Euro 2008: Al-Qaida-Drohung nur "Fehlinterpretation"?

(c) GEPA pictures (Gepa Pictures/ Guenter Artinger)

Die Schweizer Polizei berichtet von Drohungen des Terror-Netzwerkes gegen die Fußball-Europameisterschaft. Im Wiener Innenministerium versucht man zu beschwichtigen.

Islamistische Extremisten haben im Internet zu Terroranschlägen während der Fußball- Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz aufgerufen. Das berichtet die französischsprachige Schweizer Zeitung "La Liberté". Die Appelle auf Internetforen wie "Minbar-SoS" und "As-Sahab" würden ernst genommen, schreibt das Blatt am Donnerstag unter Berufung auf schweizerische Sicherheitskreise. Laut dem österreichischen Innenministerium liegen indes keine Informationen über Anschlagsdrohungen vor.

Die EM sei ein "Ziel", das von dem Terrornetzwerk Al-Kaida anvisiert werde, sagte der Präventionsbeauftragte der Schweizer Polizei, Jürg Bühler, der Zeitung. "Wir verfolgen die Lage aus nächster Nähe." Im Internet kursierten seit Wochen Anschlagsdrohungen, wie es sie auch vor der Fußball-WM vor zwei Jahren in Deutschland gegeben habe, sagte Bühler. "Wir sind auf alles vorbereitet."

Laut dem Sprecher des Wiener Innenministeriums, Oberst Rudolf Gollia, liegen indes keine Informationen über Terrordrohungen der Al-Kaida gegen die Euro 2008 vor. Die entsprechenden Meldungen würden auf einer Fehlinterpretation der Aussagen von Schweizer Polizeisprechern beruhen, die "natürlich zu entsprechender medialer Dynamik geführt hat", meinte Gollia gegenüber der APA.

Österreich während EM "Hölle"?

Auch aus der Schweizer Bundespolizei hieß es gegenüber "La Liberté", es gebe derzeit keine Hinweise auf eine konkrete Terrorgefahr. Das Blatt wies darauf hin, dass einschlägige Internet-Foren dazu aufforderten, die "beiden sichersten Länder Europas" ähnlich wie den Irak und Afghanistan in eine "Hölle" zu verwandeln.

Es gebe "ständig Drohungen gegen die westlichen Länder", sagte der Sprecher der Europäischen Fußball-Union Uefa, William Gaillard, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Es werde jedoch "alles getan, um alle zu beschützen". Gaillard erinnerte daran, dass auch im Vorfeld der EM 2004 in Portugal Personen verhaftet worden seien, "die zu islamistischen Netzwerken gehörten". "Alle arbeiten ständig daran, um diese Art der Bedrohung zu eliminieren", betonte der Uefa-Sprecher.

(APA)