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Nein, für das Schulmeistern des Souveräns werden Sie nicht bezahlt

Ministerin Heinisch-Hosek scheint nicht zu bemerken, dass es ihre Arbeitgeber ziemlich satt haben, belehrt zu werden, wie sie sich korrekt zu verhalten haben.

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Heinisch-Hosek. Den Medien war zu entnehmen, dass Sie in den vergangenen Tagen Opfer einer üblen Hassattacke im Internet geworden sind, der ORF-Journalist Armin Wolf sprach gar vom „schlimmsten Onlinemobbing, das ich je erlebt habe“ und dürfte damit wohl recht haben. Wer je Gegenstand eines derartigen Shitstorms war, der weiß: Das ist nicht wirklich lustig. Auch Politiker müssen sich nicht alles gefallen lassen. Zu hoffen ist deshalb, dass sich die Justiz all jene vorknöpft, die Sie im Zuge dieser Ereignisse bedroht haben oder sonst wie die scheinbare Anonymität des Internets für deliktisches Verhalten genutzt haben; schon der längst überfälligen generalpräventiven Wirkung halber.

Dass Sie derart exzessiv angegriffen worden sind, ist umso bedauerlicher, als Ihnen der Wähler in der Causa Bundeshymne, die jenen Shitstorm ja ausgelöst hat, doch durchaus zu Dank verpflichtet ist. Denn indem Sie sich auf Facebook mit einem Taferl, auf dem der gültige Text der Bundeshymne – also der mit den Töchtern – abbilden ließen und dies ausdrücklich als „Lernhilfe für Andreas Gabalier“ bezeichneten, der in Spielberg die töchterlose alte Hymne gesungen hatte, zeigten Sie, verehrte Frau Bundesministerin, uns für kurze Zeit, was Politiker uns sonst fast nie zeigen: Ihr wahres Gesicht.

Es ist dies das Gesicht einer Lehrerin, die einem Staatsbürger – Herrn Gabalier –, der mit seinen Steuern deren komfortables Gehalt finanziert, in der Pose des Pädagogen nahelegt, wie er sich korrekterweise zu verhalten hat. Einem Staatsbürger, der sich völlig gesetzeskonform verhält – schließlich kann auf einer privaten Party jeder singen, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, und sei es im Bedarfsfall die „Kaiserhymne“ oder die „Internationale“ – aber halt offenbar einen anderen Text präferiert als Sie und das Sie umgebende politisch-mediale Establishment. Ihr Bild mit seinem lehrerhaften Gestus beschreibt auf der Ebene der Symbole hervorragend, was nicht wenige Menschen in diesem Lande zunehmend als Zumutung empfinden: dass ihnen die politische Klasse nicht nur das Einhalten der Gesetze abverlangt, was ja o.k. ist, sondern sie mal mehr und mal weniger subtil bedrängt, sich so zu verhalten, zu artikulieren und benehmen, wie es den Vorstellungen dieser Klasse von einem guten Untertanen entspricht. Auch das ist eine Art Mobbing, von oben nach unten halt.

Zu befürchten ist: Solange wir nicht alle und ausnahmslos nicht rauchende, nicht trinkende, Fett und Zucker meidende, auf ausreichend Sport achtende, unsere politischen Ansichten aus dem politisch korrekten öffentlich-rechtlichen und GIS-zwangsfinanzierten TV beziehenden, über Kulturbereicherung aller Art vorbehaltlos entzückte, noch vorbehaltloser an die allein seligmachende Kraft der EU glaubende Untertanen werden, die mit größter Genugtuung die Hälfte ihres Einkommens an einen Staatsapparat abliefern, der ihre sanfte, aber entschlossene Umerziehung betreibt, bis sie endlich Gendern als Lieblingshobby betreiben und vor dem Einschlafen noch achtsam die Töchterhymne summen, um anschließend selig vom Binnen-I zu träumen – solange wir noch nicht so sind, wie wir nach den Vorstellungen der uns regierenden Sozialingenieure sein sollten, werden uns die politischen Eliten mit ihrer lehrerhaften Attitüde nicht in Ruhe lassen.

Leider bemerken Sie, Frau Bundesministerin, und jene politmediale Klasse, in die Sie den Großteil Ihres Lebens eingebettet sind, dabei nicht, dass der Souverän es zunehmend satt hat, sich hinsichtlich der Korrektheit seiner Lebensführung belehren zu lassen, und noch viel weniger will er sich in diesem Sinne umerziehen lassen. Am allerwenigsten will er das noch mit seinem Steuergeld finanzieren.

Gestatten Sie, Frau Bundesministerin, daher eine höfliche Bitte: Tun Sie künftig, wofür Sie von Herrn Gabalier und den anderen Steuerzahlern bezahlt werden, im von Ihnen verantworteten Schulwesen ist ja qualitätsmäßig noch etwas Luft nach oben – und sehen Sie davon ab, das Benehmen des Souveräns zu kommentieren. Das steht Ihnen und Ihresgleichen nämlich nicht zu.

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Zum Autor:

Christian Ortner ist Kolumnist und Autor in Wien. Er leitet „ortneronline. Das Zentralorgan des Neoliberalismus“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2014)