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Wie man mit viel Geld unglaublich wenig bewirkt

Ohne Strukturreformen wird die EZB-Geldflut ihr Ziel klar verfehlen.

Seit einer Woche pumpt die Europäische Zentralbank (EZB) via Anleihekäufe mit Hochdruck Geld in die Finanzmärkte. Für eine endgültige Evaluierung dieser Maßnahme ist es also wohl noch ein bisschen zu früh. Allerdings ist die EZB ja nicht die erste Notenbank, die Quantitative Easing betreibt. Es gibt also schon ausreichend Erfahrungen.

Die wird Deutschlands Finanzminister, Wolfgang Schäuble, wohl im Sinn gehabt haben, als er Donnerstagabend in Wien sagte, dass man mit Geld allein keine Konjunktur retten könne: Die bisherigen Ergebnisse seien bescheiden, wenn man sich mehr Inflation durch mehr Geld im System erhoffe.

Ganz recht hat Schäuble natürlich nicht: Das EZB-Anleihenankaufsprogramm hat schon im Vorfeld gewaltige Inflation ausgelöst. Allerdings nur auf dem Anleihen- und Aktienmarkt. Man muss sich nur die schwindelerregenden Kursanstiege der europäischen Börsen anschauen. Mit fundamentalen Daten ist eine 40-prozentige Steigerung des deutschen Leitindex DAX seit vergangenem Oktober jedenfalls nicht zu erklären.

Das sieht jetzt schon sehr besorgniserregend aus, regt aber niemanden auf. Die Bond-Blase ermöglicht es den Euroländern ja, ihre Staatsschulden mehr oder weniger zum Nulltarif zu refinanzieren. Und dass Aktienkurse überproportional steigen, reißt Aktienbesitzer klarerweise auch nicht zu Proteststürmen hin.

Blöd nur, dass künstlich aufgepumpte Blasen irgendwann platzen. Je größer, desto lauter. Und das reißt dann natürlich auch die Realwirtschaft mit, bevor sie noch so richtig aufblühen kann.

Es wäre also langsam an der Zeit, die Märkte nicht nur mit Geld zu fluten, sondern dafür zu sorgen, dass dieses Geld auch dort ankommt, wo es benötigt wird. Nämlich bei investierenden Unternehmen.

Dazu müssen diese Unternehmen aber Perspektiven haben. In den reformfaulen westeuropäischen Ländern sehen sie die zurzeit ganz offensichtlich nicht. So lang hier nicht Einschneidendes passiert, hat die Geldflut keine oder schlimmer: die falsche Wirkung. Und wir steuern direkt auf das gefürchtete Japan-Szenario zu.

Email an: josef.urschitz@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2015)