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Südamerikaner ziehen in den Krieg um Jemen

Hunderte Söldner aus Lateinamerika sollen für die Vereinigten Arabischen Emirate im Jemen kämpfen.
Hunderte Söldner aus Lateinamerika sollen für die Vereinigten Arabischen Emirate im Jemen kämpfen.(c) Reuters
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Die Vereinigten Arabische Emirate lassen Exsoldaten aus dem fernen Kolumbien für sich kämpfen. Riad rekrutiert in Eritrea. Der Jemen-Konflikt wird zum Krieg der Söldner.

Sanaa/Wien. 12.000 Kilometer und ein Ozean trennen den Dschungel von Kolumbien und Jemens Wüste. Und doch ziehen Lateinamerikaner in den Krieg auf der entlegenen Arabischen Halbinsel, der für sie nur ein Geschäft ist. Die Kämpfer stehen auf dem Gehaltszettel der ölreichen Vereinigten Arabischen Emirate. 1800 lateinamerikanische Söldner soll die Golfmonarchie angeheuert haben. Nun werden 450 von ihnen in den Jemen entsandt. Das berichtet die „New York Times“ (NYT). Es sind im Guerillakrieg gegen die Farc-Rebellen gestählte und daher begehrte Kämpfer aus Kolumbien, aber auch Exsoldaten aus Chile, El Salvador und Panama.

Der Jemen ist längst ein Schlachtfeld der Nationen. Arabisch, Persisch, afrikanische Dialekte und nun wohl auch Spanisch wird an den Fronten dieses Krieges gesprochen. Vordergründig kämpfen im Jemen schiitische Huthi-Rebellen, unterstützt von Getreuen des Ex-Präsidenten Ali Abdullah Saleh, gegen die Truppen von Staatschef Abed Rabbo Mansur Hadi, den sie aus der Hauptstadt Sanaa vertrieben haben. Doch wie in Syrien tobt auch im 25 Millionen Einwohner zählenden Jemen ein Stellvertreterkrieg zwischen dem schiitischen Iran (an der Seite der Huthis) und dem sunnitischen Saudiarabien – also zweier Regionalmächte, die sich als Schutzherren ihrer Konfessionen gerieren. Der saudischen Koalition gehören dabei neben arabischen Verbündeten auch die USA an: Washington liefert Informationen über Angriffsziele – und jede Menge Waffen. Inmitten dieses kriegerischen Chaos breiten sich die Terroristen von al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap) weiter aus, die den Jemen schon immer als Drehscheibe missbrauchten. Auch Bomben der IS-Jihadisten gingen bereits hoch. Und nun gibt es also auch noch kämpfende Söldner aus Lateinamerika.

 

Kämpfer aus Militärstaat Eritrea

Dem „NYT“-Bericht zufolge wurde die Südamerika-Truppe bereits 2010 in den Emiraten von einer Firma mit Verbindungen zu Erik Prince ins Leben gerufen. Prince ist der Gründer des berüchtigten US-Söldnerunternehmens Blackwater. Mittlerweile würden die Scheichs selbst die Fäden ziehen. Um die Rekrutierung in Lateinamerika soll sich die Firma eines Ex-Kommandeur kolumbianischer Spezialtruppen kümmern. Die Söldner warten danach in einem Militärcamp in den Emiraten auf Aufträge, zu denen etwa der Schutz von Pipelines zählt. Heimkehrer schildern der „NYT“ ein Leben voller Fadesse in der sengenden Wüstensonne. Doch vor etwa einem Monat kam für 450 Söldner der Einsatzbefehl.

Das passt ins Bild: Anfang November monierten UN-Vertreter, Saudiarabien würde für den Krieg im Jemen Kämpfer aus Eritrea rekrutieren – und den isolierten, mit UN-Sanktionen belegten Militärstaat am Horn von Afrika dafür reich entlohnen. Sudans Entsendung von hunderten Infanteristen stehen millardenschwere Hilfskredite aus Saudiarabien und Katar gegenüber. Und es gibt Berichte, wonach auch die Huthis Söldner anwerben, etwa aus Äthiopien und Somalia.

Ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht. Seit September 2014 wogt der Krieg hin und her, 5700 Menschenleben hat er bereits gekostet. Knapp die Hälfte der Opfer waren Zivilisten. Und der Krieg tötet indirekt: Im Jemen, ohnehin Armenhaus der Arabischen Halbinsel, spielt sich eine humanitäre Katastrophe ab. 21,2 Millionen Menschen brauchten Unterstützung, erklären die Vereinten Nationen. Zuletzt verweigerten die Huthis nach UN-Angaben, Hilfslieferungen in die umkämpfte drittgrößte Stadt Taiz im Südwesten des Landes durchzulassen. Das Söldnertum im Jemen droht Schule zu machen: Reiche arabische Staaten mit ihren kleinen, teils unerfahrenen Streitkräften wollen im Umbruch des Nahen Ostens mitmischen, ohne ihre Bürger durch Kriegsdienste zu vergrämen. Und anders als für die ausgebeuteten Arbeitsmigranten zahlt es sich für die Söldner aus: Bis zu 2800 Euro kassieren die Lateinamerikaner, ein Vielfaches des Soldes in der Heimat. Der Kampf gegen Südamerikas Kartelle muss da warten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.11.2015)