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Jihadismus: Gesuchte steirische Familie war „unauffällig“

Enes S. und seine Frau auf Interpol-Fahndungsbildern
Enes S. und seine Frau auf Interpol-FahndungsbildernInterpol
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Die siebenköpfige Familie lebte zumindest bis Weihnachten 2014 in der Steiermark. Laut dem Bürgermeister der Gemeinde habe nichts auf eine Abreise hingedeutet.

Wien. Jene Familie aus der Steiermark, die von der internationalen Polizeibehörde Interpol zur weltweiten Fahndung ausgeschrieben wurde, lebte bis Weihnachten 2014 in der Steiermark. Das sagte am Mittwoch der Bürgermeister von Wettmannstätten (Bezirk Deutschlandsberg), wo die sieben Personen gewohnt haben. Mittlerweile sollen sie sich in Syrien befinden. Laut orf.at ermitteln sowohl das Bundeskriminalamt als auch der Verfassungsschutz.

Die Familie mit den fünf Kindern – drei Mädchen und zwei Buben – im Alter von zwei bis 13 Jahren wohnte laut Bürgermeister Helmut Kriegl zumindest bis zum Beginn der Weihnachtsferien im Dezember 2014 noch in ihrem Haus in Wettmannstätten. Sie seien „sehr unauffällig“ gewesen, es habe auch nichts darauf hingedeutet, dass sie nicht länger bleiben wollten. Er habe vor einiger Zeit mit dem bosnischstämmigen Mann (35), der in Bregenz geboren wurde, über einen Kanalanschluss für das Haus gesprochen. Die Familie lebte seit Juli 2013 in der Weststeiermark. Die Schwester der österreichischen Mutter (36), die für ihren Mann zum Islam konvertierte, erstattete am 19.Dezember Vermisstenanzeige. Laut „Kurier“ soll die Abreise der Familie geplant gewesen sein, denn bereits im Herbst hätten sie ihr Haus zum Verkauf angeboten.

Erst vor Kurzem habe zudem die neunjährige Tochter ins Stammbuch einer Mitschülerin den Satz „Ich will nach Mekka und endlich das Kopftuch tragen“ geschrieben. Der Vater, der als Unternehmer tätig war – allerdings sind seine beiden Zimmereibetriebe seit Längerem ruhend gestellt –, soll auch dem Verfassungsschutz bekannt sein. Er soll zum Kreis um den mutmaßlichen Jihadisten Mirsad O. alias Ebu Tejma gehören, der derzeit in Untersuchungshaft sitzt.

Das Innenministerium wollte am Mittwoch keine Details zu dem Fall preisgeben. „Zu einzelnen Ermittlungen gibt es keine offiziellen Stellungnahmen“, sagte der Sprecher des Ministeriums, Karl-Heinz Grundböck, auf „Presse“-Anfrage.

 

Ebu Tejma als Hauptideologe

Mirsad O., der als Imam unter seinem Predigernamen Ebu Tejma in der islamistisch ausgerichteten Altun-Alem-Moschee in Wien-Leopoldstadt tätig war, gilt für die Justiz als „Hauptideologe für den globalen jihadistischen Islamismus“. Das ist dem Beschluss des Grazer Landesgerichts zu entnehmen, mit dem am 30. November 2014 über den 33-Jährigen die U-Haft verhängt wurde.

Auf Betreiben des Predigers sollen seit September 2012 regelmäßig Besucher der Wiener Moschee, die als Salafisten-Zentrum gilt, nach Syrien gereist sein, „um am Jihad gegen das Assad-Regime aufseiten der al-Qaida-Gruppierung al-Nusra (heute ein Teil der Terrorgruppe IS) zu kämpfen“, wie es in dem Beschluss heißt. Bis April 2014 sollen konkret 64 Personen Österreich verlassen und sich dem IS angeschlossen haben. Einige von ihnen seien mittlerweile auch wieder zurückgekehrt.

Die Justizbehörden gehen davon aus, dass Ebu Tejma fast alle dieser Islamisten radikalisiert und indoktriniert und damit zur Ausreise bewogen hat. (red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.02.2015)