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Warum ist die Geburt beim Menschen oft so schwierig?

Schuld sind der aufrechte Gang und der große Kopf.

Kaum ein Primat plagt sich so bei der Geburt wie der Mensch. Bis heute sterben Frauen dabei. Wie hat sich das menschliche Becken in der Evolution verändert? Und: Wie hat sich der Körper angepasst, um die Geburt zu erleichtern?

Als der Mensch begann, aufrecht zu gehen, war sein Kopf zunächst noch kleiner. Doch dann wuchs das Gehirn. Der Vorteil: Der Mensch wurde intelligenter. Der Nachteil: Geburten wurden für Frauen immer schwieriger. „Durch den aufrechten Gang müssen Menschen durch ein sehr enges Becken geboren werden“, sagt Evolutionsbiologin Barbara Fischer von der Uni Wien.

Sind bestimmte Eigenschaften vorteilhafter als andere, passieren meist evolutionäre Veränderungen. Nicht so in diesem Fall: „Der Geburtskanal blieb schmal, schwierige Geburten verschwanden nicht, obwohl der moderne Mensch seine Morphologie seit 150.000 Jahren besitzt.“ Um zu klären warum, verglich Fischer gemeinsam mit dem Anthropologen Philipp Mitteröcker dreidimensionale Daten von 99 menschlichen Skeletten. Dabei zeigten sich komplexe Zusammenhänge zwischen Kopf, Körpergröße und der Gestalt des Beckens.

„Frauen mit großen Köpfen bringen tendenziell Neugeborene mit großen Köpfen zur Welt“, sagt Fischer. Das liegt daran, dass die Größe des menschlichen Kopfs zu einem Großteil genetisch bestimmt ist. Die Forscher fanden heraus, dass diese Frauen einen Geburtskanal haben, den Babys leichter passieren können: Das Kreuzbein ist kürzer und weniger gekrümmt. Bei kleinen Frauen soll wiederum der deutlich runder geformte Geburtskanal einen Vorteil bringen.

Die Evolution hat also ein Stück weit eine Anpassung erreicht. Der Körperbau ist aber nicht allein für eine schwere Geburt verantwortlich. Auch Umweltfaktoren spielen eine entscheidende Rolle, betonen die Forscher, die die Ergebnisse ihrer Arbeit eben im Fachjournal Pnas veröffentlicht haben.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2015)