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Match um die Casinos: Geld oder Patriotismus - Das ist die Frage

PG EPIC 'CASAG': GOLDSCHEIDER
(c) APA/HANS KLAUS TECHT
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Im Match um die Casinos Austria wollen Peter Goldscheider und seine tschechischen Partner die Novomatic ausstechen. Das letzte Wort hat Finanzminister Schelling.

Eigentlich könnte Maria Theresia Bablik ihren Ruhestand genießen. Aber sie steht vor der möglicherweise schwierigsten Entscheidung ihres Lebens. Die betuchte und äußerst agile alte Dame ist nämlich einer der Großaktionäre der Casinos Austria. Um ihren Anteil – und den gesamten Glücksspielkonzern – tobt ein heftiger Übernahmekampf. Bablik ist nicht nur mittendrin – ihre Entscheidung, die gemäß der Fristen rund um dieses Wochenende fallen sollte, dürfte richtungsweisend für die neue Eigentümerstruktur der Casinos sein.

Die Frage, die Bablik und die anderen rund zwölf Aktionäre beantworten müssen: Wird der Konkurrent Novomatic, der von diversen Anteilshabern in Summe 39,5 Prozent angeboten bekommen hat und an der Casinos-Tochter Lotterien 18 Prozent hält, neuer Casinos-Großeigentümer? Oder stechen die beiden tschechischen Milliardäre Karel Komárek und Jirí Šmejc, die mit dem Österreicher Peter Goldscheider im Boot sind, die Novomatic nun aus? Letztere haben sich in einem Überraschungscoup 11,345 Prozent fix gesichert. Oder kommen letztlich beide Gruppen zum Zug und bilden mit dem Staat, der über die ÖBIB 33,2 Prozent an der Casinos hält, die neuen Eigentümer?

In dieser Konstellation würde sich zwar das bestehende, durch komplizierte Syndikatsverträge verflochtene Aktionariat lichten. Aber das Ziel, das Finanzminister Hans Jörg Schelling mit der Übernahme der Münze-Anteile im Frühjahr verfolgt hatte – die Bereinigung der Eigentümerstruktur der Casinos – wäre verfehlt. Denn auch drei Kernaktionäre können einem Konzern das Leben ziemlich schwer machen, zumal dann, wenn sie nicht an einem Strang ziehen.

Bablik hat im Frühjahr der Novomatic das von ihrer Privatstiftung gehaltene 17-Prozent-Paket angedient und damit das Verkaufskarussell in Gang gebracht. Auch Goldscheiders Gruppe wurde vorstellig und hat ihr jetzt, wie „Die Presse“ erfuhr, wieder ein Offert gemacht.

Das Trio dürfte auch die anderen Aktionäre locken, an Geld mangelt es nicht. Komárek und Šmejc zählen mit einem Vermögen von je 1,5 Mrd. Euro zu den reichsten Tschechen. Novomatic-Eigentümer Johann Graf (laut „Forbes“ 6,6 Mrd. Dollar schwer) ist indes in dem Spiel der Milliardäre in die Warteposition gedrängt worden: Die Novomatic hat die Hand „nur“ auf den Aktien von Bablik und den anderen. Die Tschechen haben indes die Firma Came gekauft, die die Anteile der Vienna Insurance bzw. deren Tochter Donau hielt.
Mit der Übernahme, die am Freitag bei der Bundeswettbewerbsbehörde angemeldet wurde, sind die Tschechen Partner in den Syndikatsverträgen und können wie die anderen Alteigentümer aktiv ihr Aufgriffsrecht ausüben. Will ein Anteilshaber verkaufen, haben die anderen das Recht, zum selben Preis zuzuschlagen.

Letztlich gilt es, die Wahl zwischen Geld oder Patriotismus zu treffen. Bablik signalisierte schon zu Beginn des Pokers, sie wolle eine einfache, „österreichische“ Lösung mit der Novomatic. Für sie macht sich nicht überraschend auch Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll stark – hat die Novomatic doch ihren Konzernsitz in Gumpoldskirchen. Die anderen Aktionäre machen indes kein Hehl daraus, dass für sie der Preis Vorrang habe. Wie wird Bablik entscheiden bzw. was wird ihr Casinos-Vorstand Dietmar Hoscher raten, der pikanterweise auch Vorstand ihrer Stiftung ist?

Das letzte Wort hat aber ohnedies Schelling. Der Finanzminister will den Tschechen genau auf den Zahn fühlen. Von einem „Fit and Poper“-Test ist die Rede, um zu klären, woher die Tschechen ihr Geld haben. Šmejc hat einen Banken-Hintergrund, Komárek kommt aus dem Öl- und Gashandel. Beide sind im Lotto-Geschäft in Tschechien und Griechenland (OPAP) involviert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2015)