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Regina Resnik: Was bleibt von einer Opernlegende?

Knapp vor ihrem 91. Geburtstag starb eine Operndiva, die vom vielversprechenden Sopran zum weltweit gefeierten Mezzo geworden war.

In der Vorwoche starb, wenige Wochen vor ihrem 91. Geburtstag, Regina Resnik in ihrer Heimatstadt New York. Die Resnik war eine der bedeutendsten Gestalterinnen im Opernleben der Fünfziger- und Sechzigerjahre. Das wissen Kenner, doch lebt die „Legende Resnik“ im Publikumsgedächtnis kaum in einer Stadt wie die mancher Kollegin.

Denn diese Künstlerin gehörte nie einem Ensemble wie dem viel zitierten „Wiener Mozartensemble“ der Nachkriegszeit oder dem „Clan“ eines bestimmten Dirigenten an. Gewiss, sie sang an der Met – aber kaum in den Jahren des Langzeitdirektors Rudolf Bing, der mit ihr so wenig „konnte“ wie etwa mit der Callas. Sie sang an der Wiener Staatsoper, vor allem ihre Paraderolle, die Carmen, und zuletzt, 1973, die Klytämnestra in Strauss' „Elektra“. Vor allem sang sie in Covent Garden – und hinterließ Schallplattenaufnahmen (und „illegale“ Mitschnitte), die ihren außerordentlichen Rang dokumentieren.

Aus einem armen Einwandererhaushalt gebürtig, musste sich Regina Resnik zäh ihre künstlerischen Anfänge erkämpfen, stand aber schon 22-jährig auf der Bühne der Met. Als Sopran. Das erste Jahrzehnt ihrer Karriere sah sie als Santuzza und Aida, als Leonore im „Troubadour“ und als Rosalinde in der „Fledermaus“.

Ihre Dirigenten hießen Otto Klemperer, George Szell, Erich Kleiber und Fritz Busch, dem sie ihre Debüt-Chance bei der New York Opera Company verdankte.

Clemens Krauss war es, der anlässlich der Bayreuther Festspiele befand, dass der Resnik die Sieglinde in der „Walküre“ doch ein wenig zu hoch lag. Sie nahm sich den Rat zu Herzen, legte eine ausführliche Studienpause ein und kehrte 1955 als Mezzo zurück – da war Rudolf Bing schon Met-Chef und holte sie für mittlere, wenn auch wichtige Partien wie die Marzelline im „Figaro“ oder die Magdalene in den „Meistersingern“.

Was Regina Resnik wirklich konnte, erfuhr die Welt erst, als sie in den anderen bedeutenden Häusern erschien, als Amneris, als Ulrica, als Mrs. Quickly, um nur bei den Verdi-Partien zu bleiben, und immer wieder als Carmen, deren differenzierte Gestaltung zu den bedeutenden Leistungen der Interpretationsgeschichte zu zählen ist. Herbert von Karajan ging in seiner Zeit als Wiener Opernchef sogar einmal ans Dirigentenpult, um ein paar der ihm so verhassten „gemischtsprachigen“ Aufführungen zu dirigieren, die Resnik sang französisch, der Rest des Ensembles, wie gewohnt, auf Deutsch . . .

Nach dem Ende ihrer Gesangskarriere kümmerte sich die Künstlerin (auch in Salzburg am Mozarteum) rührend um den Nachwuchs, dem sie, weil sie etliche Sprachen perfekt beherrschte, auch über Artikulation Tiefgründiges zu sagen hatte. Sie betätigte sich nicht zuletzt auch als Regisseuse (unter anderem in Graz).

Wer wissen möchte, zu welchen künstlerischen Höhenflügen diese Sängerin fähig war, muss nur ein paar Minuten vom Dialog zwischen ihr und Birgit Nilsson in der zentralen Szene der „Elektra“ lauschen: Dergleichen Intensität ist (im Stereo-Zeitalter) kaum erreicht worden.

 

E-Mails: wilhelm.sinkovicz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.08.2013)