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Philharmonisches im „Presse“-Club

Gleich zwei philharmonische Ereignisse waren zuletzt in „Presse“-Veranstaltungen zu erleben.

Zum einen musizierte mit „The Philharmonics“ eine Gruppe junger Mitglieder der Wiener Philharmoniker in der Reihe „Klassische Verführung“ im RadioKulturhaus, eine Musikergemeinschaft, die zwischen Brahms, Johann Strauß, Chick Corea und amerikanischer Filmmusik sämtliche Spielarten im Grenzbereich zwischen „E“ und „U“ virtuos beherrscht. Atemberaubend, wie der Kontrabassist Ödön Racz den „Hummelflug“ in weltrekordverdächtigem Tempo absolviert, zündend, wie zigeunerisch Inspiriertes klingt, vom „Ritter Pazman“-Csardas über „ungarische Tänze“ bis zu Ravels „Tzigan“, die schon im Titel von ihren musikalischen Wurzeln kündet. Bemerkenswert: Philharmonics-Gründer Tibor Kovac überlässt in seinem Arrangement zunächst dem Kontrabass, dann der Klarinette (Daniel Ottensamer) den Vortritt, ehe er selbst mit überschäumendem Temperament in die Saiten greift.

Eine Generation von Orchestermusikern wächst da heran, die jene legendäre, in Oper und Konzertsaal gepflegte philharmonische Klangkultur auch zur höheren Ehre der Unterhaltungsmusik zu nutzen versteht. Wenn Shkelzen Doli, Sekundgeiger aus Albanien, die aus seinen Improvisationen über heimatliche Klänge erwachsenen „Sephardischen Weisen“ René Staars aufspielt, gibt es keine Barrieren mehr zwischen mittel- und südosteuropäischer Tradition. Wien hat seiner Schmelztiegelfunktion wieder einmal künstlerische Formen abgetrotzt. (Ö1, 17. 12., 19.30 Uhr)

Tags zuvor im Musikverein musizierte im „Presse“-Musiksalon das philharmonische Steude-Quartett mit Barbara Moser – als Vorgeschmack auf ihr ungarisches Programm vom 9. Dezember. Bratschist Elmar Landerer erhielt im Beisein von Philharmoniker-Vorstand Clemens Hellsberg aus den Händen des Vertreters der „Angelika Prokopp Privatstiftung“ eine Maggini-Viola aus der Sammlung Segelman, die in Hinkunft das beträchtliche Potenzial philharmonischer Edelinstrumente um eine wertvolle Stimme bereichern wird.


wilhelm.sinkovicz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.11.2008)