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Wie wird man Chef?

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Beruf Führungskraft. Was sagen Manager über ihren Job? Was empfehlen sie dem Nachwuchs? Ein Hernstein-Report zu der Frage, wie der Platz an der Spitze gesehen und bewertet wird.

Engagement und Leistungsbereitschaft, harte Arbeit machen, Disziplin zeigen: Das empfehlen 48 Prozent der im jüngsten Hernstein-Report befragten Führungskräfte jungen Menschen, die eines Tages in ihre Fußstapfen treten möchten. 1020 der 1500 Befragten beantworteten die offene Frage nach einem Rat für junge Menschen mit eigenen Worten, die im Hernstein-Institut nach Häufigkeit sortiert und geordnet wurden.

 

Lernwille als Grundsatz

An zweiter Stelle (zu 24 Prozent) werden Lernbereitschaft und Offenheit genannt, darunter auch „Mut, Fehler zu machen und auf breiter Ebene Erfahrungen zu sammeln“, erläutert Eva-Maria Ayberk, die Leiterin des Instituts. „Dazu zählen auch eine gute Grundausbildung und der Wille zum lebenslangen Lernen.“

Die Entscheidung, tatsächlich eine formale Weiterbildung zu absolvieren, werde oft als Eigeninitiative vermerkt. „Trotzdem wundert es mich, dass nur knapp ein Viertel Lernbereitschaft und Offenheit als unumgänglich für die Führungskarriere findet“, so Ayberk. „Vermutlich wird sich hier durch die sozialen und technologischen Entwicklungen viel ändern.“ Erkennen, reflektieren, Schlüsse ziehen, anpassen, den nächsten konkreten Schritt setzen, und das alles in Gruppen aus unterschiedlichen Fachbereichen und Hierarchieebenen, das werde in Zukunft immer wichtiger. Weiters wurde empfohlen, integer und authentisch zu bleiben (19 Prozent), soziale und kommunikative Kompetenzen auszubauen (15 Prozent) und sich mit Führung und Führungsverantwortung auseinanderzusetzen (acht Prozent). Selbstmarketing wurde in den 1020 Antworten dagegen nur 13-mal genannt.

 

Bescheidenheit ist eine Zier . . .

Ist nun anzunehmen, dass auf der Karriereleiter pure Leistung ungleich mehr punktet als das Trommeln in eigener Sache? Oder sind die Empfehlungen, als Eigensicht des jeweiligen Werdegangs, mit Bedacht zu bewerten? Der Vergleich zeigt: Ihre eigene Karriere habe vor allem ein hohes Maß an Eigeninitiative gefördert, kreuzten rund 40 Prozent (Männer: 42, Frauen: 38) der 1500 Befragten an, dicht gefolgt von der überdurchschnittlichen Leistungsbereitschaft (Männer: 35, Frauen: 37Prozent). Einen Fürsprecher erwähnten 13,5 Prozent, private Kontakte drei Prozent und 7,5 Prozent das „Prinzip Zufall“.

Auffallend ist, dass 53 Prozent der oberen Führungskräfte Eigeninitiative als wichtigsten Punkt erachteten, Leistungsbereitschaft nur zu 36 Prozent. In den unteren Ebenen war es gegengleich: Leistung wurde zu 35 Prozent als Nummer eins genannt, Eigeninitiative zu 28 Prozent. „Man könnte die Hypothese aufwerfen, dass für eine Karriere bis in die oberen Etagen nicht nur die Leistungsbereitschaft zählt, sondern vor allem eine aktive Grundeinstellung und das Herbeiführen und Nutzen von Karrierechancen“, so Ayberk. Leistung zu bringen allein genügt also nicht: Man darf ruhig so initiativ sein, sie auch zu zeigen.

 

Je höher, umso zufriedener

Die Unterschiede in der Hierarchie sind auch deutlich, wenn es um eine Weiterempfehlung geht: Würde man einem Freund zu diesem Job raten? Eigentümer sagen zu 46Prozent Ja (teils, teils: 24 Prozent), das obere Management zu 41 (teils, teils: 15), das mittlere zu 34 (teils, teils: 27) und das untere zu 19 Prozent (teils, teils: 32). Letzteres riet auch ab: allerdings nur zu fünf Prozent. Unternehmensbranche und Betriebsgröße spielten dabei keine Rolle.

In der Frage, ob sie schon früher beabsichtigt haben, Führungskraft zu werden, zeigt sich zusätzlich – oder durch – die Unterschiede in der Hierarchie (siehe Grafik) auch ein deutlicher zwischen den Geschlechtern: Während 65Prozent der männlichen Führungskräfte immer schon diese Tätigkeit ausüben wollten, waren es nur 53Prozent der weiblichen. 29 Prozent der Frauen wollten früher sogar dezidiert keine Führungskarriere machen (Männer: 16 Prozent). „Es empfiehlt sich, Frauen gegebenenfalls stärker zu fördern “, so Ayberk. „Wenn man eine 50:50-Verteilung tatsächlich anstrebt.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.11.2015)