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„Ich mag noch nicht“: Premiere von Schlingensiefs „Mea Culpa“

(c) EPA (Hans Klaus Techt)
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Die Readymade-Oper „Mea Culpa“ ist zeitgenössisches Volkstheater, berührend, skurril, komisch, skeptisch, unschlüssig.

Auf der Bühne steht geschrieben: „Glaube Liebe Mistel“ – hier zeigt ein von Krankheit selbst Betroffener bewundernswert ironisch, wie eine Suche nach Heilung aussehen kann, in einer orientierungslosen Gesellschaft, in der alles angeboten wird, Ideologien, Religionen, Lebensweisen. Ein buntes Spektakel zwischen Europa und Afrika, in deren Verschmelzung für Schlingensief die Rettung liegt.

Jedenfalls scheint es so am Ende des ersten von drei Akten, Freitagabend im Burgtheater, wo eine Drehbühne, voll mit einer Kulissenstadt, den Zuschauer von einer biografisch inspirierten Station zur nächsten bringt, vom Ayurvedahotel zum erträumten Opernhaus in Afrika, ins Krankenzimmer, in eine Parsifal-Szene.

Alle seine im Lauf der letzten Jahre eingesammelten Mythen – Parsifal, Beuys, Mozart – mischt er hier erst zu einer dichten Art Revue, die sich auch klassischer Dramaturgien der Komödie bedient, etwa des Durchbrechens der Illusion, indem das Künstler-Alter-Ego (Joachim Meyerhoff) plötzlich wirklich zum Regisseur wird: „Stopp! Noch einmal!“ Um im zweiten und dritten Akt dann doch ernster zu werden, poetischer, melodramatisch zum Teil.

Die Readymade-Oper „Mea Culpa“ ist zeitgenössisches Volkstheater, berührend, skurril, komisch, skeptisch, unschlüssig. Wie ein reiner Thor, der nur Gutes will, wandert Meyerhoff durch Szenen von Schlingensiefs Leben, wenn nicht der Künstler selbst seine Rolle übernimmt, umgeben von seiner treuen Truppe, Irm Hermann, Karin Witt etc. Kunst und Leben, hier wird es unpathetisch durchlässig wie selten. Bis zu Isoldes Liebestod. Aber nein. „Ich mag noch nicht“, sagt er. Und „Tschüss“s ein anderer.

Weitere Aufführungen: 21.–25. 3.

Ausführliche Kritik folgt in der „Presse am Sonntag“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2009)