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Vereinnahmter Protest

Ein Lichtermeer gibt es nicht mehr. Keine 300.000 Menschen die wie damals, 1993, gegen Fremdenhass und für Solidarität auf die Straße gehen.

Eine Großdemo unter diesen Schlagworten ist es am Samstag doch geworden. Dass der Protest nicht breiter ist, das liegt auch an umstrittenen Gruppen, die Kundgebungen wie diese für sich vereinnahmen. So werden viele Bürgerliche, auch wenn sie die Forderung, Flüchtlingskinder nicht im Freien schlafen zu lassen, mittragen, einem Protest-Aufruf gegen „rassistische Regierungspolitik“ nicht folgen, Katholiken, die für ihr Prinzip der Solidarität auf die Straße gehen würden, werden das nicht hinter Bannern der sozialistischen „Linkswende“ tun. Dieser Verein, einer der Initiatoren, stellte klar: Wer mitmarschiert, muss drei Forderungen mittragen: Rücktritt von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, Dach über den Kopf für alle Flüchtlinge, Bleiberecht für alle. Auch wenn diese Bedingung bei vielen ohnehin untergegangen ist (sogar bei offiziellen Unterstützern wie der Wiener SPÖ), viele potenzielle Demonstranten wurden so im Vorfeld vergrault. Und ein Lichtermeer, ein breites, gesellschaftliches Statement, zunichtegemacht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.10.2015)