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Fokus auf Charlie Hebdo

Niger: Tote bei Protesten gegen Mohammed-Karikaturen

Mindestens sieben Kirchen wurden angezündet. Die französische Botschaft riet Franzosen davon ab, das Haus zu verlassen.

Bei gewaltsamen Protesten gegen die neuen Mohammed-Karikatur der französischen Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" sind im westafrikanischen Niger seit Freitag mindestens zehn Menschen getötet worden. In der Hauptstadt Niamey starben am Samstag fünf Zivilisten, wie der nigrische Präsident Mahamadou Issoufou in einer im Fernsehen übertragenen Erklärung sagte.

Demnach wurden vier von ihnen in niedergebrannten Kirchen oder Bars getötet. Mindestens sieben Kirchen, darunter das größte protestantische Gotteshaus, waren laut Polizei angezündet worden. "Alles, was Frankreich versinnbildlicht, wird im Niger verschwinden, ehe wir aufhören", soll ein Angreifer in Niamey gerufen haben.

Bereits am Vortag seien in Zinder, der zweitgrößten Stadt des westafrikanischen Landes, fünf Menschen getötet worden, fügte Issoufou hinzu. Zunächst war von vier Todesopfern und 45 Verletzten in Zinder die Rede gewesen. Am Samstag in der Früh sei aber in einer Kirche eine weitere verkohlte Leiche entdeckt worden, sagte der Staatschef.

In Niamey kehrte am Samstagabend Augenzeugen zufolge wieder Ruhe ein. Hier waren am Tag neben mehreren Kirchen auch zahlreiche von Christen betriebene Geschäfte und Lokale zerstört worden.

In Zinder standen am Samstag rund 300 Christen unter dem Schutz von Polizei und Armee. 225 von ihnen hielten sich in einer Kaserne auf, wie aus westlichen Sicherheitskreisen verlautete. Etwa 70 Christen seien in einer Kirche und würden dort von Sicherheitskräften beschützt, wie zwei der Betroffenen der Nachrichtenagentur AFP sagten.

Rechtsgelehrte rufen zu Ruhe auf

Am Samstagabend riefen etwa 20 muslimische Rechtsgelehrte zur Ruhe auf. "Vergesst nicht, dass der Islam gegen Gewalt ist", sagten sie vor Fernsehkameras. Ähnlich äußerte sich Staatschef Issoufou in seiner Rede: "Die, die Gotteshäuser plündern, die sie entweihen, die ihre christlichen Landsleute oder Ausländer, die in unserem Land leben, verfolgen und töten, haben nichts vom Islam verstanden."

Auch die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) hat die Muslime weltweit zur Zurückhaltung aufgerufen. Der Menschenrechtsausschuss der Organisation, der 57 muslimische Staaten angehören, beschuldigte "Charlie Hebdo" am Sonntag zugleich, mit der Veröffentlichung nach dem Anschlag auf die Redaktion in Paris die "am meisten verehrte Persönlichkeit" des Islam lächerlich gemacht und "Hass" geschürt zu haben.

Die französische Botschaft hatte die Franzosen zu äußerster Vorsicht aufgerufen und davon abgeraten, das Haus zu verlassen. Der französische Außenminister Laurent Fabius erklärte, sein Land "verurteilt Gewaltanwendung". Zugleich sprach er den nigrischen Behörden seine "Solidarität" aus. Frankreichs Staatschef Francois Hollande hatte zuvor gesagt, die Meinungsfreiheit gehöre zu den wichtigsten Werten seines Landes.

Auch in anderen früheren französischen Kolonien wie Mali, dem Senegal und Mauretanien hatte es am Freitag Proteste gegeben, die aber friedlich verliefen. Ausschreitungen gab es dagegen in Algerien und auch in Pakistan. Kritik an den neuen Mohammed-Karikaturen kam auch aus Afghanistan und der russischen Kaukasus-Republik Inguschetien.

Am Mittwoch war die erste Ausgabe des Satireblatts "Charlie Hebdo" seit den tödlichen Anschlägen zweier französischer Islamisten auf die Pariser Redaktion erschienen. Auf der neuen Ausgabe ist eine Darstellung Mohammeds zu sehen, der ein Schild mit dem weitverbreiteten Solidaritätsaufruf "Je suis Charlie" (Ich bin Charlie) hält. Über dem Mohammed-Bild steht: "Tout est pardonne" ("Alles ist vergeben").

(APA/AFP/Reuters/dpa)

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