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WHO: Ebola-Epidemie außer Kontrolle

Bei den Bestattungen der Seuchen-Opfer sind höchste Sicherheitsvorkehrungen nötig
Bei den Bestattungen der Seuchen-Opfer sind höchste Sicherheitsvorkehrungen nötigAPA/EPA/AHMED JALLANZO
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Die Chefin der Weltgesundheitsorganisation warnte vor "katastrophalen Konsequenzen", sollte sich die Lage im westafrikanischen Seuchengebiet weiter verschlimmern.

Einen dramatischen Hilferuf richtete die Chefin der Weltgesundheitsorganisation WHO angesichts der in Westafrika grassierenden Ebola-Epidemie an die Welt: "Der Ausbruch schreitet schneller voran als die Bemühungen, ihn einzudämmen", sagte Margaret Chan am Freitag: "Wenn sich die Situation weiter verschlimmert, sind die Konsequenzen katastrophal". Dies betreffe sowohl den Verlust von Menschenleben als auch schwere sozioökonomische Verwerfungen.

Es sei vermutlich nötig, dass die Regierungen der betroffenen Länder weitere Restriktionen bei der Personenfreizügigkeit und bei öffentlichen Veranstalungen auferlegen. Zudem müsse wohl die Polizei eingesetzt werden, um die Sicherheit der Gesundheitsteams zu garantieren, die im Kampf gegen die Seuche im Einsatz sind. Allerdings zeige die Erfahrung, dass es möglich, sei, die Seuche einzudämmen.

"Dem Virus keine Chance geben"

Es wäre jedenfalls äußerst unklug, dem Virus die Möglichkeit zu geben, sich ungehindert auszubreiten, sagte Chan: "Ständige Mutation und Anpassung sind die Überlebensstrategien von Viren und anderen Mikroben. Wir dürfen diesem Virus nicht die Gelegenheit geben, uns noch mehr Überraschungen zu bieten."

Die WHO berief für den 6. und 7. August eine Krisensitzung ein, auf der darüber entschieden werden soll, ob der aktuelle Ausbruch von Ebola in Westafrika ein "Öffentlicher Gesundheits-Notstand von internationaler Bedeutung" sei.

Zahl der Infektionen schnellte hoch

Am Donnerstag hatte die Organisation neue Daten zur Epidemie veröffentlicht. Demnach starben seit Beginn des Ausbruchs im Dezember 2013 bis zum 27. Juli 729 Menschen. Binnen drei Tagen wurden damit 57 weitere Todesfälle registriert, 27 davon in Liberia, 20 in Guinea, neun in Sierra Leone und einer in Nigeria. Die Zahl registrierter Infektionen schnellte zwischen 24. und 27. Juli um 122 auf 1323 hoch.

Es wird befürchtet, dass sich die Infektionskrankheit nun auch in Nigeria ausbreitet: Zwei möglicherweise mit dem Ebola-Virus infizierte Menschen sind auf einer Krankenstation isoliert worden. 69 weitere seien unter Beobachtung gestellt, berichtete die nigerianische Zeitung "Punch" am Freitag. Sie sollen Kontakt zu einem Berater der liberianischen Regierung gehabt haben, der diese Woche in einem Krankenhaus in Lagos an Ebola gestorben war.

Schulen geschlossen, Beamte daheim

Liberia und Sierra Leone haben bereits Reiserestriktionen in Kraft gesetzt. In Liberia wurden zudem sämtliche Schulen vorübergehend geschlossen, alle nicht unbedingt nötigen Beamten und Staatsbediensteten nach Hause geschickt und der Freitag zum nationalen Desinfektionstag erklärt.

Das hoch ansteckende Ebola-Virus wird über Körperflüssigkeiten übertragen. Da die Krankheit mit starken inneren wie äußeren Blutungen einhergeht, ist die ansteckungsgefahr beim direkten Kontakt mit Erkrankten sehr hoch. Dies stellt besonders angesichts der Begräbnisriten in Westafrika, bei denen die Toten vielfach berührt werden, eine große Gefahr dar.

In den USA erstmals Impfstoff-Test

Wie am Freitag bekannt wurde, soll in den USA erstmals im September ein Impfstoff gegen Ebola am Menschen getestet werden. Bisherige Tests an Affen sind offenbar ermutigend verlaufen. Gegen das Ebola-Virus gibt es bisher keine Impfung, auch eine Therapie ist nicht möglich. Je nach Aggressivität des Viren-Stammes sterben bis zu 90 Prozent der Infizierten.

 

(APA/Reuters/Red.)