynamik des Marktes unterschätzt und wie schnell man mit falschen Lösungen aus dem Markt raus sein kann. Das macht mich als Neuling in diesem Markt auch sehr respektvoll mit Technologien. Man muss sehr stark aufpassen, dass man sich nicht auf der Substanz ausruht. Der Markt ist hochdynamisch. Man kommt aber auch wieder hinein. Apple war ja auch mal an einer anderen Stelle als heute. Es gab Zeiten, da hat man über Apple gelacht und plötzlich ist es der Marktführer. Man muss aufpassen, wenn man im Markt drin ist, dass man drin bleibt - auf der anderen Seite, wenn man draußen ist, ist es nicht so, dass man keine Chance mehr hat, wieder rein zu kommen.

Apropos Innovationen, A1 hat sich an dem Thema NFC Payments ein wenig die Finger verbrannt und musste ein Pilotprojekt wieder einstellen. Wie steht T-Mobile zu diesem Thema?

Da planen wir definitiv etwas. Wir sehen, dass NFC eine der zentralen Applikationen sein wird, mit der die Nutzung des Mobiltelefons deutlich erweitert wird. In Österreich gibt es in der Tat keinen Standard, der sich durchgesetzt hat. Gerade Partner wie etwa Skigebiete, bei denen NFC-Handys als Skipass dienen können, werden ihre Technologien nicht auf drei bis vier Standards einrichten. Es muss einen Standard geben, der für alle Provider gilt.

Wer definiert diesen Standard?

Das ist eine offene Diskussion. Wir lehnen uns stark an die Testfelder an, die unser Konzern in Europa durchführt. Wir haben da ein Projekt in Polen. Sobald wir da die Marktreife getestet haben und gelernt haben, was gut und was schlecht war, werden wir damit in Österreich folgen. Wir sind auf der Prioritätenliste der 14 EU-Länder (der Deutschen Telekom, Anm.) relativ weit oben.

NFC-Projekte werden - wie A1 NFC Paybox gezeigt hat - nur erfolgreich sein, wenn alle Mobilfunker zusammen arbeiten. Können Sie sich das vorstellen bzw. gibt es da schon Gespräche?

Ich glaube, es ist wichtig, dass der Standard ähnlich ist. In unserem Haus werden wir uns aber an die Entwicklungen der Deutschen Telekom halten - wir wollen ja nicht innerhalb der Gruppe in verschiedene Technologien investieren müssen. Innerhalb der Gruppe muss es ja auch einen Standard geben.

Bei unserem letzten Interview haben Sie gesagt, dass Sie alle paar Wochen ein neues Handy probieren, um alle kennenzulernen. Haben Sie schon einen Favoriten?

Das ist jetzt sehr wertend. Ich habe lange Zeit Windows Phone 8 verwendet, auf verschiedenen Endgeräten und ich fand beeindruckend, dass es ähnlich wie bei Apple gelungen ist, sehr intuitiv zu sein. Die Kombination der Kenntnisse von Apple-Oberflächen und der Kenntnis von Windows genügt, um sich in Windows Phone ohne weiteres zurechtzufinden. Als Kunde nutzt man ja nicht 100 Prozent der Leistung eines Smartphones. Meist gibt es ein paar Funktionen, die man nutzt und es ist schön, wenn man sich dabei sofort zurecht findet. Das ist mit Windows Phone gelungen. Die Nutzung der Geräte hat mich dazu gebracht, das Thema Windows Phone 8 sehr ernst zu nehmen.

Was erwarten Sie von Ihrem ersten "Mobile World Congress"?

Ich erwarte mir persönlich kreative Inputs, einen effizienten Überblick über Innovationen und ich treffe - wie sich das gehört - eine Reihe Lieferanten und Partner um unsere Kooperationen zu reflektieren und weitere Kooperationen zu vereinbaren.
Im Bereich der Innovationen wäre eine solche Kooperation zum Beispiel Deezer. Aber auch darüber hinaus findet man Partner, die gut zu uns passen würden.

Mobile World Congress

Der MWC ist die größte Mobilfunkmesse der Welt. Von 25. Februar bis 28. Februar werden in Barcelona wieder neue Smartphones, Technologien, Apps und Zubehör präsentiert. DiePresse.com ist live vor Ort.



Ist nach dem MWC mit neuen Angeboten wie Deezer zu rechnen?

Im Jahr 2013 nicht. Wir haben zwar einige Neuigkeiten vor uns aber nicht in der Größenordnung von Deezer. Wir werden Deezer aber bestimmt vertiefen.

Sie haben im Oktober "neue Preiskonzepte" angekündigt - wie weit ist dieses Projekt bereits gediehen?

Das Thema beschäftigt uns nach wie vor. Wir haben schon eine Zeitschiene, wann wir Preismodelle implementieren wollen. Wir glauben, dass die Dinge, die wir uns überlegt haben, im Markt innovativ und wettbewerbsfähig sein werden. Es wird keine simple Preiserhöhung sein. Die Stückpreise für Megabytes pro Monat werden eher fallen. Die Nutzung wird jedoch steigen. Die Details dazu sind aber noch geheim. Ich glaube, Preismodelle gehen nur dann, wenn der Kunde einen Mehrwert sieht. Gerade in Österreich, wo es einen hohen Verdrängungswettbewerb gibt und die Preise sehr niedrig sind, ist es ja nicht so, als könnte man einfach eine Preiserhöhung durchsetzen. Wir müssen über einen Mehrwert in andere Zahlungsbereitschaften hineinkommen. Der Kunde muss freiwillig in ein höherwertiges Segment gehen - damit hängt dann teilweise auch ein besseres Endgerät zusammen. Eine simple Erhöhung um zehn Euro würde der Wettbewerb ja nicht mitmachen.

Was könnte diesen Mehrwert bei einem teureren Tarif noch ausmachen?

Das kann ich noch nicht sagen. Ein Punkt aber zum Beispiel im B2B-Bereich: Wir sind das einzige Unternehmen in Österreich, das in allen Kundensegmenten eine Eins-zu-Eins-Betreuung bietet. Jeder Kunde hat einen fixen Ansprechpartner. So etwas generiert Mehrwert. Auch Deezer kann ja zum Beispiel mehr als Musik - da gibt es Klassik, Hörbücher, und, und, und - wenn man das in einen Tarif inkludiert, braucht man zum Beispiel Dinge wie iTunes nicht mehr. Ich selber verwende Deezer auch und es ist zu meinem einzigen Zugang zu Musik geworden.

Da wäre ein schwieriger Geschäftspartner wie Apple nicht glücklich, oder?

Deezer ist im Bereich der Musik sicher ein ernstzunehmender Wettbewerber.

Wie wollen Sie Telering platzieren, nachdem A1 nun mit gleich zwei Billig-Marken aufwarten wird?

Telering wird eine SIM-Only-Firma im Low-Cost-Segment. Dazu haben wir auch im Weihnachtsgeschäft einen neuen Tarif gestartet. Wir sind mit der momentanen Situation sehr zufrieden. Wir werden unsere Shoplandschaft so verändern, dass das mit dem Preisniveau auch zusammenpasst. Telering wird deutlich mehr zu einer E-Firma. Wir werden die Marke 2013 zukunftsweisend aufstellen.

Werden Köpfe rollen?

Nein. Telering umfasst bei uns im Haus nur sechs Mitarbeiter.

"Wir waren ja die ersten, die LTE in Österreich eingeführt haben"

Andreas Bierwirth, T-Mobile

A1 startet die ersten LTE-Tarife - wie geht es T-Mobile mit dem Ausbau?

Wir glauben ganz klar an LTE. LTE wird für uns die Chance sein, in neue Nutzungsszenarien hinein zu kommen und etwa Festnetz-Breitband-Konkurrenz zu kannibalisieren. Wir werden LTE auch entsprechend ausrollen. Mit der wirtschaftlichen Vorsicht, ganz klar wettbewerbsfähig. Wir waren ja die ersten, die LTE in Österreich eingeführt haben. Wir haben damals Innsbruck angebunden. Das war sogar noch vor Deutschland. Das war eigentlich der Testlauf für die gesamte Deutsche Telekom. Technisch gesehen ist LTE für uns also überhaupt kein Problem. Jetzt ist nur noch die Frage, wie schnell wir es ausrollen. Das ist schließlich investitionsintensiv. Im Herbst ist auch die Spektrenauktion. Da ist spannend welche Spektren wir in welchen Frequenzlagen bekommen - daran müssen auch Geräte angepasst werden. Ich persönlich glaube, dass LTE ab dem vierten Quartal und dann ab 2014 das große Thema wird. Dass die A1 als Marktführer das voranschreitet ist denke ich normal und sehe ich mit einer gewissen Gelassenheit. Wenn das Thema wirklich eine Breitenwirkung bekommt, werden wieder alle Provider eine ähnlich hohe Qualität bieten, wie das heute auch im 3G-Bereich der Fall ist.

Sie haben immer betont, dass T-Mobile durch den Orange-Drei-Deal beim LTE-Ausbau ins Hintertreffen geraten könnte. Sie sind mit einer Beschwerde beim VwGH abgeblitzt - warum?

Unser Blick geht nach vorne. Den Merger an sich haben wir nie kritisiert oder abgelehnt. Jetzt besteht der Markt aus drei Bewerbern, das hat Vorteile, das hat Nachteile. Insofern sehen wir das erst einmal neutral. Was uns berührt hat, ist die Art und Weise, in welcher Form unsere Überlegungen geprüft worden sind. Mir schien es doch der Fall gewesen zu sein, dass der Druck auf die Entscheidungsträger, den Merger jetzt zu genehmigen, zeitlich gesehen extrem groß war. Ganz einfach, damit die Spektrenauktion nicht noch weiter verschoben werden muss. Deshalb sind wohl gewisse Dinge nicht in der Sorgfalt geprüft worden, wie man das zum Beispiel bei dem Merger Telering und T-Mobile geprüft hat. Es gab beispielsweise ein Telering-Gutachten, für das alleine vier Wochen benötigt wurden. Bei Orange/Drei ist ein solches Gutachten in zwei Tagen passiert. Inhaltliche Einwände wurden da gar nicht mehr gehört. Das wurde bei uns im Unternehmen natürlich emotional aufgenommen. Wie kann es sein, dass die Einwände die wir hatten, gerade in Bezug auf Auflagen, nicht einmal gehört wurden? Andererseits: Das Kapitel ist zu und wir sind mit unserer Beschwerde nur was die einstweilige Verfügung betrifft abgeblitzt, noch nicht grundsätzlich.

Probieren Sie es weiter?

Juristisch gehen wir diesen Weg weiter. Wir wollen den Merger allerdings nicht verhindern. Wir wollen nur zeigen, dass das so mit uns nicht geht.

Was soll dabei herauskommen?

Da will ich den juristischen Themen nicht vorweggreifen. Da muss man schauen, wie man in Österreich entscheiden würde - ob man das Verfahren wieder einstellen wird oder ob man es weiterdelegiert an die EU. Daraus ergeben sich ganz unterschiedliche Bewertungen der Situation. Das eine Thema ist eben die ungerechte Behandlung, die wir juristisch weiterverfolgen so weit es geht. Auf der anderen Seite ist der Markt. Wir konzentrieren uns in der Firma in erster Linie auf den Markt - das juristische Thema hat in unserer Firma eigentlich keine Relevanz außer für unsere juristische Abteilung. Am Markt ist jetzt klar, dass es so ist wie es ist und wir werden jetzt bei LTE mit dem Ausgangspunkt leben müssen - der hätte besser sein können. Das bedeutet nichts anderes, als dass wir überinvestieren müssen.

Sie haben in einem Interview mit dem Wirtschaftsblatt gesagt, dass Sie die Investitionspläne massiv zurückfahren müssen, wenn sie bei den Wettbewerbshütern kein Gehör finden. Wird das jetzt passieren?

Jetzt gibt es erstmal die Auktion, die ja durchaus überraschende Ergebnisse in anderen Ländern mit sich gebracht hat. Das ist vielleicht der nächste Sorgenpunkt, den ich habe. Wir müssen alle aufpassen, dass wir als Provider nicht zu viel bezahlen. Letztendlich stehen wir ja doch schon alle in wirtschaftlichen Herausforderungen - jeder für sich. Wir sollten da keine Zusatzbelastungen provozieren, die alles übertreffen. Die Auktion in den Niederlanden war schon beeindruckend - auch bei den Zahlen, die dort bezahlt worden sind (3,8 Mrd. Euro, Anm.). Ich bin gespannt nach welchen Methoden die Auktion hier in Österreich stattfinden wird. Wir warten jetzt die Ausschreibungsbedingungen ab. Richtig ist, dass wir wahrscheinlich etwas überinvestieren müssen. Das hängt aber auch davon ab, über welche Frequenzen wir taktisch gehen. Das müssen wir nach der Ausschreibung entsprechend bewerten.

Können Sie die Summe abschätzen, die bei der Auktion fließen könnte?

Das ist zum Teil irrational. Das Gemeine ist, wenn Sie zum Beispiel in die Schweiz schauen, dass nicht derjenige, der am meisten bekommt auch am meisten bezahlt. Es geht sogar, dass der, der am wenigsten bekommt, trotzdem absolut am meisten bezahlt. Also vielleicht müssen wir auch gar nicht überinvestieren, sondern brauchen nur eine gute Strategie für die Auktion.

Wie wird T-Mobile das Ziel erreichen, in den nächsten zwei Jahren trotz der anstehenden Investitionen 100 Mio. einzusparen?

Wir haben bei uns im Haus Dinge identifiziert, die wir noch besser machen können oder noch effizienter steuern können. Die 100 Mio. sind ausgerechnet worden im Rahmen des prozentuellen Ansatzes. Wenn man wieder in ein Wachstum hineinkommt, sind diese 100 Mio. wieder relativ. Wir wollen wieder wachsen und das Wachstum generiert uns ein Kostenpotenzial. Man könnte zusätzlich durch technische Kooperationen zwischen den Providern Kosten sparen. Wir werden jetzt nach dem Merger rund 18.000 Antennen in Österreich betreiben - jeder von uns hat ca. 6000. Die Netzqualität ist bei uns allen ähnlich. Man könnte ja auch sagen, jeder hat die gleiche Antenne und jeder hat seinen Sender auf dieser Antenne. So könnte man eine Menge Stückkosten aus dem Markt nehmen. Die Miete der Antennen macht einen großen Punkt aus. Umweltschützer würde das auch freuen. Derzeit ist der Regulator, was solche Kostensynergien angeht, noch sehr skeptisch. Das wird in anderen Ländern von den Regulatoren anders gesehen.

Sehen das die anderen Provider auch so?

Ich denke schon. Wir haben ja auch Abkommen mit Hutchison (3) geschlossen, dass die bei uns ins Sprachnetz hinein roamen im Bereich 2G. Wir hatten dafür leichte Defizite im Bereich 3G, dort war Hutchison ein wenig besser und wir konnten unsere Defizite beseitigen. Zusammen konnten wir jetzt, ohne zu investieren, wahrscheinlich beide auf ein gleichwertiges Netz kommen. Wahrscheinlich beide das beste Netz im Vergleich zu A1. Wir machen das also sogar schon. An anderen Standorten kooperiert man mit der A1, zum Beispiel im Bereich der Tunnel. Diese zarten Pflänzchen, die gesetzt worden sind, würden deutlich mehr hergeben, wenn der Regulator mehr Kooperationen auf der Kostenseite ermöglichen würde.

Was verbietet der Regulator genau?

Der Regulator hat bisher die Ansicht, dass ein Wettbewerb auf der Infrastrukturseite dringend notwendig ist, um auch einen Wettbewerb auf der Marktseite zuzulassen. In anderen Ländern sieht man aber, dass das nicht dringend notwendig ist. Aber das ist Regulatorpolitik. Da muss man sich mit dem Regulator und auch den anderen Providern verständigen, ob ein solcher Weg einen Sinn macht. Ich persönlich bin überzeugt, dass eine liberalere Politik auf der technischen Seite eher zum Wohle des Kunden ist, im Sinne einer wirtschaftlichen Absicherung.

Stoßen Sie da beim Regulator auf taube Ohren?


Ich bin ja noch nicht so lange dabei, aber das ist sicher ein Thema, das wir bei T-Mobile beim Regulator weiter betonen werden. Gerade beim LTE-Rollout wird das ja wieder schlagend. Jetzt nehmen die Provider Geld in die Hand, um den Rollout entsprechend zu machen. Wir werden natürlich das Geld in die Hand nehmen, denn ohne LTE wird man nicht wettbewerbsfähig. 3 wird das tun, A1 wird das tun. Jetzt nehmen wir drei mal Geld in die Hand. Bei anderen Rahmenbedingungen könnte man das sicher klüger machen und hätte wahrscheinlich LTE in Österreich schneller ausgerollt.

Fürchten Sie, dass 3 T-Mobile in Österreich überholen wird?

Ich beschäftige mich eigentlich weniger mit der Wettbewerbsposition gegenüber 3, sondern mit der Frage, wie wir es als T-Mobile schaffen, diesen Umsatzverfall der letzen Jahre zu stoppen und unseren Umsatz zu stabilisieren und wieder zu wachsen. Ob  3 die Nummer zwei oder Nummer drei ist, ist jetzt für mich eine nachgelagerte Problemstellung.

Steht das Ziel 2015 wieder im Umsatz zu wachsen?

Ja. 2013 wird sicherlich, was den Umsatzverfall betrifft nochmal ein sehr schwieriges Jahr. Weil wir erhebliche Terminierungseffekte haben, die alleine einen Umsatzverfall in der Größenordnung des letzten Jahres implizieren. Dann kommt noch die Marktdynamik dazu, sodass wir für 2013 davon ausgehen, dass der Umsatz stärker fällt. Wir wollen allerdings durch die gesetzten Maßnahmen 2014 Stabilisierung erreichen und ab 2015 wieder wachsen.