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Die Finanz-Wikinger vom Traisenstrand

Niederösterreich hat von Fremdwährungen noch immer nicht genug.

Fremdwährungskredite – also Doppelspekulationen auf Währungskurse und Zinssätze – sind neuerdings irgendwie out. Selbst die Wiener, die ja nie spekuliert, sondern nur „auf bessere Kurse gewartet“ haben, steigen jetzt unter hohen Verlusten aus ihren Franken-Krediten aus.

In St. Pölten sieht man das erdiger. Dort steckt man ja auch ziemlich tief in der Franken-Malaise (fast eine Milliarde Kredit) und auf entsprechend hohen Buchverlusten. Aber die sieht niemand, weil die Darlehen im Landesrechnungsabschluss mit dem Kurs zum Emissionszeitpunkt eingestellt sind.

Sie meinen, ein Unternehmensvorstand würde in Handschellen aus dem Büro geführt, wenn er so zu bilanzieren versuchte? Mag sein, aber der ist ja auch kein Landesfinanzreferent. Letzterer kann beispielsweise ein „Gesetz über die risikoaverse Finanzgebarung“ beschließen lassen (bitte nicht meckernd lachen, das heißt in Niederösterreich wirklich so), in dem festgeschrieben wird, dass unter Wasser liegende Fremdwährungskredite so lange zu rollieren sind, bis der Einstiegskurs wieder erreicht ist. Alles ganz easy!

Aber man muss sich ja nicht unbedingt in Franken refinanzieren, es gibt ja auch noch andere stark schwankende Währungen. Norwegische Kronen zum Beispiel. Tatsächlich hat das Land Niederösterreich in den vergangenen Monaten zwei Norwegen-Anleihen mit insgesamt 1,5 Mrd. Norwegischen Kronen Volumen (rund 160 Mio. Euro) begeben. Mit 2,68 beziehungsweise 2,82 Prozent Fixzins, angeblich unter Ausschluss des Währungsrisikos, also währungsgesichert. Mithin (vielleicht deshalb) relativ teuer, denn für vergleichbare, jüngst emittierte Euro-Anleihen zahlt das Land 2,1 Prozent.

Wieso teure Norwegen-Kronen statt billigerer Euro? Eine vernünftige Erklärung dafür liefert das Land nicht. Stellt die Bundesfinanzierungsagentur bei Euro-Anleihen vielleicht zu viele komische Fragen?

Wie auch immer: Wir sind hier neulich für stärkere föderale Finanzverantwortung eingetreten. Wenn man sich anschaut, wie unbeschwert manche Länder fuhrwerken, wäre vielleicht doch das Gegenteil sinnvoll.

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.03.2016)