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Betrug und Untreue: Weiterer Wirecard-Vorstand angeklagt

Die Staatsanwaltschaft München hat Anklage gegen einen weiteren ehemaligen Wirecard-Vorstand erhoben.
Die Staatsanwaltschaft München hat Anklage gegen einen weiteren ehemaligen Wirecard-Vorstand erhoben.APA / AFP / Christof Stache
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Die Ermittler werfen dem langjährigen Finanzvorstand Burkhard Ley unter anderem Bilanzfälschung, Marktmanipulation, Betrug und Untreue vor.

Die Staatsanwaltschaft München hat Anklage gegen einen weiteren ehemaligen Wirecard-Vorstand erhoben. Die Ermittler werfen dem langjährigen Finanzvorstand Burkhard Ley unter anderem Bilanzfälschung, Marktmanipulation, Betrug und Untreue vor. Ley habe als Finanzvorstand - und später noch als Berater des Vorstands - zusammen mit Ex-Wirecard-Chef Markus Braun, einem gebürtigen Österreicher, und anderen Spitzenmanagern in großem Stil Umsätze manipuliert und Geschäft mit Drittkunden in Asien vorgetäuscht, erklärten die Ermittler am Donnerstag.

Damit sollte nach Ansicht der Ermittler der Kurs der Wirecard-Aktie nach oben getrieben werden. Zugleich hätten die manipulierten Jahresabschlüsse dazu gedient, Geld von Banken einzuwerben. Insgesamt sei diesen ein Schaden von mehreren hundert Millionen Euro entstanden.

Leys Anwälte wiesen die Vorwürfe als unbegründet zurück. Die Staatsanwaltschaft versuche seit Juli 2020, Ley in ihre Verdachtsthese einer Bande einzureihen, die Geschäft vorgetäuscht haben soll, erklärten die Verteidiger. Dabei sei Ley aus dem Unternehmen ausgeschieden, bevor es zu den wesentlichen Vorgängen des Skandals gekommen sei. Anschließend habe er einen „strategischen Beratungsvertrag“ erhalten, „der mit den operativen Vorgängen bei Wirecard nichts zu tun hatte“ sagte Leys Anwalt Norbert Scharf der Nachrichtenagentur Reuters. „Unser Mandant wird sich weiterhin aktiv verteidigen und darlegen, dass er sich nichts zuschulden kommen ließ.“

Elf Jahre lang für Wirecard-Finanzen zuständig

Ley war von 2006 bis 2017 für die Finanzen bei Wirecard verantwortlich. Er soll sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft seit 2015 an dem Betrug und der Marktmanipulation beteiligt haben; nach seinem Ausscheiden aus dem Wirecard-Vorstand habe er durch Beratungsdienstleistungen Beihilfe zu den Taten geleistet. Seit dem Zusammenbruch des Finanzdienstleisters 2020 habe ein Team aus mehreren Staatsanwälten zusammen mit einer Sonderkommission der Polizei umfangreiche und komplexe Ermittlungen durchgeführt. Mit der Anklage Leys sei ein Teilaspekt abgeschlossen werden. „In zahlreichen weiteren Einzelkomplexen und neu hinzugekommenen Ermittlungssträngen werden die Ermittlungen unter Hochdruck weitergeführt“, erklärten die Staatsanwälte. Ley saß bereits in den Monaten nach dem Wirecard-Kollaps vorübergehend in Untersuchungshaft und kam im November 2020 wieder frei.

Wenn die 12. Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München die Anklage annimmt, wäre Ley der vierte Ex-Wirecard-Manager, der sich vor Gericht verantworten muss. Zuständig ist allerdings nicht die Strafkammer, die den bereits laufenden Prozess gegen den früheren Wirecard-Chef Markus Braun führt. Weil diese Richter um ihren Vorsitzenden Markus Födisch mit dem Prozess voll ausgelastet sind, landete Leys Verfahren bei der 12. Strafkammer des Vorsitzenden Richters Bernhard Geismar.

Wirecard war im Juni 2020 zusammengebrochen, als aufflog, dass auf Treuhandkonten in Asien 1,9 Milliarden Euro fehlten. Für das Asien-Geschäft war der untergetauchte Ex-Vorstand Jan Marsalek verantwortlich. Ex-Chef Braun und zwei weitere Ex-Manager sitzen wegen Bilanzfälschung und Bandenbetrug auf der Anklagebank. Sie sollen milliardenschwere Geschäfte mit sogenannten Drittpartnern erfunden haben. Braun hat dagegen erklärt, das Geld habe es gegeben, es sei aber hinter seinem Rücken beiseitegeschafft worden. (APA)

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