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Vom Maidan ins Straflager: Ukrainischer Regisseur verurteilt

Die Ukrainer Oleg Senzow und Alexander Koltschenko wurden von einem russischen Gericht schuldig gesprochen.
Die Ukrainer Oleg Senzow und Alexander Koltschenko wurden von einem russischen Gericht schuldig gesprochen.(c) REUTERS
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Oleg Senzow wurde in Russland wegen Bildung einer terrorisitschen Vereinigung verurteilt. EU und USA forderten seine Freilassung.

Ein russisches Gericht hat den ukrainischen Regisseur Oleg Senzow wegen Terrorvorwürfen zu 20 Jahren Haft in einem Straflager verurteilt. Die Richter im südrussischen Rostow am Don sprachen den 39-Jährigen am Dienstag wegen "Bildung einer terroristischen Vereinigung" und Waffenschmuggels schuldig.

Gegen Senzows Mitangeklagten, den ukrainischen Aktivisten Alexander Koltschenko, verhängte das Militärgericht eine zehnjährige Freiheitsstrafe.

Als im Februar 2014 prorussische Soldaten Gebäude auf der Krim besetzten, half der aus der Regionalhauptstadt Simferopol stammende Senzow bei der Organisation von Protesten. Er beteiligte sich auch an der Versorgung der vorübergehend in ihren Kasernen blockierten ukrainischen Soldaten mit Lebensmitteln.

Im Mai 2014 wurde er unter Terrorverdacht festgenommen. Ihm und Koltschenko wurde in dem international umstrittenen Prozess nun vorgeworfen, im Mai 2014 das Büro einer prorussischen Partei auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim in Brand gesetzt zu haben. Außerdem sollen sie geplant haben, eine Lenin-Statue in Simferopol in die Luft zu sprengen. Bei der Urteilsverkündung zeigten die beiden Angeklagten das Victory-Zeichen und stimmten die ukrainische Nationalhymne an. Bei der blutigen Revolution im Winter 2013/2014 auf dem Maidan in Kiew engagierte sich der Senzow für die prowestlichen Regierungsgegner.

Nach Angaben seines Verteidigers will Senzow Berufung gegen das Urteil einlegen. Der Richterspruch sei "der Gipfel der Ungerechtigkeit und Rechtlosigkeit", sagte Dmitri Dinse.

"Warte ab, Oleg!"

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko sprach dem Regisseur unmittelbar nach der Urteilsverkündung Mut zu. "Warte ab, Oleg! Es wird eine Zeit kommen, in der diejenigen, die diesen Prozess gegen dich organisiert haben, selbst auf der Anklagebank sitzen", schrieb er im Online-Dienst Twitter. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach von einer "himmelschreienden Ungerechtigkeit" und einem "offenkundig unfairen Verfahren, das von glaubwürdigen Foltervorwürfen überschattet wurde". Den beiden Verurteilten wurde als Russen der Prozess gemacht, obwohl sie nie die russische Staatsbürgerschaft beantragt hatten.

Neben namhaften Regisseuren, unter ihnen Wim Wenders, der Spanier Pedro Almodóvar und der britische Filmemacher Mike Leigh, hatten auch die EU und die USA die Freilassung der beiden Männer gefordert. Die Unterstützer der Angeklagten bezeichneten die Vorwürfe als politisch motiviert.

Seit Mai 2014 in Moskau in Haft

Die Staatsanwaltschaft hatte in der vergangenen Woche 23 Jahre Straflager für Senzow verlangt. Für seinen Mitangeklagten Koltschenko, einem Kritiker des russischen Vorgehens auf der Krim, forderte die Anklage zwölf Jahre Haft. Die beiden Ukrainer wiesen die Vorwürfe zurück. Senzow berichtete in seinem Abschlussplädoyer am vergangenen Mittwoch über Folter während seiner Untersuchungshaft. Der Regisseur saß seit Mai 2014 in einem Hochsicherheitsgefängnis in Moskau.

Nach Angaben von Anwälten der Angeklagten waren auch Zeugen gefoltert worden, um sie zu Aussagen gegen Senzow und Koltschenko zu zwingen. Die Zeugen sollten Belege dafür liefern, dass die beiden Männer der rechtsextremen ukrainischen Gruppierung Rechter Sektor angehören. Zwei Zeugen, die sich weigerten auszusagen, wurden im Zusammenhang mit dem Fall zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Zwölf Ukrainer in russischer Haft

Die Regierung in Kiew betrachtet Senzow und Koltschenko als zwei von insgesamt elf politischen Häftlingen mit ukrainischem Pass, die derzeit in russischen Gefängnissen sitzen. Unter ihnen befindet sich auch die Kampfpilotin Nadja Sawtschenko, die sich wegen der mutmaßlichen Beteiligung an der Tötung zweier russischer Journalisten vor Gericht verantworten muss.

Oleg Senzow, der Regisseur

Als Filmemacher steht der Vater zweier Kinder noch relativ am Anfang. Zunächst absolvierte er ein Wirtschaftsstudium in Kiew. Später eröffnete er in Simferopol ein Internetcafe. Dieses diente auch als Inspiration für sein Filmdebut "Gamer" (Der Spieler) von 2011, das er mit einem Budget von nur 20 000 Dollar (etwa 17 500 Euro) drehte. "Gamer" gingen einige Kurzfilme voraus.

Sein zweites Filmprojekt mit dem Titel "Nossorog" (Nashorn) über die soziale Lage in den 1990er Jahren konnte Senzow trotz staatlicher Förderung nicht umsetzen. Die Maidan-Proteste ließen ihm keine Zeit.

(APA/dpa)