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Tausende Menschen erweisen Nemzow die letzte Ehre

Zhanna, daughter of Russian leading opposition figure Boris Nemtsov, reacts during his funeral in Moscow
Tochter von Nemzow(c) REUTERS (TATYANA MAKEYEVA)
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Viele Teilnehmer bei Trauerfeier für den Oppositionellen. Moskau verwehrt zwei europäischen Politikern Einreise.

Moskau. Bereits in der Früh bildeten sich vor dem Andrej-Sacharow-Zentrum für Menschenrechte in Moskau lange Schlangen: Tausende Menschen, viele in Tränen aufgelöst, waren gekommen, um dem ermordeten russischen Oppositionspolitiker Boris Nemzow die letzte Ehre zu erweisen. Nacheinander knieten die Trauernden vor dem offenen Sarg, legten Rosen und Nelken nieder. „Er war unsere Hoffnung“, sagte eine Pensionistin, „ich fühle mich, als hätte Putin mich erschossen“. Der Menschenrechtler Lew Ponomarjow warf staatlichen Medien vor, Gegner des Kreml als Verräter zu stigmatisieren und somit ein Klima des Hasses zu schüren.

EU-Abgeordnete auf Flughafen gestoppt

Unter den Trauernden waren der zur Opposition übergelaufene frühere Premier Michail Kasjanow, Großbritanniens Ex-Premierminister John Major sowie US-Botschafter John Teft. Präsident Wladimir Putin blieb den Trauerfeierlichkeiten ebenso fern wie Ministerpräsident Dmitrij Medwedew. Medwedew schickte die Vizepremiers Arkadi Dworkowitsch und Sergej Prichodko. Einige europäische Politiker wurden allerdings vom Kreml daran gehindert, an der Trauerfeier teilzunehmen: Der lettischen EU-Abgeordneten und ehemaligen EU-Kommissarin Sandra Kalniete etwa wurde bei der Ankunft auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo der Diplomatenpass abgenommen und die Einreise nach Russland verweigert. Das sei ein „klarer Bruch grundlegender Prinzipien“, protestierte Maja Kocijancic, Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini. Auch der polnische Senatspräsident, Bogdan Borusewicz, durfte nicht nach Russland einreisen. Das polnische Außenministerium kritisierte das scharf.

Sechs Patronenhülsen sichergestellt

Nemzow war Freitagabend in der Nähe des Kreml auf offener Straße erschossen worden. Die Täter entkamen unerkannt. Berater von Präsident Putin beteuerten, die Regierung habe nichts mit dem Attentat zu tun: Man habe einen „Sonderermittler“ eingesetzt, um die Tat aufzuklären. Die Hintergründe liegen aber weiter im Dunkeln, auch wenn die Ermittler anhand von Patronenhülsen die Mordwaffe identifizierten. Die Aufnahmen von Überwachungskameras am Tatort in Sichtweite des Kreml würden ausgewertet. Es seien sechs Patronenhülsen sichergestellt worden, die aus einer Makarow-Pistole abgefeuert worden seien. Nemzow wurde viermal in den Rücken geschossen. Am Nachmittag wurde Nemzow auf dem Moskauer Prominentenfriedhof Trojekurowo beigesetzt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.03.2015)