Hauptsache ein bisschen Pathos

Warum Sympathie passiert und Empathie mitunter viel Arbeit ist.

Aristoteles wusste in seinen Reden zu überzeugen: Er setzte auf Pathos, den emotionalen Appell an sein Publikum. Heute würde es Aristoteles vermutlich „call to action“ nennen. 2014 müssen sich Redner (Aristoteles würde sie nun als Keynote Speaker bezeichnen) genau überlegen, ob sie pathetisch sein wollen.

Pathetisch ist nicht mehr angesagt. Genauso wenig wie sympathisch. Zu beliebig wurde das Wort verwendet. Dabei kann man sich Sympathie nicht aussuchen: Sie ist die spontane, gefühlsmäßige Zuneigung aufgrund ähnlicher Einstellungen und Zugänge. Sie entsteht – oder nicht.

Anders ist das mit einem Wort, das auch nach Pathos klingt: Empathie ist aktuell begehrt. Manager weisen laufend darauf hin, wie empathisch sie sind. Sie stehen regelrecht unter Druck, sich in andere hineinzuversetzen und deren Motive nachvollziehen zu können. Tatsächlich.

Es gibt Führungskräfte, die empathisch handeln. Für andere aber ist Empathie nur Bestandteil des Werbetexts in eigener Sache – und damit eine Sprechblase. Für diese zweite Gruppe gibt es eine gute Nachricht: Empathie kann man sich erarbeiten. (Selbst-)Reflexion vorausgesetzt.

E-Mails an: michael.koettritsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.04.2014)