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"Wickie" im Kino: Überlistung der Schwerkraft

(c) APA (Herbert Pfarrhofer)
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„Wickie und die starken Männer“ hat Regisseur Michael Herbig verwandelt. Statt brachialen deutschen Humors gibt es leichte Ironie in einem geradlinigen Kinderfilm.

Die Gesichter in „Wickie und die starken Männer“ sollten nicht von den Originalcharakteren ablenken, sagte der deutsche Regisseur Michael B. Herbig bei der Vorstellung seines jüngsten Kinofilms am Dienstag in Wien – und das war eine weise Entscheidung. Die Ähnlichkeit der Darsteller mit den Zeichentrickfiguren der erfolgreichen Fernsehserie der Siebzigerjahre wirkt frappant. Schlau ist Jonas Hämmerle als Wikingerbub Wickie, stur Waldemar Kobus als sein Vater Halvar, schrecklich Günther Kaufmann als dessen Widersacher Sven, Jürgen Vogel als dessen finsterer Geselle, lieblich und in Ansätzen den Buben so überlegen wie alle Frauen in dieser hinterlistigen Serie den Männern Mercedes Jadea Diaz als kleine Ylvi.

 

„Ich habe fast durchgeweint vor Glück“

Wäre nicht die pompöse Musik eines großen Orchesters, die statt der kleinen Combo des Originals eingesetzt wird, man glaubte an eine reale Wiederkehr der putzigen Trickfilmwelt am blauen Meer. Wie aus dem Märchenbuch sehen das Dorf Flake, die Schiffe und die Klippen in der Ferne aus.

Was aber hat „Wickie“ aus Herbig gemacht? Nun, er hat wohltuend mäßigend auf den Regisseur gewirkt, dessen bisherige Filme, angeführt von „Der Schuh des Manitu“ (2001), mit brachialem deutschen Humor zu den größten Kassenschlagern seines Landes wurden. Er habe sich diesmal der Parodie enthalten, weil der Stoff dafür nicht die perfekte Vorlage sei, sagte Herbig. „Wickie ist per se witzig.“ Auch sei er ein großer Fan von Abenteuerfilmen: „Ich habe alle 78 Folgen (der Serie) noch einmal angesehen und dabei fast durchgeweint vor Glück.“

 

Die Angst vorm Wolf

So weit muss es bei diesem harmlosen Kinofilm aber nicht kommen. Er beginnt im Jahre 1095 nach Christus, also im Jahr vor dem Ersten Kreuzzug, mit Episoden, die Wickies Angst vor Wölfen und seine intellektuelle Überlegenheit demonstrieren. Durch einen Sieg im Wettkampf gegen den Vater verdient sich der smarte Bub seinen ersten Wikingerhelm. Den braucht er auch für die große Abenteuerfahrt; die übrigen Kinder des Dorfes sind vom schrecklichen Sven geraubt worden, bald ist ihm Halvars Mannschaft auf der Spur. Es gibt rassige Kampfszenen, die kleine Leute auch ohne elterliche Begleitung verarbeiten können, und Gedankenblitze Wickies, durch die er schließlich auch die Schwerkraft besiegt.

Dass Herbig sich in einer Nebenrolle als spanischer Journalist Ramon Martinez Congaz in den Film hineinreklamiert hat, ist entbehrlich, so wie die exotische Rolle von Ankie Beilke als Flüchtling Lee Fu aus China. Aber vielleicht lag der Grund für diese Passagen tatsächlich in der Kuss-Szene, die der Regisseur für sich und Beilke schrieb.

 

Wie Fitzcarraldo über den Berg

Die Erwachsenen aber sind diesmal nur Staffage, die Kinder selbst organisieren ihre Befreiung. Wie Fitzcarraldo lässt Wickie den gutmütigen Faxe (Jörg Moukaddam) und eine halbherzige Mannschaft mit den ewigen Antagonisten Snorre (Christian A. Koch) und Tjure (Nic Romm) das bedrohlich knarrende Wikingerschiff über einen Berg ziehen. Das sind Zitate des ganz großen Kinos. Auf so eine Idee würde Sven nicht kommen und auch nicht Halvar. Dazu braucht es die Fantasie eines schlauen Kindes.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.09.2009)