Schnellauswahl

Russland weitet Militärkampagne in Syrien aus

Bilder von einem Luftangriff auf Maarat al-Numan.
Bilder von einem Luftangriff auf Maarat al-Numan.REUTERS

In 72 Stunden habe Russland 50 von 60 Bombardements gegen den IS geflogen. Die USA sollen ihre Flüge einstellen, sagt Russland.

Russland will seine Militärkampagne in Syrien ausweiten. Die Zahl der Luftangriffe auf die "Terroristen" werde erhöht, teilte die russische Armee am Samstag mit - nach Angaben aus Moskau richten sich die russischen Angriffe nicht nur gegen den Islamischen Staat, sondern auch gegen Milizen der Al-Nusra-Front und andere Terroristengruppen Den ebenfalls über Syrien operierenden USA empfahl die russische Armee, ihre Flüge in den betroffenen Gebieten einzustellen. Man setze Washington im Voraus von Luftangriffen in Kenntnis, meldete die Agentur Interfax.

Allein in den vergangenen 72 Stunden habe Russland 60 Flüge ausgeführt, hieß es. Dabei sei das militärische Potenzial der "Terroristen" wesentlich geschwächt worden. 50 Ziele des IS seien getroffen worden. So seien etwa ein verbunkerter Kommandoposten nahe der IS-Hochburg Raqqa sowie ein Waffenlager in der Provinz Idlib zerstört worden. Bei einem weiteren Angriff auf ein Trainingslager nahe der Stadt Maaret al-Numan seien Munition und Waffen vernichtet worden, teilte das Verteidungsministerium mit. Drohnen würden die Gegend unter der Kontrolle des IS überwachen. "Alle Ziele werden schnell zerstört, unabhängig von den Wetterbedingungen oder der Tageszeit."

39 tote Zivilisten in vier Tagen

In den vergangenen vier Tagen sind nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 39 Zivilisten und 14 IS-Kämpfer getötet worden. Darunter waren acht Kinder. Darüber hinaus seien 14 extremistische Rebellen ums Leben gekommen: zwölf IS-Dschihadisten und zwei Kämpfer der Al-Kaida-nahen Al-Nusra-Front. Der Beobachtungsstelle zufolge trafen russische Angriffe am Donnerstag auch ein Krankenhaus in der westlichen Provinz Hama, wobei Ärzte verletzt worden seien. Der IS sei in dieser Region nicht aktiv.

Kritiker werfen Russland vor, nicht so sehr an der Schwächung des vom Westen bekämpften IS interessiert zu sein als an der Stärkung des bedrängten Machthabers Bashar al-Assad. Der britische Verteidigungsminister Michael Fallon bestätigte diesen Eindruck. Der Zeitung "The Sun" vom Samstag sagte Fallon, nur fünf Prozent der Attacken hätten Ziele des IS ins Visier genommen. Er sprach sich für eine Beteiligung Londons an den Luftangriffen gegen den IS aus.

Auch US-Präsident Barack Obama kritisierte am Freitag im Weißen Haus, Moskau unterscheide nicht zwischen dem IS und moderaten Gruppen. "Aus ihrer Perspektive sind sie alle Terroristen. Und das führt ins Verderben." Denn Russland unterstütze dadurch die Regierung von Machthaber Bashar al-Assad, die von einer "überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung" abgelehnt werde. Der US-Präsident versicherte aber zugleich, dass sein Land und Russland nicht in einen "Stellvertreterkrieg" in Syrien treten würden. Eine Zusammenarbeit mit Moskau halte er weiterhin für möglich. Russland müsse dabei aber anerkennen, dass es in Syrien "einen Regierungswechsel" geben müsse.

Merkel und Hollande: IS ist der Feind

Bei einem Ukraine-Gipfel in Paris äußerten sich Europas Staatschefs am Freitag auch zur Syrien-Krise. Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatschef François Hollande forderten Präsident Wladimir Putin auf, die gemäßigten Rebellen zu verschonen. Sie habe Putin "sehr deutlich gemacht", dass der Islamische Staat der Feind sei, den es zu bekämpfen gelte, sagte Merkel nach einem Treffen mit dem Kremlchef. Gemeinsam mit Hollande habe sie betont, dass es für Syrien eine politische Lösung geben müsse, die auch die Interessen der Gegner von Assad widerspiegele. Diese Opposition habe die "Unterstützung" Frankreichs und Deutschlands.

Auch Hollande sagte, die russischen Luftangriffe dürften "nur" den IS treffen. Das jedoch geschieht nach Einschätzung Londons derzeit kaum. Der britische Verteidigungsminister Michael Fallon sagte der Zeitung "The Sun" vom Samstag, nur fünf Prozent der Attacken hätten tatsächlich Ziele des IS ins Visier genommen. Stattdessen greife die russische Luftwaffe vor allem Gebiete an, in denen Zivilisten leben, und nehme die Freie Syrische Armee ins Visier, die gegen Assad kämpft.

Syrien zu Friedensgesprächen bereit

Der syrische Außenminister Walid al-Muallem verkündete indes die Bereitschaft seiner Regierung, an Friedensgesprächen unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen teilzunehmen. Bei der UN-Generaldebatte in New York sagte er, Damaskus wolle sich an den von dem UNO-Syrien-Gesandten Staffan de Mistura vorgeschlagenen Gesprächen beteiligen. Diese seien aber "vorläufig" und "nicht bindend".

(APA/Reuters)