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Neue Ausbildung für Lehrer – neue Probleme

(c) Clemens Fabry
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Mit Semesterbeginn ist die neue Pädagogenausbildung voll angelaufen. Damit gibt es nun keinen Unterschied mehr zwischen Lehrern an Gymnasien und Neuen Mittelschulen. Letztere könnte das in Schwierigkeiten bringen.

Wien. Die Ausbildung der Lehrer ist derzeit einem großen Wandel unterworfen. Denn seit Beginn dieses Wintersemesters gilt für alle angehenden Lehrer die 2013 beschlossene neue Pädagogenausbildung – und die ändert so einiges: Erstmals wird nur noch zwischen einem Primarpädagogen, der in der Volksschule eingesetzt wird, und einem Sekundarpädagogen, der Schüler ab dem Alter von elf Jahren unterrichtet, unterschieden (siehe Grafik). Die Trennung zwischen den Ausbildungen von AHS- und Neuen Mittelschullehrern fällt also.

Diese Neugestaltung bringt Chancen – derzeit aber auch noch einige Herausforderungen mit sich. Gewarnt wird etwa davor, dass das längere, teils schwierigere Studium für weniger Lehrernachwuchs sorgt, dass die fertig ausgebildeten Lehrer lieber an die AHS als an die Neue Mittelschule gehen und dass vermehrt Bachelor und nicht Masterabsolventen in den Schulen unterrichten. Eine Problemanalyse.

 

1 Durch den Aufnahmetest wird die Eignung für den Beruf nicht geprüft.

Die neue Lehrerausbildung macht sich für die angehenden Lehramtsstudenten schon vor Studienbeginn bemerkbar. Und zwar gleich doppelt – bei der Inskription und beim Aufnahmetest. Vorbei ist die Zeit, in der man sich vor dem Studium dafür entscheiden musste, ob man an einer AHS oder an einer NMS unterrichten möchte und sich je nachdem an einer pädagogischen Hochschule (PH) oder an der Universität einschrieb. Nun inskribieren Lehramtsstudenten in einem Verbund aus PH und Unis. Die beiden Institutionen arbeiten zusammen und bieten idente Curricula. Außerdem gibt es nun nicht mehr nur an den PH, sondern auch an den Unis Aufnahmetests. Wobei die mit einer Auswahl der geeignetsten Kandidaten für den Job nur wenig zu tun haben. Der Großteil der Bewerber wird ohnehin aufgenommen. An der Uni Wien bekommen selbst die am Test Gescheiterten eine Chance. Es geht kaum anders. Man braucht den Lehrernachwuchs derzeit.

 

2 Das Studium wird schwieriger und länger – der Nachwuchs weniger.

Volksschullehrer werden wie bisher von den PH allein ausgebildet. Ihr Studium wird aber deutlich länger. Statt drei sind es nun fünf Jahre (siehe Grafik). Das dürfte die Studienanfängerzahlen im Vorjahr, als die neue Lehrerausbildung für die Volksschullehrer eingeführt wurde, gedrückt haben. Mittlerweile dürften sich die Zahlen aber normalisiert haben. Bei den Sekundarstufenlehrern wird von manchen ein noch spürbarerer Rückgang an Interessenten befürchtet. Das längere Studium könnte bisherige PH-Interessenten mit dem Ziel NMS abschrecken. Denn auch sie müssen künftig wie die AHS-Lehrer einen vierjährigen Bachelor und einen eineinhalb- bis zweijährigen Master absolvieren. Das Interesse könnten auch die (im Vergleich zur bisherigen PH-Ausbildung) höheren fachlichen Anforderungen beeinflussen. Ein Extrembeispiel ist die Chemie. Dieses Fach konnte an der PH nur in Kombination mit Physik studiert werden. Im neuen Chemiestudium ist die fachwissenschaftliche Ausbildung nun mehr als verfünffacht.

 

3 Eine gemeinsame Ausbildung: NMS fürchten Lehrermangel.

Ausgebildete Sekundarstufenlehrer können dann sowohl an einer NMS als auch in AHS-Unter- und Oberstufe unterrichten. Diese Freiheit könnten es für Neue Mittelschulen schwierig machen, Lehrer zu finden, wird von unterschiedlichen Seiten immer wieder gewarnt. „Wer will schon an der NMS Hintertupfing unterrichten, wenn er im Theresianum auch genommen würde“, heißt es hinter vorgehaltener Hand von Lehrerausbildnern. Selbst wenn das Prestige keine Rolle für die Schulwahl spielt, könnte es für die NMS auch aus ganz praktischen Gründen schwierig werden, genügend Lehrer zu finden. Denn es gibt Fächer wie etwa Chemie oder Physik, in denen an den meist kleinen NMS nur wenige Unterrichtsstunden zu vergeben sind. Bisher musste jeder NMS-Lehrer zusätzlich zu einem Nebenfach auch ein Hauptfach studieren. So war es einfach, an einer kleinen Schule auf eine volle Lehrverpflichtung zu kommen. Diese Vorgabe fällt. Studiert künftig jemand Physik und Chemie, wird er wohl nicht genügend Stunden an einer kleinen NMS finden. Das macht die Wahl eines Gymnasiums, wo es nicht nur mehr Klassen, sondern durch die Oberstufe auch mehr Stunden gibt, wahrscheinlicher.

 

4 Es braucht keinen Master. Der Bachelor könnte zur Regel werden.

Die Ausbildung sieht eigentlich ein Bachelor- und ein Masterstudium sowie eine einjährige Induktionsphase in der Schule vor. Eigentlich. Denn viele Lehrer könnten künftig schon mit dem Bachelor unterrichten. Das dürfen sie auch. Sie können den Master nämlich auch berufsbegleitend machen. Die Frage wird sein, ob sie den Master neben dem Berufsalltag dann auch wirklich machen bzw. schaffen. Eine Festanstellung gibt es zwar nur mit einem Masterabschluss. In Zeiten des Lehrermangels wird man aber wohl auch mit Bachelorabschluss gefragt sein.

 

5 Die Zusammenarbeit zwischen Uni und PH ist noch schwierig.

Mit Nord-Ost, Süd-Ost, West und Mitte haben sich vier Verbünde zwischen Unis und PH zusammengefunden und gemeinsame Curricula ausgearbeitet. Doch nicht in allen Fächern haben sich PH und Uni auf eine Zusammenarbeit geeinigt. Das führt dazu, dass zumindest vorübergehend in fünf der neun Bundesländer die PH keine Kunst- und Werklehrer mehr ausbilden dürfen. Die Zahl der Warnungen vor Lehrermangel in diesem Bereich nahm in letzter Zeit zu.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.11.2016)