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Sex und Krieg am Handy

AP
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Jedes siebente Kind zwischen sechs und 14 Jahren ist über das Handy bereits in Kontakt mit Gewaltvideos gekommen.

WIEN. Rund 114.000 Kinder im Alter zwischen 6 und 14 Jahren haben bereits Erfahrungen mit Handy-Videos gemacht, die Gewalt in unterschiedlichster Form oder Sex zum Inhalt haben. Das sind 14 Prozent von insgesamt 816.000 Kindern dieser Altersgruppe in Österreich. Oder: jedes siebente Kind. Die Zahl steigt mit fortschreitendem Alter: Bei den 13- bis 14-jährigen Buben sind es immerhin schon 32 Prozent.

"Die Kinder davor schützen"


Fünf Prozent der Sechs- bis 14-Jährigen haben derartige Clips auf ihr Handy geschickt bekommen, neun Prozent haben sie bei Freunden gesehen. Zu diesen Ergebnissen gelangt die vom market-Institut durchgeführte und von der Mobilkom Austria in Auftrag gegebene "Kinderstudie 2007", die das Handy-Nutzungsverhalten in dieser Altersschicht dokumentiert.


Es sei "sehr schlimm, dass bereits 14 Prozent der Kinder mit solcherart Videos konfrontiert wurden", befindet market-Studienleiterin Vasiliki Karagiannidis im Gespräch mit der "Presse". Zumal es eigentlich darum gehe, "sie davor zu schützen".


Die Clips haben meistens sexuellen Inhalt (39 Prozent) oder zeigen Prügeleien zwischen Jugendlichen (35 Prozent), es können allerdings auch Kriegsszenen und - selten, aber doch - Mord sein. 22 Prozent gaben an, ein zweifelhaftes Video unmittelbar nach dem Ansehen wieder gelöscht zu haben, 36 Prozent schickten es weiter, 21 Prozent haben es auf ihrem Handy gespeichert. Nur zwölf Prozent hätten hingegen mit ihren Eltern oder einer Vertrauensperson darüber gesprochen, erhob die Studie.


Im Allgemeinen ist das Handy aus dem Leben der Sechs- bis 14-Jährigen nicht mehr wegzudenken: 62 Prozent nutzen ein Mobiltelefon, 55 Prozent besitzen ein eigenes. Für 41 Prozent der Nutzer zählt das Mobiltelefon zu den wichtigsten Dingen im Alltag - höhere Wertungen erhalten nur der Vereinssport (48 Prozent), der Fernsehapparat (47 Prozent) und das Fahrrad (46 Prozent).


Aus der Studie sei "eindeutig hervorgegangen", dass der Stellenwert des Handys in dieser Altersgruppe ein "immer größerer" werde, sagt Karagiannidis. Wichtig sei auch der Sicherheitsaspekt: "Durch das Mobiltelefon sind die Kinder für ihre Eltern immer erreichbar - und umgekehrt."

Kein generelles Verbot in Schule


Beim Lernen stellt sich die Lage einigermaßen anders dar: Das Läuten im Unterricht empfinden 85 Prozent der Kinder als störend. Ein allgemeines Handy-Verbot in den Schulen wird es dennoch nicht geben - was etwa die Amtsführende Präsidentin des Wiener Stadtschulrates, Susanne Brandsteidl, folgendermaßen begründet: "Unser Zugang zum Thema ist pädagogisch orientiert, aber moderat." Das Mobiltelefon sei heute ein wichtiger Alltagsgegenstand, der richtige Umgang damit "will gelernt und gelehrt werden". Von einem Handy-Verbot in der Schule hält Brandsteidl daher nichts.


Allerdings: "Was den Unterricht betrifft, ist unsere Haltung unmissverständlich: Das Handy muss ausgeschaltet bleiben."

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.11.2007)