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Rätselhafter Rücktritt des Siemens-Finanzchefs

AP
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Personalrochade. Nach dem Abgang wird spekuliert, ob es einen Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre gibt.

WIEN. Bisher war die Wortwahl immer klar: Siemens Österreich habe nichts mit der Korruptionsaffäre beim Mutterkonzern in München zu tun. Am Mittwoch sah die Kommunikationspolitik anderes aus. Steht der überraschende Rücktritt des Finanzvorstands Harald Wasserburger in Zusammenhang mit Ermittlungen bei SiemensCom in Deutschland? „Wasserburger ist auf eigenen Wunsch ausgeschieden. Zur Korruptionsaffäre gibt Siemens Österreich keine Stellungnahme ab“, so Harald Stockbauer, Sprecher von Siemens Österreich.

Es wird an die Zentrale nach München verwiesen. Dort verweist Konzern-Sprecher Stefan Schmidt wiederum auf die offizielle Stellungnahme zur Affäre auf der Siemens-Homepage. Zum Rücktritt Wasserburgers gibt es keinen Kommentar.


Überraschender Ötsch-Nachfolger

So überraschend der Rückzug, so unerwartet wurde Wasserburger im August 2006 zum Nachfolger von Alfred Ötsch gekürt, der zum AUA-Chef avancierte. Damals wechselte er von der SiemensCom – der Telekom-Sparte des Konzern – in den Vorstand von Siemens Österreich. Der 51-Jährige hatte sich kaum in der Chefetage eingewöhnt, da platzte im Herbst bei Siemens in Deutschland die Bombe. Schmiergeld, Schwarze Konten, Hausdurchsuchungen, Festnahmen. Im Zentrum der Untersuchungen: die SiemensCom. Dort wurden die Ermittler schnell auf den früheren Direktor Reinhard S. aufmerksam. Am 20. November 2006 packte er bei seiner Einvernahme durch den Münchner Staatsanwalt aus. Von illegalen Provisionszahlungen war die Rede. Von Briefkastenfirmen auf Zypern.

Und von schwarzen Konten in Österreich. Irgendwann fiel der Satz: „In diesen Prozess sind mit Sicherheit involviert: Herr Dr. Wasserburger aus Wien.“ Im Februar wurde dieses Protokoll dem „profil“ zugespielt. Siemens Österreich drohte dem Magazin nach der Veröffentlichung mit Klage. „Siemens Österreich war und ist nicht in einen Korruptionsskandal verwickelt“, betonte Stockbauer damals.

Während in Deutschland die Polizei bereits davon ausgeht, dass Siemens im Laufe der Jahre mehr als eine Mrd. Euro an Schmiergeldern bezahlt hat, wurde es um die Österreich-Tochter wieder ruhig.

Anfang Oktober regelte der Siemens-Konzern die Affäre auf seine Weise. Durch eine Zahlung von 201 Mio. Euro hat sich der Elektronik-Multi da facto freigekauft. Der Leiter der Staatsanwaltschaft München, Christian Schmidt-Sommerfeld, sprach damals „im weitesten Sinn von einem Deal“. Seit wenigen Wochen ist nun auch die erste Anklage gegen einen ehemaligen Siemens-Manager eingebracht. Gegen Reinhard S. Jenem Mann also, der den zurückgetretenen Siemens-Österreich Finanzchef Wasserburger belastet. „Wir betreiben kein Verfahren gegen Herrn Wasserburger“, betonte Oberstaatsanwalt Schmidt-Sommerfeld auf Anfrage der „Presse“.


„Weg in die Selbstständigkeit“

Der Rücktritt von Harald Wasserburger bleibt rätselhaft. An die offizielle Version, er wolle „den Weg in die Selbstständigkeit gehen“, glaubt bei Siemens in Wien kaum jemand. Neuer Finanzchef wird übrigens Reinhard Pinzer. Zuletzt regelte er sehr erfolgreich die Finanzen bei Siemens VDO Automotive. Die Sparte wurde nämlich im Juli um 11,4 Mrd. Euro an den Autozulieferer Conti verkauft...

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2007)