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Heinisch-Hosek: "ÖVP ist der Frauen-Quote nicht mehr so fern"

INTERNATIONALER FRAUENTAG - HISSEN DER FRAUENTAGSFAHNE: HEINISCH-HOSEK / BRUNNER / HOFFMANN
Gabriele Heinisch-HosekAPA/GEORG HOCHMUTH
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"Quoten sind nicht elegant, aber effektiv", sagt die Frauenministerin. Sie will Gespräche mit Familienministerin Karmasin führen.

SP-Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek fordert "echte" Quoten für die Privatwirtschaft. In Österreich würden manche Unternehmen bereits über eine Selbstverpflichtung verfügen: "Ein freiwilliges Instrument ist aber nicht das, was uns zum Ziel führen kann. Richtige, echte Quoten führen uns zum Ziel." Auch flexible Regelungen, wie sie etwa in Deutschland diskutiert wurden oder ein auf Branchen abgestimmtes System, wie es VP-Familienministerin Sophie Karmasin präferiert, reichen nach Ansicht der Frauenministerin nicht aus. 

Dennoch stimme es sie "freudig", dass Karmasin zuletzt Sie sind nicht elegant, aber effektiv", betonte Heinisch-Hosek. Denn dass "dass eine ÖVP-Ministerin das Wort Quote in den Mund nimmt" bedeute, dass die Volkspartei der Quote nicht mehr so fern sei. Die Ressortchefin verwies auf die staatsnahen Betriebe, wo eine solche Regelung bereits umgesetzt wurde. Sie will daher mit Karmasin nun diskutieren, was genau die Familienministerin unter einer flexiblen Regelung versteht und wie sie umgesetzt werden soll: "Sie hat mich an ihrer Seite."

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Die Wirtschaftskammer wehrte sich in einer Aussendung gegen Quoten. "Wenn der Frauentag schon traditionell zum Anlass genommen wird, um Zwangsmaßnahmen für die Wirtschaft zu fordern, so geht das völlig am Ziel vorbei", betonte Generalsekretärin Anna Maria Hochhauser. Zwangsmaßnahmen wie Quoten bei der Besetzung der Führungsgremien privater Unternehmen seien nicht nur ungerechtfertigte Eingriffe, sondern "gehen auch völlig ins Leere", solange den Frauen nicht alle Chancen und Wahlfreiheiten für ihre Karriere- und Lebensplanung geboten werden, meinte Hochhauser.

"Frauen haben von Weiterentwicklung zu wenig"

Heinisch-Hosek hisste am Freitag, dem Tag vor dem Internationalen Frauentag, mit der SP-Frauen-Bundesgeschäftsführerin Andrea Brunner vor der SPÖ-Zentrale die "Frauentagsfahne". Sie zeigte sich dabei überzeugt davon, dass die Frauen an diesem Tag auch "einiges zu feiern haben, weil einige Meilensteine" erreicht worden seien. Als Beispiel nannte die Frauenministerin etwa die Einkommensberichte. Der Tag sei aber auch als "Kampf für die Gleichstellung" zu sehen: "Frauen entwickelten sich weiter, haben aber zu wenig davon." Frauen seien nicht nur "zu wenig mutig", oft funktioniere auch die Einladungspolitik durch die Männer nicht, meinte Heinisch-Hosek.

EU-Projekt für Geschlechtergerechtigkeit

Das Frauenministerium koordiniert derzeit ein von der EU kofinanziertes "Progress"-Projekt. Ziel der beiden Teilprojekte daraus ist es, Unternehmensstrukturen zu schaffen, die Geschlechtergerechtigkeit fördern. Konkret sollen etwa jene Faktoren herausgearbeitet werden, die Frauen in Führungspositionen bringen oder hemmen. Auf Basis der Projektergebnisse sollen dann Programme zur Förderung von Frauen im Management erstellt werden.

Ein Projektschwerpunkt ist die Ausarbeitung eines Unternehmensplanspiels, das die Beschickung von Aufsichtsräten simuliert, erklärte Universitätsprofessorin Edeltraud Hanappi-Egger von der Wirtschaftsuniversität Wien. Sie betonte, dass die Auswahl nicht nur eine Frage der Qualifikation ist, sondern dass auch die Vertrauenswürdigkeit eine große Rolle spielt. Das fertige Planspiel soll etwa von jenen durchgeführt werden, die Aufsichtsräte beschicken sowie in Lehrveranstaltungen an der WU zum Einsatz kommen. Im zweiten Teilprojekt geht es um Best Practice-Beispiele von Unternehmen, die Frauenförderung erfolgreich umsetzen.

Das Projektvolumen beläuft sich auf rund 270.000 Euro, von denen maximal 80 Prozent durch "Progress" finanziert werden. Für das Frauenministerium ist es dadurch "machbar", stellte Heinisch-Hosek fest. Koordiniert wird das Projekt von der Sektion für Frauenangelegenheiten und Gleichstellung. Hier findet auch der internationale Austausch mit anderen Projekten statt. Abgeschlossen wird im Frühjahr 2015.

(APA)