Deutschland: Herde gegen „Luxusbischof“

Gegen Limburgs Bischof Tebartz-van Elst begehren Gläubige und Pfarrer auf.
Deutschland: Herde gegen „Luxusbischof“(c) Wikipedia

First Class in den Slum, Luxuspalast, Lügen: Für Limburgs Bischof Tebartz-van Elst wird es eng. Das Kirchenvolk rebelliert.

Berlin. Schwaden von Weihrauch und salbungsvollen Worten, Messdiener in weißen Handschuhen und Feuerzauber mit Chrisamöl: Der Bischof von Limburg liebt liturgischen Pomp. Einmal schlugen bei der Einweihung einer Krankenhauskapelle die Flammen am Altar so hoch, dass die Besucher in die Notaufnahme nebenan flüchten mussten. Wenn es nur das wäre: Die Herde würde über ihren exzentrischen Hirten wohl mit christlicher Nachsicht lächeln.

Aber nein: Es brennt lichterloh in dem mitteldeutschen Bistum. Die Katholiken begehren offen auf gegen Franz-Peter Tebartz-van Elst, dessen private Verschwendungssucht sie nicht länger hinnehmen. Eskaliert ist der seit Jahren schwelende Konflikt am vorigen Sonntag. Eine Revolte wie zu Zeiten der Reformation: Pfarrer predigten gegen ihren Vorgesetzten und ernteten begeisterten Applaus. Nach einer Messe in Frankfurt standen über 500 Gläubige Schlange, um einen Protestbrief zu unterschreiben. Und das Beispiel macht Schule, auch am Land.

Der Funke, der den Flächenbrand auslöste: Bei einem Treffen hoher Geistlicher hatte der Bischof den „illoyalen“ Frankfurter Stadtdekan zum Rücktritt gedrängt. Die breite Öffentlichkeit kennt den 53-Jährigen mit dem Hang zum Luxus seit einem Jahr. Da wurde bekannt, dass Tebartz-van Elst eine Reise zu Slums in Indien in der First Class der Lufthansa genossen hatte, bei Champagner und Kaviar. Sein wohlhabender Generalvikar hatte mit Bonusmeilen fürs Upgrade aus der Business Class aufs Oberdeck gesorgt.

Ein Haus wie ein Herrschersitz

Der Bischof stritt erst alles ab, sein Anwalt verlangte eine Unterlassungserklärung. Als „Der Spiegel“ Beweise vorlegte, folgte ein Dementi des Dementis. Wie der fromme Mann gegen das achte Gebot verstieß, hielt das Magazin penibel fest: „Business Class sind wir geflogen“, habe er einem Journalisten am Domplatz erklärt.

Dagegen erwirkte der streitbare Kirchenmann anfangs eine einstweilige Verfügung, indem er an Eides statt behauptete, solches nie gesagt zu haben. Dumm nur, dass bei dem Gespräch Kamera und Ton unbemerkt mitliefen. Das macht den medialen Streit nun auch für die Hamburger Staatsanwaltschaft interessant. Sie ermittelt wegen eidesstattlicher Falschaussage. Die Entscheidung wird für die nächsten Wochen erwartet.

Eine Anklage wäre ein besonders unrühmliches Ende für ein Episkopat, das von Anfang an unter keinem guten Stern stand. Zu seinem Symbol wurde die Baustelle des „Bischöflichen Hauses“. Der bescheidene Vorgänger Kamphaus wohnte in einer kleinen Wohnung im Priesterseminar am Stadtrand von Limburg. Das hielt das Domkapitel für unwürdig und plante, für ihn ein Fachwerkhaus neben dem romanischen Dom zu sanieren und um einen Zubau zu erweitern. Geplante Kosten: zwei Millionen Euro.

Das Projekt war ganz im Sinn seines Nachfolgers. Der hatte schon als junger Weihbischof in Münster seine Wohnung so verschönert, dass man sie „Kronprinzenpalais“ nannte. Der Neue riss die Bauleitung an sich, entzog dem Domkapitel die Kontrolle und ließ seiner Repräsentationslust freien Lauf: mit edlen Materialien, aufwendigem Zierrat, einem Designergarten und einer schwarzen Privatkapelle. Was das alles kosten mag? Im Juli gab das Bistum den drängenden Fragen nach: Allein die Renovierung habe fast zehn Millionen verschlungen, mit den Neubauten werden die Kosten noch „wesentlich höher“ ausfallen. Experten schätzen sie auf 20 Mio. Euro – zehnmal mehr als geplant.

Rätsel über die Geldquellen

Woher kommt das Geld? Medien vermuten, dass der Verkauf von Immobilien aus dem Vermögen des Bistums die Mittel frei machte. Investitionen und Verkäufe über mehr als fünf Millionen müsste der Bischof aber von Rom genehmigen lassen. Wohl ein Grund mehr, dass er dazu schweigt – und die Herde immer lauter rebelliert.