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Baugeschichte: „Wollten keine toskanische Villa“

Familie Helm fand in Tribuswinkel ein dreieckiges Grundstück mit einem abbruchreifen Haus. Trotz knappen Budgets entschied sie sich für ein individuell geplantes Haus.

Besonders begeistert war der kleine Sohn Isidor, als die Bagger anrollten: Seine kühnsten Bob-der-Baumeister-Träume wurden Realität. Gut, dass seine Eltern beschlossen hatten, das alte Haus abzureißen und neu zu bauen. „Wir haben lang nach einem Haus oder einem Grund gesucht. Jetzt sind wir in Tribuswinkel fündig geworden“, erzählt Bauherrin Katharina Helm. Neben finanziellen Einschränkungen gab es vor allem Anforderungen an die Lage des neuen Familienwohnsitzes. „Wir wollten auf keinen Fall zu sehr in die brettelebene Peripherie Badens. Es sollte ein Ort nahe der Weinberge sein, mit radläufiger Anbindung an die Südbahn und Einkaufsmöglichkeiten“, so Helm.

Fertigteilhaus vs. selbst bauen

In Tribuswinkel schätzt sie den Radweg entlang des Wiener Neustädter Kanals, die Schwechater Au und die Nähe zu Baden, zum Wienerwald und den Weinbergen. Der dreieckige Grundriss des Grundstückes machte es etwas billiger.
Die nächste wichtige Entscheidung war: Fertigteilhaus oder Architektenhaus? „Wir haben uns beides angesehen. Zwei unterschiedliche Fertigteilhäuser hätten uns gefallen, doch dann zeichnete uns ein befreundeter Baumeister, Klaus Beron, einen Plan, der uns sofort überzeugt hat. Preislich waren alle Varianten gleichwertig.“ Ästhetisch war klar, dass es „keine toskanische Villa mit Säulchen und Türmchen“ werden sollte. Das funktionale Design mit klaren Linien und viel Fensterflächen sagte Franz und Katharina Helm zu. „Ich finde es auch gut, dass es keine klassische Box ist. Das Dach – eine Mischung aus Sattel- und Flachdach – macht es nicht ganz so eckig“, so die Bauherrin.
Verabschieden musste sich die Familie Helm von der Vorstellung, komplett ökologisch und nur mit Holz zu bauen. „Das wäre einfach zu teuer gewesen. Lässt man das Holz innen auf Sicht, wirken die Räume irgendwie kleiner.“ Geblieben ist die Forderung, dass kein Styropor zur Wärmedämmung zum Einsatz kommt. Das Erdgeschoß wird nun ein Ziegelbau, das Obergeschoß ein Holzriegelbau.

Privatsphäre für die Eltern

Bei der Grundrissfindung – einer der zentralen Herausforderungen – waren mehrere Aspekte zu berücksichtigen. Einerseits die Vorgaben durch die Bauklasse 1 sowie die Bebauungsvorschriften der Gemeinde: So benötigt das Haus eine eigene Feuermauer zum Nachbarn und es sind zwingend zwei Carport-Plätze zu errichten. „Obwohl wir nur ein Auto haben – und dieses wird wohl meist auf der Straße parken“, seufzt Helm.
Andererseits gab es die Vorgaben der Bauherren: zwei Kinderzimmer, die ungefähr gleich groß sein sollten, ein eigenes Kinderbad, Privatsphäre für die Eltern (Schlafzimmer, Bad, Schrankraum), ein offenes Wohn- und Esszimmer mit Küche, das mindestens 45 Quadratmeter haben sollte, ein Arbeitszimmer und ein ebenerdiger Ausgang in den Garten. Weil ein Keller wegen des hohen Grundwassers in der Gegend zu teuer gekommen wäre, musste auch ein Technikraum her, der zugleich als Stauraum genützt wird.
Intensiv setzten sich die Helms mit dem Thema Wohnraumlüftung auseinander. „Als Hausstauballergikerin hatte ich zunächst meine Bedenken. Man weiß ja nicht, was sich in zehn Jahren in diesen Röhren so absetzt. Man hört auch immer wieder von Geräuschentwicklungen durch eine solche Lüftung. Letztlich haben wir uns aber dafür entschieden.“

Weihnachten im neuen Haus

Nun ist die Familie kurz vor der Ausschreibungsphase. Jetzt geht es um das Baumanagement und um die Frage: Sollen alle Gewerke an einen Generalunternehmer vergeben werden, der von der Bodenplatte bis zum Innenausbau alles übernimmt? Oder sollen es verschiedene Unternehmer sein, mit einem unabhängigen Baumeister als Bauaufsicht? Und wie findet man jemanden, dem man vertraut? Die Zeit drängt: Anfang April soll mit dem Bau begonnen werden, Weihnachten wollen die Helms schon im neuen Haus feiern. „Der größte Wunsch meines Mannes ist, dass es so günstig wie möglich wird, mein größter Wunsch ist, dass alles glatt läuft und dass wir nicht in der ATV-Doku ,Pfusch am Bau‘ landen“, schmunzelt Katharina Helm.

Planungsphase

Entwurf: Hier geht es darum, mit dem Architekten/Baumeister den Raumbedarf zeichnerisch festzuhalten.
Einreichplan: Der Einreichplan muss von einem Architekten, Ziviltechniker, Baumeister oder Bauunternehmen verfasst werden. Hier wird der Planungsinhalt behördengerecht aufgearbeitet (Bauansuchen, Baubeschreibung, Einreichplan, Energieausweis und allfällige andere Unterlagen). Anhand der Planunterlagen entscheidet dann die Behörde (etwa die Gemeinde).