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Ball in Linz: Demos sind angekündigt

Burschenbundball, Linz, Demo, Akademikerball
(c) APA/RUBRA (RUBRA)
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Bei der Polizei wurde bisher nur eine Demonstration gegen den Burschenbundball, der am Samstag stattfindet, angemeldet.

Es könnte so etwas wie eine zweite Auflage des Akademikerballs werden – zumindest, was die Proteste angeht. Wenn am Samstag, 8. Februar, im Palais Kaufmännischer Verein in Linz der Burschenbundball abgehalten wird, wird es Proteste geben. Die Polizei bestätigte bis Dienstagvormittag, dass eine Kundgebung angemeldet ist. Die Organisatoren erwarten 300 bis 500 Teilnehmer. Zur Teilnahme an der "Ersten Linzer Tanz-Demo" unter dem Motto "Laut gegen Nazis!" hat das Bündnis "Linz gegen Rechts" aufgerufen.

Der Protest wird von zahlreichen SPÖ-Vorfeldorganisationen und der Gewerkschaftsjugend, von kommunistischen, Grünen und kirchlichen Organisationen sowie vom KZ-Verband und dem Mauthausen Komitee getragen. Neben Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) und KZ-Überlebenden haben sich auch etliche Prominente aus dem Kulturbereich - etwa der Liedermacher Konstantin Wecker, der Autor Kurt Palm oder die Schauspieler Erwin Steinhauer und Stefano Bernardin - gegen den Ball positioniert.

"Antinationaler Block"

Daneben ruft allerdings auch der Linzer Arbeitskreis gegen das Korporationsunwesen auf einer Website dazu auf, einen „antinationalen Block“ zu bilden. Der Ball diene, so wie der Akademikerball in Wien, der Vernetzung rechtsextremer Männerbünde mit der „sogenannten gesellschaftlichen Mitte und somit der Weiterverbreitung ihres reaktionären Weltbilds“.

Die Polizei rechnet derzeit nicht mit Ausschreitungen. Sollte es aber Versuche in diese Richtung geben, werde man entsprechend reagieren und diese unterbinden. "Wir wollen keine Wiener Verhältnisse in Linz", so David Furtner von der Landespolizeidirektion Oberösterreich.

Pühringer nimmt teil

Die Gegner der Veranstaltung forderten Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) auf, nicht mehr am Burschenbundball teilzunehmen und auch keine Vertretung zu entsenden. Der Rektor der Kepler Uni, Richard Hagelauer, wurde in einem Schreiben ebenfalls aufgefordert, die Veranstaltung nicht mehr zu unterstützen. Pühringer will den Ball dennoch besuchen. Er setze mit seiner Teilnahme lediglich eine Tradition fort, die bereits seine Vorgänger - bis hin zum ehemaligen KZ-Insassen Heinrich Gleißner - gepflegt hätten.

Wäre es eine politische Kundgebung, würde er ihm "ganz bestimmt" fernbleiben, versicherte Pühringer. "Eine ein- oder zweideutige Bemerkung in Richtung extrem Rechts würde mir bestimmt genügen und ich wäre nicht mehr dabei." Er habe bisher aber nie Grund zur Beanstandungen gehabt. Der Landeshauptmann vertritt zudem die Ansicht, dass der Burschenbundball in Linz mit jenem in Wien nicht zu vergleichen sei. Ähnlich äußerte sich der Vizerektor der Universität, Friedrich Roithmayr.

Mahnwache in Wien

Noch unklar ist, welche Folgen eine weitere Veranstaltung in Wien nach sich ziehen wird. Deutschnationale Burschenschafter planen einen „Spaziergang“ im Mai – ihrem Verständnis nach soll es kein Aufmarsch sein, sondern ein Spaziergang zur Erinnerung an das Revolutionsjahr 1848. Bei der Polizei hat man noch keine Kenntnis von allfälligen angemeldeten Aktionen, was allerdings so früh vor der Veranstaltung auch ungewöhnlich wäre.

Andreas Mölzer, FPÖ-Spitzenkandidat bei der EU-Wahl, die auch im Mai stattfindet, ging am Montag davon aus, dass die Veranstaltung „sicher friedlich sein wird“: „Sollten irgendwelche Verrückten da dagegen demonstrieren und wieder gewalttätig sein“, sagte er zum ORF, „wissen ja die Menschen auch ganz genau, wer da die Schuld daran hat.“ (red./APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2014)