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Ägypten erster Kunde für Russlands "Alligator"-Helis

Zwei
Zwei "Alligatoren" von KamowProgress Arsenyev
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Das Militärregime in Kairo ist weiter auf großer Shoppingtour: Nach französischen Kampfjets und Schiffen und deutschen U-Booten wurden 46 schwere Kampfhubschrauber Kamow Ka-52 "Alligator" in Russland geordert.

Das ägyptische Militärregime ist weiter im Kaufrausch: Nachdem es erst 2015 unter anderem 24 hochmoderne "Rafale"-Kampfflugzeuge, eine Fregatte und zwei "Mistral"-Hubschrauberträger in Frankreich erworben und in Deutschland zwei U-Boote Typ 209 bestellt hatte, wird es nun zum ersten Exportkunden für ein Top-Produkt der russischen Waffenindustrie: 46 Kampfhubschrauber vom Typ Kamow Ka-52 "Alligator" (Nato-Code: Hokum-B) würden für Ägypten gebaut, bestätigte dieser Tage der Generaldirektor des Hubschrauber-Konsortiums "Russian Helicopters", Alexander Michejew.

Ein ähnliches Statement tauchte am Freitag auf der Homepage des Unternehmens, wo die Kamows gebaut werden, auf: Das ist "Progress Arsenjew" in der Stadt Arsenjew nahe Wladiwostok in der russischen Pazifikregion. Die ersten Modelle sollen 2017 ausgeliefert werden, die letzten 2019. Die Firma bestätigte damit auch Berichte vom Herbst, wonach Ägypten der Käufer der "Alligatoren" sein werde. Damals war als Lieferstart freilich von 2016, also heuer, die Rede, das letzte Wort ist also wohl noch nicht gesprochen.

Passend für die Träger aus Frankreich

Alle oder einige der Maschinen sollen laut "Defense Industry Daily" in einer Marinevariante (Ka-52K) geliefert werden - die passt genau zu den oben erwähnten Trägern der Mistral-Klasse, deren beabsichtigter Verkauf an Russland übrigens wegen des Ukraine-Konflikts von den Franzosen gestoppt worden ist.

Die in den 1990ern entwickelten Maschinen, die in ihrer Kampfkraft der amerikanischen "Apache" und dem deutsch-französisch-spanischen "Tiger" von Eurocopter ähneln, werden erst seit 2008 für das russische Militär in Serie gebaut, ventiliert werden Stückzahlen von bisher etwa 80, wobei rund 50 aktiv im Bestand der Luftwaffe sein sollen. Der Alligator ist teilweise gepanzert, der Bereich des Cockpits etwa soll Treffer durch Munition bis zum Kaliber 20 Millimeter aushalten und hat zwei Rotoren, die koaxial montiert sind, also übereinander an derselben Achse. Pilot und Waffenoffizier sitzen - eine Besonderheit bei Kampfhubschraubern - neben- statt hintereinander und können sich im Notfall per Schleudersitz retten, nachdem die Rotorblätter abgesprengt worden sind.

Abwurf von Hitzefackeln gegen Luftabwehrraketen
Abwurf von Hitzefackeln gegen LuftabwehrraketenVitaly Kuzmin

 

Ein Verteidigungssystem namens "Witebsk" besteht aus Kompenenten zum Stören von Elektronik, Laser-, Infrarot- und Radarsystemen und soll so etwa tragbare wärmegesteuerte Fliegerabwehrraketen abhalten, die sich heute auch im Besitz von Rebelleneinheiten, etwa im Nahen Osten, befinden. Als Waffenlast werden zwei Tonnen angegeben, bestehend aus einem Mix aus Panzerabwehrraketen, ungelenkten Luft-Boden-Raketen, Bomben und Luft-Luft-Flugkörpern diverser Typen; dazu kommt eine einläufige Schipunow-Maschinenkanone Kaliber 30 Millimeter mit 460 Schuss Munition in zwei Magazinen.

"Ataka"-PanzerabwehrraketenVitaly Kuzmin

 

Die Höchstgeschwindigkeit beträgt etwa 310 km/h, das (leer) rund acht Tonnen schwere Luftgefährt kann auch mit 80 bis 90 km/h rückwärts und seitwärts fliegen. Als Reichweite werden 450 bis 500 Kilometer angegeben, wobei der laut Hersteller extrem robuste und für alle Klimazonen taugliche Ka-52 (man muss ihn selbst in der Arktis nicht im Hangar abstellen, heißt es) im Rahmen der russischen Kampfhubschraubereinheiten auch eine besondere Rolle einnehmen kann: Weil er weiterreichende Sensoren als andere Kampfhelikopter (etwa Mi-24 "Hind") hat, soll er Rudel anderer Helis als "Scout" begleiten und ihnen über ein Datenlinksystem Ziele zuweisen können. Dasselbe ist auch im Verbund mit Flugzeugen, Bodentruppen und Schiffen möglich.

Abschuss ungelenkter Raketen
Abschuss ungelenkter RaketenKamow

 

Für die Ägypter ist der Alligator besonders zur Bekämpfung irregulärer Truppen, Milizen und Terroristen etwa im Sinai, in Libyen und im Jemen nützlich - speziell in Kombination mit den Hubschrauberträgern. Dabei besitzt Ägypten schon jetzt etwa 44 amerikanische "Apaches" sowie eine Anzahl leichterer bewaffneter Hubschrauber.

Alligatoren beißen in Syrien

Zuletzt tauchten Berichte auf, wonach Russland bereits einige Alligatoren auf seine Luftwaffenbasis nahe Latakia in Syrien überstellt hat oder dabei ist, das zu tun. Laut Nachrichtenagentur TASS sei das die Chance, den Kampfhubschrauber erstmals in einer Kriegszone zu testen. Bisher hatte es damit erst einige Aufklärungs- und beschränkte Kampfeinsätze in der Kaukasusregion gegeben. In einer Ausschreibung der Türkei für neue Kampfhubschrauber war die Ka-52 anno 2006 ausgeschieden worden, später setzte sich dort die A129 "Mangusta" des italienischen Herstellers Agusta durch.

--> Stellungnahme der ägyptischen Botschaft in Wien zu diesem Artikel (pdf)

 

 

>>> Russisches Werbevideo: