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Pop

AC/DC: Ein bisschen Gigantomanie im Rock'n'Roll

AC/DC-Gitarrist Angus Young
AC/DC-Gitarrist Angus YoungAPA/ERWIN SCHERIAU
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Die australischen Rocker spielten in Spielberg vor mehr als 100.000 Zusehern - das größte Konzert, das je in Österreich stattgefunden hat.

Es war das größte Konzert, das je in Österreich stattgefunden hat. 115.000 Menschen waren nach Angaben der Veranstalter am Donnerstag beim AC/DC-Konzert in Spielberg. Intime Clubatmosphäre konnte man da natürlich nicht erwarten – das hätte zur Band aber ohnehin nicht so richtig gepasst. Längst ist die australische Band in der Liga der großen Alten à la Rolling Stones, die auf ihren Tourneen alle paar Jahre den einen oder anderen Rekord brechen. Ein kleines Rechenbeispiel, um die Dimension der Veranstaltung zu erahnen – bei einem Preis von ca. 100 Euro pro Karte hat man allein mit dem Ticketverkauf mehr als 10 Millionen Euro eingenommen.

Ein bisschen Gigantomanie musste es dann auch am Anfang sein, als auf den Videoscreens die Animation eines Kometen gezeigt wurde, der auf die Erde zurast – und alles in Flammen aufgeht. Mit „Rock Or Bust“ startete schließlich die Band in den Abend. Getragen natürlich vor allem von den beiden Frontfiguren – Gitarrist Angus Young in Schuluniform, der wie gewohnt im Duckwalk über die Bühne tobte. Und Sänger Brian Johnson, der auch mit 68 Jahren noch kreischt wie in jungen Jahren. Dahinter sorgte die für AC/DC so wichtige solide Rhythmusabteilung für den durchgehenden Groove. Der ruhige Bassist Cliff Williams – und die in die erste Reihe gerückten Herren von der Ersatzbank. Stevie Young gab anstelle des Bandgründers (und seines Onkels) Malcolm Young, der wegen einer Demenzerkrankung nicht mehr spielen kann, den straighten Rhythmusgitarristen. Und Chris Slade, der schon in den 90ern ein Gastspiel in der Band gegeben hatte, sprang für Phil Rudd ein – der in Neuseeland mit einem Prozess rund um Morddrohungen und Drogenbesitz gerade ganz andere Probleme hat.

Eine Show wie aus dem Wurlitzer

„Shoot To Thrill“, „Hell Ain’t A Bad Place to Be“, „Back in Black“ – es war ein Greatest-Hits-Programm, aufgelockert durch die eine oder andere aktuellere Nummer. Und das Publikum, zum Großteil jene Semester, die zu AC/DC schon in den 70er und 80er Jahren die damals noch volle Matte beutelten, stampfte brav mit dem Fuß im Takt mit. Zum Headbangen ist man dann vielleicht doch schon ein bisschen zu alt – und das Kreuz schmerzt ja auch schon ein bisschen. Von Altersmilde auf der Bühne war dagegen nicht viel zu bemerken. Eher von einer großen Routine, von der Erfahrung aus mehr als 40 Jahren Rock n‘ Roll. Da nahm man auch zur Kenntnis, dass die Interaktion mit dem Publikum sich auf ein Minimum beschränkte. Lied aus, Licht aus, kurze Pause, Licht wieder an, nächstes Lied – wie ein Wurlitzer lief das Programm ab. Einen kurzen Ausbruch lieferte lediglich Angus Young mit einem großen Solo am Ende von „Let There Be Rock“.

Vielleicht war es dem Durchschnittsalter der Gäste geschuldet, vielleicht auch der schieren Größe des Events – so wirklich mächtig wirkte das Publikum nicht. AC/DC-Chöre, Schreie nach Zugaben oder auch Applaus, die Geräuschkulisse eben, die das Liveerlebnis erst so richtig spürbar macht, versandeten in der näheren Umgebung. Der große Hall, das Gefühl der 100.000 Fans, die einen grölenden Gegenpol zur Band auf der Bühne bilden, das stellte sich nicht so richtig ein. Doch unbefriedigt musste man trotz allem nicht wieder den mühsamen Fußmarsch zum doch recht weit entfernten Parkplatz antreten. Der traditionelle Abschluss mit dem Doppelpack aus „Highway To Hell“ und „For Those About to Rock (We Salute You)“, gefolgt von den ebenso traditionellen Schüssen aus Kanonen, entließ die Zuhörer mit dem Gefühl, gerade eine gut durchinszenierte Show von einer der letzten großen Rockbands des Planeten gesehen zu haben.

Man ist nie zu alt für Rock n' Roll

Dinosaurier könnte man sagen, wäre der Terminus im Zusammenhang mit Musik nicht schon so abgegriffen. Und ebenso abgegriffen sind Spekulationen, ob es denn nun die letzte Möglichkeit war, die Australier noch einmal live zu sehen. Einiges spricht dafür – immerhin sind die Musiker in einem Alter, in dem viele andere schon an die Pensionierung denken. Gerade einmal Stevie Young hat noch keinen Sechser vorne stehen. Doch wie oft hat man das mit der letzten Tour schon gehört. Und beim Zeltweg-Konzert hat die Band eindrücklich gezeigt, dass man auch im Alter noch würdevoll Rock n‘ Roll machen kann, wenn man es will. Oder wie es der mittlerweile auch schon 69-jährige Motörhead-Sänger Lemmy Kilmister einmal ausgedrückt hat: „If you think you are too old to rock 'n roll then you are“.