Wozu dann eigentlich ein Hearing?

Andreas Schieder (l., SPÖ) und Werner Kogler (Grüne) am Weg zum Hearing
Andreas Schieder (l., SPÖ) und Werner Kogler (Grüne) am Weg zum HearingAPA/HERBERT NEUBAUER

ÖVP und SPÖ – die Koalition des Plans B.

Margit Kraker hat beim Hearing am Mittwoch im Parlament einen soliden Auftritt hingelegt. Derjenige von Gerhard Steger hingegen war herausragend. Auch wenn man in Rechnung stellt, dass Kraker wegen ihrer Vergangenheit im Büro von ÖVP-Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer von den Abgeordneten wesentlich härter angegriffen wurde als Steger, war dieser eine Liga für sich.

So gesehen war das Hearing nachträglich betrachtet eine Farce. Denn über seinen Schatten zu springen und Steger zu unterstützen schaffte ÖVP-Klubchef Reinhold Lopatka nicht. Das tat dann die SPÖ – und wählte Kraker. Um die zweite ÖVP-Kandidatin, Helga Berger, zu verhindern, die zwar fachlich qualifiziert gewesen wäre, der letztlich aber ihre freiheitliche Vergangenheit zum Verhängnis wurde.

Fachlich qualifiziert ist Margit Kraker zweifellos ebenso. Dennoch tritt sie nun mit der Punzierung der Kompromisskandidatin das Amt an. Als Plan B der SPÖ, für die es von Anfang an nichts zu gewinnen gab – auch weil ihr wieder einmal die FPÖ-Option fehlte. Und als Plan B der ÖVP, die immerhin ihre zweite Kandidatin durchbrachte. Ein Sieg der verbrannten Erde für Reinhold Lopatka.

Bescheidenes Fazit des Spektakels: Der Fortbestand der Koalition ist gesichert. Und der ORF-Chef für die SPÖ möglicherweise auch.

Für eines war das Hearing aber gut: Es führte der Öffentlichkeit die Eignung der Kandidaten vor. Die SPÖ hatte die schlechteste (Elfriede Baumann) und den besten (Gerhard Steger).

oliver.pink@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.06.2016)