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Bauern in Not: Preis bei Milch und Schweinefleisch im Keller

Landwirtschaftsminister Rupprechter sieht die Bauern in einer "Ausnahmesituation". Viele Schweinebauern müssten möglicherweise die Betriebe zusperren.

Schon im Juli hatte die Landwirtschaftskammer (LK) über die fallenden Milchpreise geklagt. Mit dem aktuellen Preis von rund 30 Cent für den Liter Milch seien die Mehrkosten unter heimischen Bedingungen nicht abgedeckt, sagte damals die LK. Nun läuten bei VP-Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter die Alarmglocken. Neben dem starken Milchpreisrückgang im ersten Halbjahr hätten wir auch eine Ausnahmesituation im Schweinesektor, so Rupprechter zur "Bauernzeitung".

Die aktuellen Niedrigpreise bei Schweinefleisch sieht Rupprechter vor allem verursacht durch die sommerliche Hitze und die Schwemme von deutschem Schweinefleisch nach dem Ende der von der EU geförderten Lagerhaltungsperiode. Viele Schweinebauern müssten aufgrund des Preisverfalls in den kommenden Jahren möglicherweise zusperren, warnte gestern der  oberösterreichische Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger (ÖVP). Die Betriebe könnten ihre Produktionskosten immer weniger decken und Verluste machen. Ein Betrieb mit etwa 100 Schweinen würde heuer etwa ein Minus von 30.000 Euro einfahren, voriges Jahr waren es noch rund 14.000 Euro.

Europäische Aufgabe wegen Embargo

Rupprechter, der vor wenigen Wochen ein Investitionspaket über neun Millionen Euro in eine Kampagne "Regionale Milchprodukte" angekündigt hatte,  fordert nun von EU-Agrarkommissar Phil Hogan ein umfassendes Maßnahmenpaket für den Milch- und Schweinesektor. Dies vor allem deshalb, weil die Russland-Krise nicht von der Landwirtschaft ausgelöst wurde. Unter anderem drängt der Landwirtschaftsminister auf eine Unterstützung des Exports in Drittländer mithilfe "massiver Marktpromotion".

Für den Obmann der IG-Fleisch und Team-Stronach-Nationalratsabgeordnete Leo Steinbichler ist der der Verweis auf den schwierigen europäischen Markt und den Wegfall der Russland-Exporte sei eine "billige Ausrede" um von "ihrem eigenen Versagen abzulenken".

Grünen: Verfehlte Politik

Auch von Wolfgang Pirklhuber, Landwirtschaftssprecher der Grünen, kam Kritik am bestehenden Agrarsystem."Die massiven Preiseinbrüche bei zentralen Agrargütern, wie Milch, Fleisch und Zuckerrübe, sind Ausdruck einer verfehlten Agrarpolitik. Das einseitige Forcieren auf den Export führt in wirtschaftlichen Krisenzeiten zu massiven Preiseinbrüchen", so Pirklhuber. Man hätte sich besser auf den Wegfall der Milchquote einstellen müssen. Die neun Millionen hätte man besser direkt bei den Bäuerinnen und Bauern zu investiert und damit wirklich bäuerliche Arbeitsplätze gesichert.

Rupprechter forderte zudem, die EU-Strafe für die heimischen Bauern wegen Überlieferung der Milchquote im Jahr 2014/15 von 45 Mio. Euro zur Marktentlastung einzusetzen. Ende März wurde der EU-Milchmarkt liberalisiert und die Milchquoten abgeschafft. Seitdem kann jeder Bauer in der EU so viel Milch produzieren, wie er will.

>> Artikel in der "Bauernzeitung"

 

(APA)