Gold hat sehr stark an Glanz eingebüßt

Gold bars from the vault of a bank are seen in this illustration picture taken in Zurich
Goldbarren(c) REUTERS (ARND WIEGMANN)

Immer mehr Experten zweifeln die Eignung des Edelmetalls als Krisenschutz an, der Preis ist noch nicht am Boden.

Gold hat seinen Glanz ja schon vor einiger Zeit verloren. Aber was in den vergangenen Wochen passierte, verunsicherte selbst hart gesottene Fans des Edelmetalls: ein richtiger Absturz bis unter die 1100-Dollar-Marke, obwohl krisenhafte Entwicklungen vom Beinahe-Grexit bis zu den China-Turbulenzen einem echten Krisenmetall eigentlich zu Höhenflügen hätten verhelfen müssen. Wobei: China verschärfte den Goldrutsch sogar noch, weil sich dort offenbar viele auf Kredit spekulierende Anleger zwecks Kompensation ihrer Aktienverluste von ihren Goldbeständen trennen mussten.

Darüber, wie es jetzt unmittelbar weitergeht, herrscht unter den Experten ziemlich weitgehende Einigkeit: Nach einem kurzen Zwischenhoch (einer Art zwingender Gegenreaktion auf die starken Kursverluste) werde es wohl noch einmal weiter nach unten gehen. Ob die 1000-Dollar-Schwelle – wie schon vor einiger Zeit prophezeit – tatsächlich erreicht wird, lässt sich natürlich nicht mit Sicherheit sagen. Weit sind wir davon freilich ohnehin nicht mehr entfernt.

Damit ist die Frage, ob das jetzt schon Kaufkurse sind, auch beantwortet: nein, sind es noch nicht. Vor allem jene, die Gold aus Anlagegründen kaufen (und nicht, um als Schutz vor der ultimativen Wirtschaftskatastrophe ein paar Golddukaten im Garten zu vergraben), haben derzeit keine Veranlassung, zuzugreifen.

Unterdessen steigt auch die Zahl der Experten, die den Wert des Goldes als Katastrophenschutz in Zweifel ziehen. In Zeiten des wirtschaftlichen Zusammenbruchs ist das Edelmetall ja als Tauschmittel auch nur dann verwendbar, wenn ihm andere einen Tauschwert zumessen. Darin unterscheidet sich das Metall also nicht von einer Papierwährung. Dass das in der Vergangenheit oft funktioniert habe, heiße noch nicht, dass das auch künftig so sein werde.

Wie auch immer: Die starke Nachfrage nach Goldmünzen vor allem in Europa deutet schon noch darauf hin, dass viele Menschen an die Wertbeständigkeit von Gold glauben. Pech, dass die Preise überwiegend vom stark ausgeweiteten Handel mit sogenanntem Papiergold beeinflusst werden.

Allerdings hat es auch beim Handel mit physischem Gold einen Paradigmenwechsel gegeben: Die Notenbanken, die früher verlässlich die Preise gestützt haben, fallen zunehmend nicht nur als Käufer aus – sondern verkleinern sogar ihre Bestände.