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Flughafen Wien: Was steckt hinter Edlingers Rauswurf?

Die Flughafen-Vorstände Ofner (l.) und Jäger
Die Flughafen-Vorstände Ofner (l.) und JägerAPA

"Presse"-exklusiv: Im November 2014 hat der Flughafen den Sohn des Ex-SPÖ-Finanzministers entlassen. Ein Zeichen der Vorstände, dass politische Seilschaften der Vergangenheit angehören? Es könnte aber auch eine Intrige sein.

Die letzten Tage vor der (Wieder)Bestellung der Flughafen-Vorstände verlaufen turbulent: Als ausgemachte Sache gilt, dass die Mandate von Julian Jäger, er steht der SPÖ-nahe, und Günther Ofner, er ist der ÖVP zuzurechnen, vom Aufsichtsrat Ende Juni verlängert werden. Julian Jäger fiel jedoch in den letzten Tagen mit Negativschlagzeilen auf. Seine zahlreichen Gratis-Upgrades während seiner Zeit als Vorstand am Flughafen Malta und seine Gefälligkeiten gegenüber seinem Schwager, dem Anwalt Gabriel Lansky, in der Causa Alijew (die „Presse“ berichtete) kratzen an seinem Image.

Nun sorgt auch noch eine andere Geschichte für Aufregung: Sie ist brisant, weil es dabei um den Rausschmiss des Sohnes des prominenten Sozialdemokraten und ehemaligen Finanzministers Rudolf Edlinger geht. Ende November entließ der Flughafen Wien Christoph Edlinger, der seit 1985 für das Unternehmen tätig gewesen war. Weshalb hat sich der Vorstand zu diesem heiklen Schritt entschlossen? Um zu demonstrieren, dass die Zeiten am Flughafen Wien vorbei sind, in denen sich politisch gut vernetzte Mitarbeiter auf Sonderbehandlungen verlassen können und darauf, dass Fehler bei der Arbeit keine Konsequenzen haben? Oder hat sich das Vorstandduo eines langjährigen Mitarbeiters entledigt, der sich hochgearbeitet und beigetragen hat, Missstände am Flughafen ans Tageslicht zu bringen?

Wenig überraschend vertritt der Flughafen die erste, die Anwälte von Edlinger junior, Katharina Körber und Nikolaus Rosenauer, die zweite These. Wer Recht hat, darüber wird das Arbeits- und Sozialgericht entscheiden, denn Edlinger hat die Entlassung angefochten. Eine erste Verhandlung fand bereits vor wenigen Tagen statt.

Haltlose Intrige oder unduldbares Verhalten?

Zu den Hintergründen der Geschichte: Edlinger sieht sich im Wesentlichen als Opfer einer Intrige. Ausgerechnet ein ehemaliger Mitarbeiter und Freund soll sie gesponnen haben. Der Grund: Edlinger war von 2012 an Leiter des Service-Bereichs „Technische Dienstleistungen“. In dieser Position waren ihm 235 Mitarbeiter unterstellt. Mit einem von ihnen, Herrn W., einem langjährigen Freund Edlingers, kam es im Zusammenhang mit Gehaltsforderungen alsbald zu einem Zerwürfnis. In der Folge trennte sich der Flughafen 2013 von Herrn W. einvernehmlich.

Eineinhalb Jahre danach fand die Geschichte ihre Fortsetzung: Herr W. bat den Generalsekretär des Flughafens, Wolfgang Köberl, auf einmal um ein Gespräch und informierte ihn dabei über angebliche Malversationen von Edlinger. Der soll bei einer Weihnachtsfeier im Jahr 2011 Bargeld von Fremdfirmen angenommen haben. Überhaupt soll Edlinger über diverse rechtswidrige Einkünfte Buch geführt haben, behauptete Herr W. Das Geld habe er unter anderem dazu verwendet, sein privates Bad zu erneuern.

Mittlerweile haben sich die Aussagen von Herrn W., so sagt der Flughafen heute selbst, als wenig haltbar erwiesen. Doch damals nahm Köberl die Anschuldigungen sehr ernst. Die Folge: Am 14. November 2014 stellte der Flughafen Wien Edlinger dienstfrei. Bei einem Gespräch Anfang Dezember, an dem beiden Seiten schon mit ihren Anwälten teilnahmen, sprach Julian Jäger dann die Entlassung aus.

Pornomaterial am Computer

Die Überraschung dabei: Nicht die Vorwürfe von Herrn W. sind Grund der Entlassung. Vielmehr hätte pornographisches Material, das Edlinger auf seiner beruflichen Email-Adresse empfangen und das der Flughafen im Zuge der Untersuchungen gefunden hat, den Ausschlag gegeben. Aus dem Schriftsatz des Flughafens erfährt man Details: Insgesamt handelt es sich um über 1100 Bilder und 24 Videos, die Edlinger - und auch viele andere im Unternehmen - von einem Mitarbeiter bekommen haben. Glaubt man dem Flughafen, soll Edlinger den eifrigen Versender sogar aufgefordert haben, ihm was zu schicken, „wenn du etwas hast“.

Edlinger leugnet übrigens gar nicht, „blöde und unangemessene Dateien empfangen zu haben, weil dies leider – nach wie vor – den Gepflogenheiten am Flughafen entspricht. Auch mir ist es nicht gelungen, das abzustellen", sagt er. Und: „Diese Usancen sind auch Jäger bekannt gewesen und sind geduldet worden“, sagt Edlingers Anwältin Körber. „In dem Entlassungsgespräch hat Jäger noch in Anwesenheit von mehreren Anwälten gesagt‚ dass es ‚am Flughafen sehr einsam wäre’, wenn er jeden Mitarbeiter wegen eines solchen Vorwurfs entlassen würde. Darin liegt also definitiv kein Entlassungsgrund.“

Jäger bestreitet, das so je gesagt zu haben. Der Anwalt des Flughafens, Julian Feichtinger, zitiert ihn im Schriftsatz mit folgenden Worten: „Am Flughafen wäre es sehr einsam, wenn jeder entlassen würde, der schon einmal einen Porno geschaut habe.“ Jäger habe mit seiner Aussage das Verhalten von Edlinger ausdrücklich nicht relativieren wollen und nie den Austausch von pornographischem Material geduldet, sondern nur betont, dass ihn dieser Vorwurf nicht am meisten treffe, heißt es.

Kontakt mit SPÖ-Politikern hinter Rücken des Vorstands?

Was enttäuscht Jäger also noch mehr? Zu einem massiven Vertrauensverlust hat wohl Edlingers Verhalten geführt, das im Schriftsatz sogar als „ehrenbeleidigend“ bezeichnet wird: So soll Edlinger hinter dem Rücken des Vorstands regen E-Mail-Verkehr mit führenden SPÖ-Politikern gepflegt haben. Er soll sich etwa immer wieder an den Präsidenten des Wiener Landtages, Harry Kopietz, und den Aufsichtsratsvorsitzenden des Flughafen Wien, Ewald Kirschner, gewendet haben, als er sich um eine Geschäftsführerposition bei einer Tochter des Flughafen Wiens erfolglos beworben hatte.

Dass die Mails dem Vorstand missfallen haben, erstaunt nicht. Denn Edlinger wirft Jäger kurz gesagt vor, öffentliche Ausschreibungen nur pro forma durchzuführen, letztlich aber willkürlich zu entscheiden. Ofner schreibt er ebenfalls massive politische Einflussnahme bei Stellenbesetzungen zu.

Warum den Vorstand diese Schreiben aus der Fassung bringen oder sie gar einen Entlassungsgrund darstellen sollen, ist Edlingers Anwältin dennoch völlig unverständlich: „Es kann nicht sein, dass die Vorstandsmitglieder des Flughafens Wien, des politischsten Unternehmens Österreichs, einem Mitarbeiter zum Vorwurf machen, dass er sich über politische Einflussnahme am Flughafen beim Eigentümer des Unternehmens beschwert! Damit werden die Dinge auf den Kopf gestellt.“