Europa könnte in bemannte Raumfahrt einsteigen

Europa könnte einer Studie zufolge schon in wenigen Jahren in die bemannte Raumfahrt einsteigen. Dafür müsste der bestehende ATV-Raumtransporter "Jules Verne" weiterentwickelt werden, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und der Konzern EADS am Dienstagabend in Bremen mitteilten.

Zunächst könnte demnach das sogenannte Automatic Transfer Vehicle (ATV) so umgebaut werden, dass es Fracht von der Raumstation ISS zur Erde transportieren könnte. In einem zweiten Schritt würden auch Astronauten befördert.

Europa habe beste Voraussetzungen, um einen eigenständigen bemannten Zugang zum Weltraum zu planen und vorzubereiten, heißt es bei der EADS-Tochter Astrium. Demnach wäre der erste Flug eines unbemannten Transportsystems innerhalb von vier bis fünf Jahren und der erste Flug des bemannten in neun Jahren möglich. Das Unternehmen verwies auf die geplante Einstellung der US-Shuttleflüge im Jahr 2010. Dann steht für den Rücktransport von Menschen und Material zur Erde nur noch die russische Sojuskapsel zur Verfügung.

Das Andocken des Transporters "Jules Verne" an die ISS Anfang April war ein Meilenstein für die europäische Raumfahrt. Mit ihm wurden Nahrungsmittel, Wasser und Kleidung zu den Astronauten auf der Raumstation gebracht. Der Chef der US-Raumfahrtbehörde NASA, Michael Griffin, sagte damals nach dem Manöver, Europa sei jetzt eine vollwertige Raumfahrtmacht.

Bisher sind die Transporter nicht wiederverwendbar und verglühen beim Eintritt in die Erdatmosphäre. Die Wissenschafter würden der Studie zufolge ein Verfahren entwickeln, mit dem das ATV sicher auf die Erde zurückkehren könnte.

(APA)