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Milliardenprojekt: Neuer Problemlöser für das Spital Nord

Beim Bau des Spitals Nord wurde nach zahlreichen Problemen nun die Projektsteuerung ausgetauscht.
Beim Bau des Spitals Nord wurde nach zahlreichen Problemen nun die Projektsteuerung ausgetauscht.(c) APA/ROBERT JAEGER

Neuer Koordinator löst Projektsteuerung ab, um Probleme zu beseitigen und die Übersiedlungsphase von Abteilungen ins Spital Nord vorzubereiten.

Wien. Fehlplanungen, Kostenüberschreitungen, massive zeitliche Verzögerungen, drohende Millionenprozesse: In der Vergangenheit lief es nicht gerade rund beim Krankenhaus Nord. Das soll sich nun ändern: Mit April übernimmt eine neue Projektsteuerung die Kontrolle beim Bau des Milliardenprojektes Krankenhaus Nord, wie der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) am Donnerstag bekannt gab. Konkret besitzt dann Moser Architects, ein international agierendes Generalplanungs- und Architekturbüro mit Sitz in Wien, die Oberhoheit über den Bau des Milliardenprojektes – nachdem das künftig modernste Spital Europas dem Bauherrn, also dem städtischen KAV, in der Vergangenheit wegen Überforderung teilweise völlig entglitten ist.

Moser Architects sind bereits seit Mitte 2014 mit dem Krankenhaus Nord (rund 800 Betten, 250.000 Ambulanzbesuche und 17.000 Operationen jährlich geplant) befasst und werden nun einen Plan zur Übersiedlung jener Abteilungen ausarbeiten, die von anderen Wiener Spitälern in das Krankenhaus Nord verlagert werden. Details dazu stehen noch nicht fest. „Während der Bau selbst in soliden Bahnen verläuft, steht bereits die nächste Phase der Betriebsvorbereitung, Inbetriebnahme und Übersiedlung an. Für diese nächste Phase sind [. . .] Moser Architects genau die richtigen Partner in Sachen Projektsteuerung“, erklärte der stellvertretende KAV-Generaldirektor Thomas Balász in einer Aussendung die Ernennung der neuen Problemlöser.

Die bisherige vom KAV beauftragte und kontrollierte Projektleitung wurde de facto gefeuert, im KAV geht man davon aus, dass dadurch keine Mehrkosten entstehen. Auf die Frage nach allfälligen Klagen und im Zusammenhang mit im Raum stehenden Gerichtsprozessen wird beim KAV erklärt: „Wir haben eine eigene Stelle eingerichtet.“ Dieses sogenannte Forderungsmanagement soll „Regressansprüche geltend machen, ein Team sieht sich die Verursacher von Mehrkosten“ an, heißt es beim KAV.

Der Hintergrund: Baufirmen haben bereits im Mai 2014 eine gerichtliche Beweissicherung samt Beschlagnahmung von Projektunterlagen erwirkt, weil sie massive Verzögerungen und Kostensteigerungen bei dem Projekt erwartet haben. Die Ursache der (nun eingetretenen) Verzögerungen und Kostensteigerungen sahen sie nicht bei sich, sondern in Fehlern des KAV – was dieser immer zurückgewiesen hat.

 

Steigen die Kosten weiter?

Fest steht, dass die Kosten nun offiziell bei knapp über einer Milliarde Euro (ursprünglich: 825 Millionen Euro) liegen, das Spital nach derzeitigem Stand erst Anfang 2018 in Vollbetrieb gehen wird (ursprünglich hätte das Spital Nord bereits heuer seinen Vollbetrieb aufnehmen sollen). Und gleichzeitig kursieren Gerüchte, dass sich der Vollbetrieb weiter nach hinten verschiebt, während die Kosten noch weiter auf 1,5 Milliarden Euro steigen. Beides wird vom KAV dementiert, die Opposition schießt sich aber schon auf die zuständige Gesundheitsstadträtin, Sonja Wehsely (SPÖ), ein: „Die Kostenspirale wird sich weiterdrehen in Richtung 1,5 Milliarden Euro, und auch die Eröffnung im Jahr 2018 kann sich die Stadtregierung vermutlich abschminken. Daran ändert auch die neue Firma nichts, die nun mit der Projektsteuerung beauftragt wurde“, kommentierte ÖVP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec die neue Projektleitung. Der nicht amtsführende FPÖ-Stadtrat David Lasar stieß in dasselbe Horn: „Bei diesem Monsterprojekt, das ein weiteres Milliardengrab der Stadt wird, sind wieder einmal Änderungen geplant. Als gelernter Wiener weiß man, dass die Kosten weiter explosionsartig steigen werden.“ Zur Verteidigung von Wehsely rückte SPÖ-Gemeinderat Kurt Wagner aus: Es gebe keinen Grund, am Kosten- und Terminplan zu zweifeln.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.02.2016)

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