US-Notenbank wirft eine Billion Dollar in den Markt

Ben Bernanke
(c) EPA (Matthew Cavanaugh)

Die Fed will in den kommenden Monaten in großem Stil Staatsanleihen ankaufen. Bis zu 300 Milliarden Dollar sollen dafür ausgegeben werden. Zusätzlich werden faule Hypothekenkredite aufgekauft.

Er gilt als eine der schärfsten Waffen, die der US-Notenbank noch zur Verfügung stehen: Den Ankauf von langlaufenden Staatsanleihen im großen Stil. Seit Mittwoch ist fix: Fed-Chef Bernanke entscheidet sich für diese Option. Die Federal Reserve kündigte den Kauf von hypothekenbesicherten Wertpapieren und Staatsanleihen im Wert von mehr als einer Billion Dollar an, um die Bedingungen an den Kreditmärkten zu verbessern. Zugleich beließ die Zentralbank den Leitzins auf seinem historischen Tiefstand von null bis 0,25 Prozent.

Da der Leitzinssatz keinen Spielraum mehr für weitere Senkungen lässt, muss die Notenbank zu anderen geldpolitischen Maßnahmen greifen, um der Konjunktur- und Finanzkrise gegenzusteuern. "Die Federal Reserve wird unter den gegebenen Umständen alle verfügbaren Mittel einsetzen, um die wirtschaftliche Erholung voranzutreiben und Preisstabilität zu gewährleisten", hieß es in einer Mitteilung der Fed nach der Sitzung des Offenmarktausschusses.

Weitere 750 Milliarden für faule Kredite

Die Fed erklärte sich bereit, den Ankauf fauler Hypothekenkredite auf dem US-Finanzmarkt noch auszuweiten. Dafür sollten weitere 750 Milliarden Dollar bereitgestellt werden; damit wird die Fed inklusive früherer Käufe insgesamt etwa 1,25 Billionen Dollar für den Erwerb verbriefter Immobilienkredite aufbringen. Zudem will sie bis zu 300 Milliarden Dollar an langfristigen Staatsanleihen erwerben. Die Preise der Staatsanleihen reagierten auf die Fed-Aussagen mit einem kräftigen Sprung nach oben. Zu Handelsstart hatten sie sich kaum verändert gezeigt.

Fed-Chef Ben Bernanke erklärte im Begleitkommentar zu dem von einigen Analysten als "dramatisch" bezeichneten Beschluss, die wirtschaftliche Lage habe sich seit dem letzten Treffen der Notenbanker im Jänner weiter verschlechtert. Die Fed werde in dieser Lage alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um Schlimmeres zu verhindern.

Kurzfristiger Konjunkturausblick: "Schwach"

Die Diagnose der Fed zum Zustand der US-Konjunktur fiel skeptisch aus. Seit der letzten Sitzung im Jänner habe sich die Wirtschaftsentwicklung "weiter abgeschwächt", hieß es in der Erklärung. Der kurzfristige Konjunkturausblick sei weiterhin "schwach"; allerdings werde die Wirtschaft zu einer "schrittweisen Wiederaufnahme eines nachhaltigen Wachstums" kommen, sobald die politischen Maßnahmen zur Stabilisierung der Finanzmärkte und zur Unterstützung der Konjunktur griffen.

Dow Jones dreht ins Plus

Der US-Leitindex Dow Jones Industrial Average drehte im Anschluss an die Entscheidung ins Plus. Zuletzt stieg der DJIA um 1,48 Prozent auf 7505,45 Punkte. Die NASDAQ-Indizes, die bereits im Plus tendierten, bauten ihre Gewinne weiter aus und zeigten sich zuletzt sehr fest. Am Anleihenmarkt sorgte die Ankündigung der Notenbank für massive Kursgewinne, der Dollar fiel dagegen zum Euro zurück.

"Entscheidend ist, dass die Fed in den nächsten sechs Monaten für 300 Milliarden Dollar Treasuries kauft", begründete ein Händler das Plus. Auch ein weiterer Händler verwies in erster Linie auf den Rückkauf von Staatsanleihen und den stärkeren Erwerb von Mortage Backed Securities (MBS), also hypothekenbesicherter Wertpapiere, durch die Notenbank.

Bernanke hatte bereits im Dezember die Möglichkeit angedeutet, dass die Fed Staatsanleihen kaufen könnte. Er verfolgt damit das Ziel, den Banken, aber auch dem Staat neue Milliarden zur Verfügung zu stellen. Die Fed ist bereits seit Monaten dabei Liquidität in die verstaatlichten Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddy Mac zu schießen. Seit Dienstag läuft auch ein Programm mit dem die Fed direkt die Kreditbedingungen für kleine und mittlere Firmen, Studenten und Autofahrer verbessern will.

Analysten wenig überrascht

Analysten zeigten sich wenig überrascht von den neuen Schritten der Notenbank. Es sei weitgehend gesetzt gewesen, dass die Fed auch Staatsanleihen kaufen und die Notenpresse richtig anwerfen werde, sagte Dan Fuss von der Finanzberatung Loomis Sayles in Boston. "Sie haben seit einiger Zeit klar gemacht, dass sie Staatspapiere kaufen werden. Und sie haben immer angedeutet, dass sie das machen werden, wenn die Renditen hochgehen. Das war jetzt der Fall."

Vor der Fed hatte bereits die britische Notenbank mit dem Ankauf von Staatstiteln begonnen, um die heimische Wirtschaft mit Geld zu fluten. Die Bank von Japan kündigte am Mittwoch die Ausweitung ihres laufenden Ankaufprogramms für Bonds auf umgerechnet knapp 220 Milliarden Euro an. Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) wird mittlerweile über den Kauf von Commercial Papers diskutiert. Im Gegensatz zu den anderen Notenbanken hat die EZB aber noch Spielraum beim Leitzins. Dieser steht seit Anfang März bei 1,5 Prozent.

(APA/Red.)