Ausgezeichnet: Die Besten der Verbesserer

Ausgezeichnet: Die Besten der Verbesserer
Ausgezeichnet: Die Besten der Verbesserer(c) Vienna Design Week

Designer gestalten Arbeitsumfelder, Atmosphären, Wohlbefinden und wirtschaftlichen Erfolg mit: Der Staatspreis Design zeichnete jene Projekte in vier Kategorien aus, die das am eindrucksvollsten unter Beweis stellen.

„Unzufriedenheit“, sei es, was sie motiviert, fragt man die Designer. „Keine raunzende und antriebslose Unzufriedenheit, sondern eine Unzufriedenheit mit Mittelmaß, Scheinlösungen und Stillstand, geäußert aus der Perspektive des Verändern-Wollens“, wie Bernhard Sagmeister, Geschäftsführer Austria Wirtschaftsservice (AWS), betont. Und Veränderung, die auf Kreativität und Innovation setzt, tut im internationalen Wettbewerb bekanntlich not. Die entscheidende Rolle von Design liegt dabei laut Experten nicht in der äußerlichen Behübschung eines Produkts, sondern in der Umsetzung von kreativer Innovation in der Produktgestaltung. Frei nach dem Motto „Es geht auch anders“ tüfteln die Vertreter der Kreativwirtschaft am „Anderen“, das auch besser sein muss, um wirtschaftliche Impulse zu setzen. „Ausgezeichnetes Design zeichnet sich durch soziale Relevanz aus und wird einem modernen Lebensstil gerecht. Die Lösungen sind technisch und gestalterisch komplex und zugleich bedienerfreundlich und funktional“, bringt es Severin Filek, Geschäftsführer von Designaustria, auf den Punkt.

Innovative Gestaltung. Mit diesem Selbstverständnis wurde letzten Dienstag zum 45. Mal der Staatspreis Design vergeben. Prämiert wurden im Architekturzentrum Wien vom Wirtschaftsministerium die besten, kreativsten und innovativsten Designlösungen in drei Kategorien: Konsumgüter, Investitionsgüter und räumliche Gestaltung.
„Bei den Konsumgütern ging es um Produktdesign, das den Lebensalltag erleichtert und angenehm gestaltet“, so Filek, der das breite Spektrum an Einreichungen hervorhebt. Die Palette der nominierten Produkte reichte vom idealen Teelöffel über eine TV-Fernbedienung samt Sprachsteuerung bis hin zu einer Kompaktsauna, die nur 1,4 Quadratmeter Grundfläche benötigt, oder einer Stein-Holz-Brillenfassung.

Der Staatspreis ging schließlich an ein intuitives Beinprothesensystem, das den natürlichen Bewegungsablauf unterstützt, ohne dass der Träger das Gelenk bewusst steuern muss. Das System von Otto Bock Healthcare reagiert intelligent auf Alltagssituationen. Messsensoren überprüfen permanent, in welcher Phase des Gehens man sich befindet. Dadurch reduziert sich der bewusste Kraft- und Koordinationsaufwand deutlich. Auch Treppensteigen im Wechselschritt ist möglich. Weitere Vorteile sind eine lange Akkulaufzeit und Spritzwasserbeständigkeit. „Das C-Leg-Genium stellt das High-End-Produkt im Bereich der Kniegelenksprothesen dar. Immer in dem Wissen, dass man die Perfektion des menschlichen Kniegelenks selbst im besten Fall nur annähernd erreichen kann, war die Arbeit an diesem Projekt besonders herausfordernd“, so Nik Pelzl, Gründer des prämierten Studio Novo. Die Jury überzeugten die Designer insbesondere mit einer schlanken Linienführung, die Anleihen an der Anatomie des menschlichen Unterschenkels nimmt. Was der Prothese laut Pelzl im wahrsten Sinne des Wortes „einen selbstbewussten Auftritt“ verleiht.

Eine Verbesserung der Arbeitswelt und eine Aufwertung des Arbeitsplatzes standen als Kriterien bei der Verleihung des Preises für Investitionsgüter im Vordergrund. Das Rennen um den Staatspreis Design machte das Wiener Unternehmen Spirit Design, das als Designpartner der Öswag Werft Linz AG für die Schifffahrtsaufsicht des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (Bmvit) ein neues Vehikel konzipierte. Für das „Behördenboot“ – quasi eine fahrende Dienststelle und Infozentrale für Aufgaben der Verkehrsregelung und des Notfallmanagements wie Bergung und Hilfeleistung – wurden neuartige Leichtbaumaterialien verwendet.

Der Fokus lag unter anderem auf einer energiesparenden Antriebs- und Rumpfform, der Ergonomie im Arbeits- und Aufenthaltsbereich sowie auf Wartungsfreundlichkeit. Besondere Bedeutung kam freilich der Formensprache des Designs zu. „Es geht um die Ästhetik, die Hoheit, Komfort, Akzeptanz und Respekt auf dem Wasser widerspiegelt.
„Durch sein Erscheinungsbild soll das Behördenboot Innovation und Zukunftsfähigkeit genauso wie Wertigkeit und Autorität symbolisieren“, erklärt Daniel Huber von Spirit Design. „Das Design berücksichtigt, dass Menschen hier einer beruflichen Tätigkeit nachgehen und stellt somit eine Würdigung und Aufwertung ihrer Arbeit dar“, strich die Jury hervor.

Alt und Neu. Wie sich historische Substanz mit moderner Architektur auch bei Großprojekten des öffentlichen Verkehrs verbinden lässt, zeigt wiederum die Arbeit des Büros Kadawittfeldarchitektur, das für das Design auf dem neuen Salzburger Hauptbahnhof den Staatspreis in der Kategorie räumliche Gestaltung verliehen bekam. „Hier überzeugt die Gestaltung im Ganzen und im Detail. Historisch wichtige Teile wurden erhalten und mit neuen, modernen Materialien und einer puristischen Formensprache zusammengeführt. Eine durch und durch gelungene Einheit von Alt und Neu“, so die Würdigung der Jury.

Der Sonderpreis Design Concepts – als Auszeichnung des AWS-Förderprogramms Impulse für noch nicht umgesetzte, innovative Konzepte mit hohem Marktpotenzial – ging schlussendlich an die Wiener Designerin Helene Steiner und ihr Kommunikationssystem für Schulen. „Der Edu Spind dient als Ladestation für elektronische Geräte, privater Stauraum und Briefkasten. Das Handy wird dabei zum Schulcomputer. Legt man es auf das Edu Buch, schaltet es sich automatisch in den Schulmodus ohne Telefonier- und SMS-Funktion und öffnet die auf den Schulalltag abgestimmte Software. Es ersetzt nicht nur Taschenrechner, Overheadprojektor und PC, sondern bietet sich auch für Recherchen außerhalb des Schulgebäudes an“, so Steiner. „Dieses einfache, kostengünstige und sofort umsetzbare System ist modular, verstellbar und flexibel und bietet eine charmante wie notwendige Lösung für den Schulalltag“, befand die Jury.

Preiswürdig

Staatspreis Design 2013 wird von einer Ausstellung und einem Katalog begleitet. Alle preisgekrönten, nominierten und ausgewählten Projekte sind vom 25. September bis 10. November 2013 im Designforum im Wiener Museumsquartier zu sehen. www.designaustria.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.09.2013)