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Iraks Luftwaffe bekommt wieder richtige Kampfjets

Eine der ersten neuen irakischen F-16
Eine der ersten neuen irakischen F-16Lockheed Martin
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Seit der Niederlage des Iraks im Dritten Golfkrieg 2003 war dessen einst riesige Luftwaffe auf Hubschrauber, Transporter und kleine Propellerflugzeuge reduziert gewesen. Nun erhält sie in Kürze F-16-Kampfjets aus den USA.

Der Irak steht nach mehr als zehn Jahren wieder vor einem strategisch bedeutenden Aufrüstungsschritt: In Bälde sollen die ersten von 36 modernen Kampfflugzeugen Typ F-16C/D (Version Block 52) des US-Herstellers Lockheed Martin eintreffen, um Iraks Luftwaffe wieder mit einer Düsenkampfkomponente auszustatten.

Nach der Niederlage des Iraks im Zuge der US-geführten Invasion 2003 war dessen Militär zerschlagen und formell aufgelöst worden; die noch übrigen Geräte der Luftwaffe wurden großteils außer Dienst gestellt oder verschrottet.

Die erste F-16 mit irakischem Hoheitszeichen absolvierte nun laut Lockheed Martin vor wenigen Tagen ihren Erstflug bei der Produktionsstätte des Luftfahrtkonzerns in Fort Worth (Texas). Details wurden nicht bekannt. Die ersten 18 Jets sollen in Kürze überstellt werden.

Nach Angaben der US Defense Security and Cooperation Agency (DSCA) werden die Maschinen des altbewährten und verbreiteten Typs, der an sich schon seit 1978 gebaut wird, unter anderem mit "Sniper" oder "Litening"-Zielsuchbehältern bestückt (sie erkennen Ziele und steuern [laser]gelenkte Präzisionswaffen gegen sie), mit Systemen zur aktiven und passiven elektronischen Kriegsführung, je einer 20 mm "Vulcan"-Kanone, Luft-Luft-Raketen der Modelle "Sidewinder" und "Sparrow", Luft-Boden-Raketen Typ "Maverick", lasergelenkten "Paveway"-Bomben in mehreren Größenklassen und klassischen, ungelenkten Freifallbomben.

Teilnahme an vielen Kriegen mit Israel

Die 1931 gegründete irakische Luftwaffe wurde über die Jahrzehnte vorwiegend aus britischen, französischen, russischen und chinesischen Flugzeugen aufgebaut und nahm an den arabisch-israelischen Kriegen von 1948, 1967 und 1973 teil. Während des Golfkriegs mit dem Iran (1980-88) wuchs sie trotz Verlusten durch massive Einkäufe von etwa 330 auf mehr als 900 Kampfflugzeuge an, wobei es keine einheitliche Typenwahl gab und ein ganzer Zoo entstand, etwa aus französischen Mirage F-1, russischen MiG-21, MiG-23, MiG-25, MiG-29, Suchoi Su-22 und Su-25 in diversen Unterversionen. Iraks Luftwaffe wurde eine der größten der Welt und war auch im Sommer 1990, vor Beginn der irakischen Invasion in Kuwait, die schließlich zu einer internationalen militärischen Gegenreaktion im Zweiten Golfkrieg führte, mit mehr als 700 Jets die größte im Nahen Osten.

Nach Ende des Kriegs März 1991 waren nach Abzug von Verlusten und in den Iran geflohenen Flugzeugen nur noch etwa 280 übrig, von denen wiederum nur ein kleiner Teil unbeschädigt und einsatzfähig blieb. Detail: In dem Krieg schaffte Iraks Luftwaffe gerade einmal vier (!) bestätigte Abschüsse, darunter eine amerikanische F/A-18 "Hornet" und eine britische "Tornado". Danach sank die Einsatzbereitschaft der Iraker in der Luft wegen der internationalen Sanktionen weiter.

Im Golfkrieg 1990/91 zerstörte irakische MiG-29
Im Golfkrieg 1990/91 zerstörte irakische MiG-29defenseimagery.mil

Vor Beginn der westlichen Invasion im Irak im März 2003 dürften bestenfalls 90 Kampfjets einsatzfähig gewesen sein. Die traten dann aber überhaupt nicht in Erscheinung, weil der (später hingerichtete) Diktator Saddam Hussein befahl, sie zu zerlegen und zu verstecken oder zu diesem Zweck sogar einzugraben - für eine mögliche spätere Verwendung.

Erst 2004, als angesichts von Aufständen und Gewalt klar wurde, dass man den Irak ohne eigene Streitkräfte nicht stabilisieren werde können, ließen die USA eine zögernde Neugründung auch der Luftwaffe zu; immerhin hatten die USA noch bis vor wenigen Jahren selbst starke Kampffliegerverbände im Land. Allerdings wurden lange Zeit nur Hubschrauber, Transporter, Aufklärer, Düsentrainer und kleine Propellerflugzeuge, etwa Cessnas, zugelassen, von denen eine Handvoll so ausgerüstet wurden, dass sie Luft-Boden-Raketen abfeuern können.

Adler ohne Klauen

Und so besteht Iraks Luftwaffe einschließlich der kämpfenden Einheiten der Heeresflieger (laut World Air Forces 2014 von Flight International") derzeit - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - aus etwa 120 Kampfhelikoptern, 20 Aufklärungs/Spezialflugzeugen, 16 Transportflugzeugen, 48 Trainingsflugzeugen und -Hubschraubern und drei bewaffneten Cessnas. Mit der Bestellung der F-16 wurde 2010/11 begonnen.

Der Irak, in dem die bürgerkriegsähnlichen Zustände seit Jahren wieder zulegen, wird seinerseits von Staaten mit klar überlegenen Luftwaffen umgeben. Die Türkei etwa verfügt über rund 310 Kampfflugzeuge, Saudiarabien über etwa 250, der Iran über etwa 190.

Ein MiG-25-Luftüberlegenheitsjäger, den Saddam Hussein eingraben ließ, wird 2004 nahe Bagdad von US-Soldaten geborgen
Ein MiG-25-Luftüberlegenheitsjäger, den Saddam Hussein eingraben ließ, wird 2004 von US-Soldaten nahe Bagdad geborgenUS Air Force