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#BlackLivesMatter: Hashtag in den USA Wort des Jahres

Man holds a sign reading ´Black Lives Matter´ in front of the State House in Boston
Ein Demonstrant in Boston hält ein Schild mit der Losung "Black Lives Matter" hoch.(c) REUTERS (BRIAN SNYDER)
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Die American Dialect Society hat #BlackLivesMatter zum Wort des Jahres 2014 gekürt. Die Sprachgesellschaft wirft damit die Frage auf: Was ist ein Wort?

Seit dem blutigen Anschlag auf das Pariser Satiremagazin "Charlie Hebdo" verbreitet sich die Losung #JeSuisCharlie wie ein Lauffeuer im Netz. Doch auch sonst ist die Raute im Alltag angekommen. Das zeigt die American Dialect Society (ADS) eindrucksvoll mit ihrer diesjährigen Wahl des Wortes 2014. Nachdem die in Portland (US-Bundesstaat Oregon) angesiedelte Gesellschaft 2012 mit dem Wort „Hashtag“ den Ursprung der sprachlichen Entwicklung zum Sieger erkor, geht sie jetzt noch einen Schritt weiter. Die Jury entscheidet sich mit überwältigender Mehrheit von 196 der mehr als 200 Stimmen für die Rauten-Wort-Kombination #BlackLivesMatter, was übersetzt so viel bedeutet wie „Schwarze Leben bedeuten etwas“. Sie sollte an die schwarzen Opfer der Polizeigewalt Michael Brown und Eric Garner erinnern und wurde vergangenes Jahr zum geschriebenen Schlachtruf der amerikanischen Protestbewegung.

Die Autorität der American Dialect Society ist nicht zu unterschätzen. Seit 125 Jahren beobachtet und bewertet sie linguistische Revolutionen. Zu ihren Mitgliedern zählen Sprachwissenschaftler, Historiker, Schriftsteller, Herausgeber, aber auch Studenten. Die Gesellschaft sieht ihre Arbeit nicht darin, neue Wörter offiziell in die englische Sprache einzuführen, sondern den ständigen Wandel der Sprache über die Jahrzehnte hinweg zu unterstreichen. Dem zollte sie auch kürzlich mit der Einführung einer neuen Kategorie Tribut: „Most notable Hashtag“ (übersetzt: „Bemerkenswertestes Hashtag“).

Macht des Hashtags

Ben Zimmer, Vorstand des Neue-Wörter-Kommitees in der ADS, sagte in der offiziellen Stellungnahme der Sprachgesellschaft: „Auch wenn #BlackLivesMatter nicht einer traditionellen Wortdefinition entspricht, demonstriert es, wie machtvoll ein Hashtag eine präzise soziale Botschaft vermitteln kann.“ Der American Dialect Society gehe es bei ihrer Wahl nicht um Worte im strikten Sinn. Wort des Jahres könne auch eine Redewendung sein. Einzige Qualifikation, die der Gewinner mitbringen müsse, sei ihre herausragende Verwendung und Bedeutung in den letzten zwölf Monaten.

Das von der American Dialect Society gekürte #BlackLivesMatter ist kein Wort im herkömmlichen Sinn, sondern ein Twitter-Hashtag. Dabei spricht aus sprachwissenschaftlicher Sicht nicht viel gegen die Wahl. Die orthographischen Vorgaben sind erfüllt. Man kann das Hashtag durch Leerstellen im Schriftbild abgrenzen. In syntaktischer Hinsicht erfüllt es ebenfalls die Voraussetzungen. Es ist als „kleinstes verschiebbares und ersetzbares Element eines Satzes“, wie im Nachschlagewerk Brockhaus verlangt, einsetzbar. Semantisch gesehen kann es auch als „kleinster, relativ selbständiger Bedeutungsträger“ fungieren. Und hypothetisch könnte es auch in Wörterbücher aufgenommen werden.

Ann Curzan, Mitglied der ADS und Englischprofessorin an der University of Michigan, sagte im Interview mit einem amerikanischen Radiosender, #BlackLivesMatter sei mehr als die Summe seiner einzelnen Wörter. Es gehe hier um die Zugkraft des Schlagworts in der amerikanischen Protestbewegung und der wollte man mit der diesjährigen Wahl Beistand ausdrücken. Ferguson - der Ort, an dem Michael Brown starb - wurde von der American Name Society zeitgleich in einem separaten Voting zum Namen des Jahres 2014 gewählt.

Hashtag

Längst ist das Hashtag über seine ursprüngliche Bestimmung hinausgewachsen, als Verschlagwortung auf dem Social-Media-Kanal Twitter zu fungieren. Dort kann ein Beitrag um eine bestimmte Zeichenkette mit dem vorangestellten Doppelkreuz ergänzt werden. Stößt die Neuschöpfung auf Beifall in der Online-Community, kommt es zu einem Schneeballeffekt. Je mehr andere in einer Diskussion mit demselben Kürzel antworten, desto schneller kann sich das Rauten-Schlagwort als Markenzeichen einer ganzen Bewegung oder Demonstration etablieren. So geschehen in Deutschland, wo 2013 eine landesweite Sexismus-Debatte unter dem Hashtag Aufschrei geführt wurde.

>> Zur Website der "American Dialect Society"